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Kommentar zu Glücksspielen : Eine Kampagne könnte helfen

Zocken ist nicht cool: Hessen will konsequenter gegen Spielhallen vorgehen. Bild: dpa-Zentralbild

In Hessen soll nun Ernst gemacht werden im Kampf gegen noch mehr Spielhallen - auch zum Schutz der Jugend. Bislang ist der Staat das Spielhallengesetz jedoch sehr halbherzig angegangen.

          Muss sich der Staat um Menschen kümmern, die wider alle Vernunft ihr Geld verspielen? Ja, das muss er, das gehört zu seiner Fürsorgepflicht, gerade wenn junge Menschen gefährdet sind. Allerdings gibt das Gemeinwesen derzeit ein trauriges Bild als Tugendwächter und Schutzpatron ab.

          Wiederum und damit wohl endgültig könnte in den nächsten Monaten der Versuch scheitern, die im Internet grassierenden Sportwetten doch noch zu regulieren und damit die schlimmsten Auswüchse zu unterbinden. Die dazu nötige Änderung des Staatsvertrags über Glücksspiele wird voraussichtlich nicht zustande kommen. Das neue Jamaika-Bündnis in Schleswig-Holstein will den mühsam gefundenen Konsens aufkündigen, die FDP hat sich durchgesetzt.

          Neue Wege sind gefragt

          Ob die dergestalt verteidigte Freiheit des Gewerbes angesichts des Wildwuchses einer Branche, die mit vielen Gaukeleien versucht, die Teilnehmer zu immer neuen Wetten zu animieren, etwas mit Liberalismus zu tun hat, darf bezweifelt werden. Und wer einmal das Halbdunkel von Spielhallen betreten hat, der hat das Elend der Spielsucht zum Greifen vor sich. Er sieht, wie verlorene Gestalten Euro auf Euro in den Schlitz von Geräten, die seltsame Geräusche machen, in der Hoffnung werfen, es werde endlich etwas mit dem Hauptgewinn und man könne endlich damit aufhören. Da bleibt nicht mehr viel übrig vom Bild des lustigen Homo ludens.

          Aber es geht gar nicht so sehr um die manifest Abhängigen, sondern vor allem darum, das Geschäft mit den falschen Hoffnungen zu entzaubern und Jugendliche über die Gefahren aufzuklären. Viel zu oft ist vor den Gerichten zu hören, wie Straftäter in ein Milieu des Kiffens, Saufens und Zockens geraten waren und aus der Abwärtsspirale nicht mehr herausfanden.

          Die Möglichkeiten des Staates sind beschränkt, sie müssen deshalb konsequent genutzt werden. Am Beispiel des Spielhallengesetzes wird deutlich, wie halbherzig das bisher geschieht. Vermeintlich strikte Regelungen wie ein Mindestabstand von 300 Metern zwischen zwei Daddelstuben werden durch Klauseln über Härtefälle konterkariert. Neue Wege sind gefragt. Die Kampagnen gegen das Rauchen und den Missbrauch von Alkohol haben gezeigt, dass „die Jugend“ durchaus mit Argumenten und Aufklärung zu erreichen ist. Es ist an der Zeit, das Image zu zerstören, Zocken sei cool.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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          Quelle: F.A.Z.

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