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Veröffentlicht: 03.11.2015, 18:26 Uhr

Fahrdienstvermittler Uber Ausgebremst

Der Fahrdienstvermittler Uber zieht sich aus Frankfurt zurück, auf der virtuellen Uber-Karte ist es leer geworden. Ein Sieg für die Taxifahrer – doch das Unternehmen arbeitet schon an neuen Angeboten.

von Florentin Schumacher, Frankfurt
© dpa Druckempfindlich: Uber begründet seinen vorläufigen Rückzug mit der Regulierung des Geschäfts.

Es ist leer geworden auf der virtuellen Uber-Karte. Wer die App des amerikanischen Fahrdienstvermittlers öffnet, der sieht nur noch einige wenige Autosymbole, die auf dem Bildschirm durch das Frankfurter Stadtgebiet flitzen. Nicht einmal mehr eine Woche, dann werden auch sie verschwunden sein.

Für den Verbund Taxi kommt der Rückzug nicht überraschend

Denn das umstrittene Unternehmen aus den Vereinigten Staaten stellt nächsten Montag seine Dienste Uber X und Uber Black ein und zieht sich damit aus Düsseldorf, Hamburg und Frankfurt zurück – zumindest vorläufig, wie Christian Freese ankündigte. Der Deutschland-Chef von Uber begründete die Entscheidung mit den „schwierigen Rahmenbedingungen bei der Vermittlung von Fahrten professioneller Mietwagenunternehmer“. Zudem sei es wegen der „gegenwärtigen Regulierungen“ für viele Fahrer zu teuer und zeitraubend, die notwendigen Genehmigungen einzuholen, um für Uber tätig werden zu dürfen. Daher habe die Nachfrage in Frankfurt das Angebot deutlich überstiegen.

Für den Verbund Taxi Deutschland und seinen Vorsitzenden Dieter Schlenker kommt der Rückzug von Uber nicht überraschend. Der Fahrdienstvermittler habe sich als „billige Alternative zum Taxigewerbe“ etablieren wollen. „Dass wir in Deutschland Wert auf Verbraucherschutz, Sicherheit und Ausbildung legen, interpretiert Uber als ,schwierige Rahmenbedingungen‘“, äußerte Schlenker, der auch Vorstand von Taxi Frankfurt ist und im Frühjahr das Verbot von Uber Pop erwirkt hatte.

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Während Uber Pop Fahrten mit Privatpersonen in ihren eigenen Autos vermittelte, gelangen die Kunden bei dem im Mai in Frankfurt gestarteten Dienst Uber X mit Mietwagenfahrern von A nach B. Sie alle haben dem Unternehmen zufolge einen Personenbeförderungsschein; die Autos sind als Mietwagen zugelassen und für die gewerbliche Fahrgastbeförderung versichert. Dennoch könne man Fahrten 15 bis 20 Prozent günstiger anbieten, als die Taxifahrer dies könnten, hieß es beim Unternehmen. Uber warb bei der Einführung des Dienstes zudem mit dem Versprechen um Fahrer, die Gebühren für die erforderlichen Prüfungen zu übernehmen.

Uber will auch Waren und Speisen ausliefern

Gereicht hat das nicht. Nur wenige Fahrer in Frankfurt nutzen Uber X. Taxi Deutschland spricht von 15 bis 20 Personen im Vergleich zu den rund 4000 Taxifahrern in der Stadt; der Fahrdienstvermittler selbst nennt keine genauen Zahlen für einzelne Städte. Wer selbst schon einmal mit der Uber-App einen Wagen bestellt hat, weiß, dass es jedenfalls in Frankfurt nicht sehr viele sein können – zu lang sind die Wartezeiten mitunter. Nun will sich Uber erst einmal auf Berlin und München konzentrieren.

Dort erzielt das Unternehmen nach eigenen Angaben zusammen 70 Prozent des Deutschland-Umsatzes. Doch es ist schwer zu glauben, dass Uber, dessen Chef einst von einem „Arschloch namens Taxi“ sprach, sich damit langfristig zufriedengeben wird. So soll zum Beispiel das Angebot Uber Pool geplant sein. Wer es nutzt, kann sekundenschnell Auto und Fahrer ordern, teilt sich den Wagen aber auf einem Teil der Strecke mit Mitfahrern, wodurch die Fahrt günstiger wird. Deutschlandchef Freese sagte vor einigen Tagen, das Angebot könnte 2017 in der Bundesrepublik starten.

Der Personentransport könnte künftig außerdem nur noch eines der Geschäftsfelder von Uber sein. Auch Waren und Speisen sollen eines möglichst baldigen Tages ausgeliefert werden, wie es in einigen Städten, so in San Francisco, Paris, New York und Barcelona, unter der Marke Uber Eats bereits geschieht. Ende des Jahres könnte ein derartiges Angebot auch in Deutschland eingeführt werden, zum Beispiel in Berlin, äußerte Freese. International will Uber zudem einen Paketservice testen, wie es ihn bisher in drei amerikanischen Städten gibt.

Das 2009 in San Francisco gegründete Unternehmen erreichte nach einer in diesem Sommer abgeschlossenen Finanzierungsrunde eine Bewertung von mehr als 50 Milliarden Dollar. Inzwischen wird das Start-up laut der „New York Times“ schon mit 60 bis 70 Milliarden Dollar bewertet.

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