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Der Kommentar Ein Gewinn für Hessen

03.03.2009 ·  Hessen behält seinen überzeugendsten Oppositionspolitiker und Roland Koch seinen Lieblingsgegner: Tarek Al-Wazir wird im September nicht für den Bundestag kandidieren. Keiner vor ihm, nicht einmal Joschka Fischer, hat bei den hessischen Grünen so viel Macht in sich vereint.

Von Ralf Euler
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Hessen behält seinen überzeugendsten Oppositionspolitiker und Roland Koch seinen Lieblingsgegner. Die Entscheidung des Grünen-Fraktionschefs im Landtag, Tarek Al-Wazir, im September nicht für den Bundestag zu kandidieren, ist für das Land und für den Ministerpräsidenten ein Gewinn.

Für eine lebendige Demokratie bedarf es einer starken Opposition, und Koch weiß Al-Wazirs Gegnerschaft zu schätzen, ist er sich doch bewusst, dass intellektuelle Brillanz in der Auseinandersetzung mit Ebenbürtigen noch heller erstrahlt.

Nicht mal Joschka Fischer vereinte so viel Macht

Seit fast neun Jahren führt Al-Wazir nun schon die Landtagsfraktion der Grünen, seit September 2007 steht er – gemeinsam mit der formell gleichberechtigten Kordula Schulz-Asche – zudem an der Spitze des Landesverbands. Keiner vor ihm, nicht einmal Joschka Fischer, hat in der Partei so viel Macht in sich vereint, und in Sachen Esprit und Eloquenz reichen dem 38 Jahre alten Offenbacher im Landtag nur wenige das Wasser.

Al-Wazir spitzt zu und polarisiert, wie es sich für einen Oppositionspolitiker gehört, bewahrt sich dabei aber stets Kompromissfähigkeit. Solange Thorsten Schäfer-Gümbel, der neue Vorsitzende der immer noch stärksten Oppositionspartei SPD, nicht an Statur gewonnen hat, ist der von Al-Wazir erhobene Anspruch auf die Oppositionsführerschaft deshalb keine Anmaßung.

Der Erfolg gebiert auch Neider

Dabei ist der große Traum des starken Manns der Grünen, die Ablösung der Regierung Koch, nicht in Erfüllung gegangen, und auch an der Wahlurne gab es für Al-Wazir ein Auf und Ab. Der begeisterte Fußballfan und Langstreckenläufer übernahm die Fraktion nach der Landtagswahl 1999, als die Grünen von 11,2 auf 7,2 Prozent zurückgefallen waren, brachte sie im Jahr 2003, mit 10,1 Prozent, zurück in die Zweistelligkeit, er- und überlebte Anfang 2008 den Absturz auf 7,5 Prozent und konnte bei der vorgezogenen Wahl im Januar mit 13,7 Prozent das beste Ergebnis der Grünen in der hessischen Geschichte feiern.

Klar auch, dass der Erfolg Neider gebiert: In der Landespartei herrscht nicht nur eitel Freude über die Heimatverbundenheit des Chefs. Hinter vorgehaltener Hand wird, in Anspielung auf Joschka Fischer, schon das Bild eines alle anderen Talente in den Schatten stellenden „Übervaters“ an die Wand gemalt. Ihnen bleibt eine Hoffnung: Sollte die Partei im Herbst Ministerposten in Berlin zu verteilen haben, würde der Ruf nach Al-Wazir möglicherweise nicht noch einmal ungehört verhallen.

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