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Der Lokaltermin : Rippchen und Rote Sternrenette

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Ein bisschen wie daheim: Jockel Döringer mit Gästen. Bild: Wonge Bergmann

Das traditionsreiche „Daheim im Lorsbacher Thal“ in Alt-Sachsenhausen bietet gute deutsche Küche. Das Lokal gärt im Keller noch eigenen Ebbelwei - damit sticht es hervor. Der Lokaltermin.

          Im Keller gluckert und blubbert es vor sich hin. In einer langen Reihe stehen die großen Glasballons an der Wand. Die bräunliche Flüssigkeit, die in ihnen gärt, ist Apfelwein - oder eine Vorstufe davon. Hier im Keller ist das Reich von Johannes Döringer, genannt Jockel. Hier tobt er seine Liebe zum Ebbelwei, dem Frankfurter Nationalgetränk, aus. Hier keltert er aus Bohnapfel, Boskoop, Kaiser Wilhelm oder Roter Sternrenette seine Spezialitäten, reinsortige und sortengemischte Apfelweine, die er in den nächsten Monaten nach und nach seinen Gästen anbieten wird, ein Stockwerk höher im Gastraum des „Lorsbacher Thal“ im Herzen von Alt-Sachenhausen.

          Neulich war dort oben noch alles grün - jetzt ist passend zur Weihnachtszeit Rot die zentrale Deko-Farbe. Auch das gehört im „Lorsbacher Thal“ jetzt zum Konzept. „Ein paarmal im Jahr wollen wir dem Ganzen einen neuen Touch geben“, sagt Frank Winkler, der zusammen mit seiner Frau Pia und Jockel Döringer das traditionsreiche Lokal im Sommer gepachtet, behutsam renoviert, im August neu eröffnet und mit dem Zusatz „Daheim im“ versehen hat.

          Ebbelwei - der wahre Schatz dort

          Der Wille zur ständigen Veränderung schlägt sich natürlich auch in der Karte nieder: Die wechselt mit der Deko und den Jahreszeiten. Außer Klassikern wie Grüner Soße, Schäufelchen oder Tafelspitz gibt es in diesen Tagen zum Beispiel Gans und Ente - im Haus vorbereitet, gebraten und zerlegt. „Keine Fertigprodukte, keine Fritteuse, keine Tricks“, sagt Winkler. Und darum werden die Schnitzel nicht in Öl, sondern selbstverständlich in Butterschmalz gebraten. Darum wird der Rotkohl für die Gänsekeulen und -brüste noch selbst geschnippelt und eingekocht. Und darum stehen draußen säckeweise Kartoffeln für den hausgemachten Stampf, der zu Rippchen, Rinderleber oder Bauernbratwurst serviert wird, und für die Bratkartoffeln, die es zur Grillhaxe, zur Sülze oder zu „Oma Eva’s Berliner Bulette“ gibt.

          Das alles ist traditionelle deutsche Küche im besten Sinne (Hauptgerichte zwischen 5,80 und 23,80 Euro). Nicht nur den Schnitzeln und dem Kartoffelstampf ist die gute Behandlung, die ihnen in der Küche zuteil wird, anzumerken. Auch die saisonal wechselnden Salate und die Vorspeisen, die hier nicht zeitgeistig „Hessen-Tapas“, sondern schlicht und einfach Häppchen heißen (2,30 bis 5,50 Euro), sind stets frisch und grundsolide zubereitet. In viel zu vielen Frankfurter Traditionslokalen ist das längst nicht mehr der Fall.

          Der wahre Schatz, der das „Daheim im Lorsbacher Thal“ von diesen Wirtschaften abhebt, aber ist die größte Ebbelwei-Karte der Stadt: Außer den 25 Eigenkreationen, die im Keller dem Schoppenglas entgegenblubbern, hat Jockel Döringer gut 50 weitere Sorten Apfelwein im Programm, vom vollfruchtigen und frischen Bohnapfel/Boskoop vom Frankfurter Apfelweinkontor über den knackigen Braeburn von der Kelterei Nöll bis zum restsüßen Trierer Weinapfel von der Kelterei Weidmann und Groh (0,2-Liter-Glas von 2,20 bis 5,20 Euro). Selbst Tropfen aus Brandenburg, Baden-Württemberg, Österreich und demnächst Amerika sind dabei. Statt im Gerippten werden diese Spezialitäten im Weinglas serviert - und sie haben das Zeug, auch Skeptiker von den Vorzügen des Frankfurter Nationalgetränks zu überzeugen.

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