Home
http://www.faz.net/-gzg-11opp
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Der Kommentar Hannah Arendt und die hessische Hausfrau

Viele sehen 2009 mit Skepsis entgegen - die Prognosen sind durchwachsen. Auf eine Vorhersage aber kann man sich festlegen: Hessen wird bald wieder eine handlungsfähige Regierung haben.

Jahre gab es, auf die freuten wir uns mehr als auf 2009. Auf das vergangene Jahr zum Beispiel. Doch es hilft nichts, gestern hat das Jahr begonnen, von dem niemand richtig weiß, was es bringen wird, von dem aber viele sagen, so eines habe es lange nicht mehr gegeben, so schlimm. Merkwürdig, wie viele Schlauberger das immer vorher schon wissen.

Mancher wird denken: „Das sind mir die Richtigen, die jetzt schon wieder orakeln. Wenn die wirklich so schlau sind, warum haben sie dann den ganzen Schlamassel nicht kommen sehen?“ Vielleicht sind die Richtigen in Wirklichkeit ja die Falschen? Die Bundeskanzlerin hatte schon recht: Hätte man beizeiten auf die schwäbische Hausfrau gehört, wäre die Finanzkrise vermutlich niemals ausgebrochen. „Weil es nicht gutgeht, wenn man auf Dauer über seine Verhältnisse lebt“, hätten Frau Häberle und Frau Pfleiderer gewarnt. Nebenbei gesagt: In Stuttgart konnte Angela Merkel gar nicht anders, als die schwäbische Hausfrau zu loben, schon klar. Noch mehr Respekt verdient freilich die hessische Hausfrau, denn sie verkörpert Lebensklugheit ohne Kehrwoche.

So schütter viele Prognosen ausfallen, mit einer Vorhersage lassen wir uns allerdings beim Wort nehmen: Hessen wird bald wieder eine handlungsfähige Regierung haben. So oder so – den Umfragen nach eher so, aber auch vor Jahresfrist schienen die einen noch hinreichend weit vor den anderen zu liegen, bis es dann kam, wie es kam. In gut zwei Wochen wissen wir mehr. Wer in diesen Tagen den neuen Terminkalender für 2009 anlegt, sollte jedenfalls den 18. Januar dick anstreichen: zur Wahl gehen!

Freudig vormerken können wir das Deutsche Turnfest Anfang Juni. Tausende junger Leute werden nach Frankfurt kommen, und sie werden sich fragen, warum eine so aufregende Stadt immer noch einen so lausigen Ruf habe. „My Güte“, werden sie nach dem Bummel über their Zeil sagen, „das hätten wir nicht gedacht. Frankfurt ist ja richtig schön. Ohne das Turnfest hätten wir etwas versäumt.“ Nicht viel verpassen werden hingegen die Frankfurter, die mit ihren Familien jetzt noch schnell eine Woche Winterferien machen, ehe am 12. Januar die Schule wieder beginnt. Die Radeberger-Brauerei wird bis dahin ebenso wenig einen neuen Standort finden wie die IHK einen neuen Präsidenten, und die Eintracht spielt erst am 31. Januar.

Alle Fragen also offen? Das neue Jahr ein schwarzes Loch? Nicht ganz. Eigentlich ist es, wie Hannah Arendt sagt, sogar recht einfach, die Zukunft vorherzusagen: Wir alle müssen bloß unsere Versprechen halten.

Es ist recht einfach, die Zukunft vorherzusagen: Wir alle müssen bloß unsere Versprechen halten.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 01.01.2009, 18:11 Uhr

Reichlich ambitioniert

Von Matthias Alexander

Auf dem Frankfurter Wohnungsmarkt gibt es längst kein Halten mehr. Investoren flüchten in das Betongold. Doch die ambitionierten Preise sind mit Risiken verbunden. Mehr 3