Home
http://www.faz.net/-gzg-73li0
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Demonstrationen in Frankfurt Gegen Kapitalismus und für Freiraum

Zum „globalen Tag des Lärms“ wurde gestern in Frankfurt an mehreren Orten demonstriert. Occupy feierte Jahrestag, Studenten protestierten für „sozialen Freiraum“.

© Wohlfahrt, Rainer Vergrößern Erinnerungsfoto: Die Demonstranten, die einem Aufruf von Occupy Frankfurt gefolgt waren, posieren vor der Commerzbank.

Der Schall springt zwischen dem Turm der Commerzbank und dem alten Hochhaus der Deutschen Bank hin und her. „Brecht die Macht der Banken und Konzerne!“, rufen die rund 120 Demonstranten, die gestern einem Aufruf von Occupy Frankfurt gefolgt sind, um noch einmal gegen das Finanzsystem zu demonstrieren. Auf der obersten Stufe der Treppen vor dem Commerzbank-Turm stehen vier Polizisten. Sie sehen aus wie Denkmäler, erst recht, als sich einer mit der Maske der Anonymous-Bewegung davor postiert wie für ein Foto. Fast alle anderen, die im Protestzug vom Rathenauplatz zum Römerberg dabei sind, tun es ihm gleich. Die Kameras der Pressefotografen klicken. Ein schönes Motiv.

Das ist es, was für Erik Buhn zählt. Der Student gehörte zu den Anmeldern der großen Occupy-Demonstrationen vor einem Jahr und ist immer noch dabei, wenn es gegen den Kapitalismus geht. „Die schiere Masse wirkt heute nicht mehr“, sagt er. Ihm ist es wichtiger, dass die Leute, die kommen, einen guten Grund haben. Und dass die Medien da sind, um das Zeichen, das sie setzen, zu multiplizieren.

Mehr zum Thema

Die Idee zur Lärm-Demo stammt aus Kanada

Occupy hat seine Jahrestagsdemonstration in den weltweiten Aktionstag „Global Noise Day“ eingebettet. Überall in der Stadt sind gestern nach dem Prinzip des Aktionstages kleine Gruppen zusammengekommen, um Lärm gegen alles Mögliche zu machen. Im Nordend ging es um Gentrifizierung, im Museumsuferpark um Profit, immer schlugen Menschen mit Kochlöffeln auf Töpfe und mit Pfannen auf Pfannen. Die Idee kommt aus Kanada. Im Mai sind in Quebec und Montreal Hunderttausende auf die Straße gegangen, um mit Lärm gegen die Erhöhung der Studiengebühren zu demonstrieren. Die Aktionen waren fast alle spontan und an vielen Orten gleichzeitig - wieder so eine Idee vom Format Zeltstadt. Auch der Impuls, im Zuccotti-Park in New York oder vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt zu campen, kam aus Kanada.

Am Frankfurter Hauptbahnhof tanzten gestern Menschen zu den Rhythmen, die als Clowns verkleidete Demonstranten schlugen. Unter anderen der AStA der Goethe-Universität und das „Institut für vergleichende Irrelevanz“ (Ivi) hatten zu einer Kundgebung für mehr soziokulturellen Freiraum aufgerufen. Laut Polizei zogen rund 450 Menschen durch die Kaiserstraße und über die Hauptwache zum Uni-Campus in Bockenheim. Die Studentin Rebecca war aus Heidelberg gekommen, um mitzumachen. „In unserer Gesellschaft werden die Räume zur Selbstverwirklichung immer weiter eingeschränkt“, sagte sie. Die Veranstalter kritisierten, dass durch die städtebauliche „Aufwertung vermeintlicher Problemviertel die Marginalisierten unsichtbar gemacht werden“. Der „Global Noise Day“ sollte in Frankfurt am Abend auf dem Paulsplatz enden - mit einer Zusammenkunft von Kapitalismusgegnern und Freiraumbefürwortern.

Quelle: F.A.S.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Pediga in Frankfurt und Gießen Polizei rechnet mit unangemeldeten Protesten

Pegida ist in Frankfurt angekommen. Einige hundert Anhänger wollen am Montag erstmals auf die Straße gehen. Zugleich wollen bis zu 10.000 Menschen gegen Rassismus demonstrieren. Bereits am Sonntag gibt es zwei Demonstrationen in Gießen. Mehr

22.01.2015, 16:40 Uhr | Rhein-Main
Album der Woche: Beck: Song Reader

Hörprobe: Just Noise Mehr

18.08.2014, 13:16 Uhr | Feuilleton
Stadtparlament zu Pegida Was Herr Mund hier äußert, ist nicht Frankfurt

Als das Frankfurter Stadtparlament über Pegida streitet, geht es hoch her. Sorgsam wählen die Verordneten ihre Worte. Nur ein Politiker fällt dabei völlig aus dem Rahmen. Mehr Von Tobias Rösmann, Frankfurt

30.01.2015, 15:40 Uhr | Rhein-Main
21.000 Menschen demonstrieren gegen IS-Miliz

In Düsseldorf fordern die Demonstranten Solidarität mit den kurdischen Kämpfern in Kobane. Mehr

12.10.2014, 10:18 Uhr | Politik
Frankfurt Demos für und gegen Pegida angekündigt

Auf dem Römerberg und an der Hauptwache sollen Demonstrationen gegen und für Pegida stattfinden. Die Polizei schließt Gewalttaten nicht aus und ist mit einem Großaufgebot vertreten. Mehr Von Katharina Iskandar, Frankfurt

26.01.2015, 06:19 Uhr | Rhein-Main
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 13.10.2012, 20:06 Uhr

Erst der Patient, dann der Gewinn

Von Rainer Hein

Darmstadts Klinikdezernent ist frohen Mutes. Gerade erst hat die Stadt zwei kirchliche Krankenhäuser aufgekauft. Doch nach der Fusion sollen nicht etwa hohe Renditen im Mittelpunkt stehen. Mehr