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Design-Legende Esslinger : „Wir brauchen mehr Spinner in den Unternehmen“

  • Aktualisiert am

„Viele unterscheiden sich nur an der Krawatte“: Hartmut Esslinger nicht. Bild: Eilmes, Wolfgang

Für Sony hat er Walkmans designt, für Apple den Macintosh. Der Lufthansa-Auftritt am Frankfurter Flughafen ist auch in Hartmut Esslingers Kopf entstanden.

          Herr Esslinger, Sie haben einmal gesagt, Sie wollten sich nur noch mit Schönem und Inspirierendem umgeben. Da kommen Sie nach Frankfurt und schauen sich deutsche Werbung an?

          Ja, das ist ein bisschen unkonventionell. Designer sind ja normalerweise nicht mit der Werbung befasst. Aber meine Frau hat mich dann überzeugt, es zu riskieren. Im Idealfall soll ja eine Produktentwicklung über die Werbung den Leuten nahegebracht werden und die Gesamterfahrung einer Marke ermöglichen.

          Das heißt, Sie können den Werbern und Unternehmern, die zum ADC-Festival zusammenkommen, etwas beibringen?

          Ich komme da nicht als Lehrer. Aber Diskussion ist immer gut. Was Werber und Designer verbindet, ist, dass sie sich in den Prozessen professionell verhalten müssen. Kreative stehen ja immer im Verdacht, dass sie das nicht können.

          Woran denken Sie spontan, wenn Sie an Frankfurt denken?

          Ich habe einmal fast ein halbes Jahr lang am Flughafen gelebt, im Sheraton-Hotel. Da habe ich mit meiner Firma Frog Design für die Lufthansa das Terminal 1 mitgestaltet und deren Flugzeuge auf das neue Unternehmensdesign umgestellt. Das war schon cool.

          Sie leben im Silicon Valley, unterrichten in Wien und Schanghai, kommen aber ursprünglich aus dem Schwarzwald. Wie unterscheidet sich die deutsche Kreativszene von der in anderen Ländern?

          Mir gefällt die Szene in Japan sehr gut, sehr kultiviert und fast schon rituell. Die Amerikaner sind entweder sehr idealistisch-naiv oder zu ernst, wenn es um Business geht. China steht voller Energie am Anfang. Die Deutschen sind zumindest im Design oft zu dogmatisch, und auch in der Werbung müsste dies ein bisschen lockerer werden. Mehr Fun!

          Das ADC-Festival steht unter dem Motto „Ideen sind das Geld von morgen“. Ein guter Slogan?

          Ja, hundert Prozent. Es sind ja immer rationale Menschen, die Unternehmen leiten. Die wollen zwar Kreative, sagen, wir brauchen mehr Spinner im Unternehmen. Aber wenn dann einmal jemand kommt, sagen sie: Wie sehen Sie aus, wo ist der Anzug? Die wollen zwar Strategien und Lösungen, verstehen aber kreative Prozesse nicht. Kreative Ideen sind ja nie eindeutig, die sind immer vage und man muss daran arbeiten. Und das empfinden die rationalen Leute als Gefahr. In der Wirtschaft geht es viel zu sehr ums Geld verdienen und nicht um Menschen, Kultur und Nachhaltigkeit.

          Sie selbst haben aber auch immer Produkte designt, die kommerziell erfolgreich waren, den Macintosh für Apple oder den Walkman für Sony zum Beispiel.

          Meine größten Erfolge kamen immer, wenn das Design ganz oben im Unternehmen angesiedelt war, wie bei Sony, Louis Vuitton oder bei meinem Freund Steve Jobs. Design kann vielleicht „unten“ entstehen, aber sich dann nicht durch Seilschaften von unten nach oben durchsetzen. Es gibt da zu viele Leute, die nicht kreativ sind und politisch agieren. Die haben alle den gleichen Anzug und unterscheiden sich nur an der Krawatte und an den Manschettenknöpfen. Das ist lächerlich. Ich meine, dass jedes große Unternehmen dringend Kreative im Vorstand und im Aufsichtsrat braucht.

          Frankfurt verbinden viele vor allem mit Banken. Brauchten die auch mehr Kreative, um endlich aus den Finanzkrisen herauszukommen?

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