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Der Markt der Schönheit Wer schön sein will, muss zahlen

Plastische Chirurgie, Abnehmprogramme, Kosmetik: der Markt mit der Schönheit boomt. Nur die Betreiber kleiner Sonnenstudios leiden unter erheblich verschärften Vorgaben. Ein Überblick.

© AFP Ein Schmollmund soll es sein: Füllflüssigkeit wird in die Lippe gespritzt. Minimalinvasive plastische Chirurgie wird immer beliebter.

Die Zahlen geben zu denken: Nach Angaben des Statistischen Landesamtes in Wiesbaden waren 2009, zum Zeitpunkt der jüngsten Erfassung, 61,1 Prozent der Männer und 42,1 Prozent der Frauen zu dick - schockierende Zahlen, die aber noch unter dem deutschlandweiten Durchschnitt liegen.

Das ist die eine Seite. Auf der anderen beklagen nicht nur Feministinnen seit Jahren die „Magermodels“ der Mode- und Filmbranche. Essstörungen sind nicht nur bei jungen Mädchen so weit verbreitet wie noch nie. Fernsehshows zeigen Frauen, die sich unter dem Skalpell innerhalb weniger Monate vom „hässlichen Entlein“ in einen „schönen Schwan“ verwandeln lassen. Und der Trend macht vor dem Leben abseits der Fernsehkameras nicht halt: Das Geschäft mit der Schönheit ist ein riesiger Markt, auch in Hessen - und er wächst.

Jeder Mediziner kann „Schönheitschirurg“ sein

So beobachtet Norbert Kania, Inhaber und Chefarzt der Novolinea Klinik für Schönheitschirurgie in Frankfurt, seit mehr als zehn Jahren eine stetig wachsende Nachfrage, er spricht von 20 bis 30 Prozent mehr im Jahr. Wie groß der Markt tatsächlich ist, lässt sich kaum sicher sagen. „Mit Kollegen über Geld zu sprechen ist unmöglich“, sagt Kania. Und wenn einer rede, dann übertreibe er meist. Ärzteverbände beklagen, dass Umfragebögen kaum zurückgeschickt würden.

Die Vereinigung plastischer Chirurgen „Acredis“ mit Sitz in Frankfurt kommt in einer noch unveröffentlichten Studie zu dem Ergebnis, dass die Deutschen 2012 zwischen 560 und 850 Millionen Euro für alles in allem etwa 170000 Schönheitsoperationen ausgegeben haben. Allein in Frankfurt sind zirka 20 Fachärzte für Schönheitschirurgie zugelassen. Der Titel „Schönheitschirurg“ ist rechtlich allerdings nicht geschützt. Mediziner berichten von Zahnärzten, die Botox spritzen, oder Dermatologen, die in Hotels Fett absaugen. So gibt es auch in Frankfurt mittlerweile unzählige Anbieter, die mit Finanzierungsmöglichkeiten, Botox- und Fett-weg-Flatrates locken.

Eine „Verschnaufpause“ für die Schönheitschirurgie

2012 habe der Markt zwar eine „Verschnaufpause“ eingelegt, berichten die Marktforscher von Acredis, der Umsatzrückgang von 2,2 Prozent sei aber nur temporär. Ungebremst wächst den Angaben zufolge aber der Markt für Faltenunterspritzungen mit Botox oder Hyaluron: um elf Prozent allein im vergangenen Jahr. Der Trend gehe zwar zu solchen minimal-invasiven Eingriffen, der „Schönheit in der Mittagspause“, wie es ein Sprecher der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC) nennt. Aber auch intimchirurgische Eingriffe wie Penisverlängerungen und Schamlippenkürzungen würden regelmäßig vollzogen. Die Chirurgenvereinigungen stellen fest, dass vor allem die starke Medienpräsenz solcher Operationen zu einer sichtbaren Trendentwicklung geführt habe.

Auch Männer legen sich offenbar immer häufiger unters Messer: Etwa ein Fünftel der Patienten ist männlich. In der Altersklasse von 30 bis 45 Jahren besonders beliebt: Fettabsaugungen.

Wachsendes Qualitätsbewusstsein in Europa

Rein kosmetische Prozeduren werden von den Krankenkassen generell nicht übernommen. Eine Fettabsaugung kostet laut Acredis zwischen 1500 und 5800 Euro, die beliebte Brustvergrößerung mindestens 3200 Euro. In den Großstädten liegen die Preise meist deutlich höher, bei Kania in Frankfurt schlägt die neue Körbchengröße mit mindestens 6500 Euro zu Buche - darin nicht enthalten sind schwierige Fälle und Folgekosten wie zum Beispiel bei schlechter Wundheilung. Auch bei Ärztepfusch bleiben die Patienten meist auf diesen Kosten sitzen, denn dann sind sie in der Beweispflicht. So mussten auch die Opfer des Skandals um gesundheitsgefährdende Implantate aus Frankreich in die eigene Tasche greifen.

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