Immerhin haben die Fußballprofis der Offenbacher Kickers ihren Humor nicht verloren. Zwar verbesserten sie sich durch den 3:1-Auswärtssieg am Samstag über Alemannia Aachen nur vom 20. auf den 19. Platz. „Aber in der Kabine hieß es, dass wir in der Tabelle hochgeschnellt seien“, sagte Ramon Berndroth. Der Sportkoordinator des Drittliga-Klubs blickte in viele glückliche Gesichter, aus denen er große Erleichterung ablas. Nicht nur, weil der OFC nach vier Niederlagen am fünften Spieltag sein erstes Saisonspiel gewann. Es war auch die souveräne Art, mit der die angeschlagene Mannschaft die Aufgabe beim Zweitliga-Absteiger löste, die wohl nicht nur Berndroth ein bisschen überraschte. „Wir müssen in kleinen Schritten vorankommen“, lautete seine Marschroute in der Krisensituation. „Doch heute war es ein größerer Schritt.“
Eingeleitet wurde dieser durch einen Blitzstart. Bereits nach fünf Minuten traf Kickers-Angreifer Mathias Fetsch vor 15.300 Zuschauern zum 1:0. Zum ersten Mal in dieser Runde in Führung gegangen zu sein gab dem tief gefallenen Aufstiegsanwärter Auftrieb. Ein solch kompaktes und konzentriert zu Werke gehendes Team hatten die 500 mitgereisten OFC-Anhänger in dieser Spielzeit noch nicht gesehen. Neu war für sie außerdem die Laufbereitschaft der Akteure und deren spielerisches Vermögen. Zu bestaunen war das auch beim zweiten Treffer (35. Minute), als abermals Fetsch nach Zuspiel von Julius Reinhardt mit großer Abgeklärtheit die Offenbacher Führung ausbaute. „Das ist das, was ich mir gewünscht habe: dass wir alle eine Einheit sind. Auf meine Jungs ist Verlass“, sagte Trainer Arie van Lent. Zwei Minuten nach der Pause fiel dann das 3:0, Innenverteidiger Markus Husterer war im Anschluss an einen Eckball erfolgreich. Der Gegentreffer des Aachener Denis Pozder in der 80. Minute warf die Kickers nicht mehr aus der Bahn.
„Jeder hat seine Aufgabe. Wenn er die erfüllt, klappt es auch“
„Der OFC ist wieder da.“ Die Sprechchöre der Fans genossen die Spieler, die viel Kritik hatten einstecken müssen - sogar aus den eigenen Reihen. So bemängelte Torhüter Robert Wulnikowski, dass jeder nur mit sich zu kämpfen habe. Im Duell mit den Aachenern, die ihre erste Niederlage bezogen, riss sich die Mannschaft jedoch zusammen. Das hatte van Lent auch gefordert. Er sagte: „Jeder hat seine Aufgabe. Wenn er die erfüllt, klappt es auch.“
Mit fünf Misserfolgen zum Liga-Auftakt hätten die Hessen in ihrer Spielklasse beinahe Geschichte geschrieben. Womöglich wäre van Lent nicht mehr zu halten gewesen. Der Coach kann nun zwar etwas aufatmen. Trotzdem befindet er sich weiter in der schwierigsten Situation seiner jungen Trainerkarriere. Denn noch ist nicht klar, ob das die Wende war. „Es war zumindest ein Anfang“, findet Berndroth. „Der Sieg tut uns allen gut.“ Die Spieler haben vom Trainer zwei Tage freibekommen. Zeit, um durchzuschnaufen. „Bei der Ausgeglichenheit der Liga ist es nicht leicht, da hinten rauszukommen“, meint Berndroth. Denn trotz aller Erleichterung: mehr als einen Platz hat der Tabellenvorletzte bisher nicht gutgemacht.