http://www.faz.net/-gzg-73li0
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 13.10.2012, 20:06 Uhr

Demonstrationen in Frankfurt Gegen Kapitalismus und für Freiraum

Zum „globalen Tag des Lärms“ wurde gestern in Frankfurt an mehreren Orten demonstriert. Occupy feierte Jahrestag, Studenten protestierten für „sozialen Freiraum“.

von und Philip Barnstorf, Frankfurt
© Wohlfahrt, Rainer Erinnerungsfoto: Die Demonstranten, die einem Aufruf von Occupy Frankfurt gefolgt waren, posieren vor der Commerzbank.

Der Schall springt zwischen dem Turm der Commerzbank und dem alten Hochhaus der Deutschen Bank hin und her. „Brecht die Macht der Banken und Konzerne!“, rufen die rund 120 Demonstranten, die gestern einem Aufruf von Occupy Frankfurt gefolgt sind, um noch einmal gegen das Finanzsystem zu demonstrieren. Auf der obersten Stufe der Treppen vor dem Commerzbank-Turm stehen vier Polizisten. Sie sehen aus wie Denkmäler, erst recht, als sich einer mit der Maske der Anonymous-Bewegung davor postiert wie für ein Foto. Fast alle anderen, die im Protestzug vom Rathenauplatz zum Römerberg dabei sind, tun es ihm gleich. Die Kameras der Pressefotografen klicken. Ein schönes Motiv.

Denise Peikert Folgen:

Das ist es, was für Erik Buhn zählt. Der Student gehörte zu den Anmeldern der großen Occupy-Demonstrationen vor einem Jahr und ist immer noch dabei, wenn es gegen den Kapitalismus geht. „Die schiere Masse wirkt heute nicht mehr“, sagt er. Ihm ist es wichtiger, dass die Leute, die kommen, einen guten Grund haben. Und dass die Medien da sind, um das Zeichen, das sie setzen, zu multiplizieren.

Mehr zum Thema

Die Idee zur Lärm-Demo stammt aus Kanada

Occupy hat seine Jahrestagsdemonstration in den weltweiten Aktionstag „Global Noise Day“ eingebettet. Überall in der Stadt sind gestern nach dem Prinzip des Aktionstages kleine Gruppen zusammengekommen, um Lärm gegen alles Mögliche zu machen. Im Nordend ging es um Gentrifizierung, im Museumsuferpark um Profit, immer schlugen Menschen mit Kochlöffeln auf Töpfe und mit Pfannen auf Pfannen. Die Idee kommt aus Kanada. Im Mai sind in Quebec und Montreal Hunderttausende auf die Straße gegangen, um mit Lärm gegen die Erhöhung der Studiengebühren zu demonstrieren. Die Aktionen waren fast alle spontan und an vielen Orten gleichzeitig - wieder so eine Idee vom Format Zeltstadt. Auch der Impuls, im Zuccotti-Park in New York oder vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt zu campen, kam aus Kanada.

Am Frankfurter Hauptbahnhof tanzten gestern Menschen zu den Rhythmen, die als Clowns verkleidete Demonstranten schlugen. Unter anderen der AStA der Goethe-Universität und das „Institut für vergleichende Irrelevanz“ (Ivi) hatten zu einer Kundgebung für mehr soziokulturellen Freiraum aufgerufen. Laut Polizei zogen rund 450 Menschen durch die Kaiserstraße und über die Hauptwache zum Uni-Campus in Bockenheim. Die Studentin Rebecca war aus Heidelberg gekommen, um mitzumachen. „In unserer Gesellschaft werden die Räume zur Selbstverwirklichung immer weiter eingeschränkt“, sagte sie. Die Veranstalter kritisierten, dass durch die städtebauliche „Aufwertung vermeintlicher Problemviertel die Marginalisierten unsichtbar gemacht werden“. Der „Global Noise Day“ sollte in Frankfurt am Abend auf dem Paulsplatz enden - mit einer Zusammenkunft von Kapitalismusgegnern und Freiraumbefürwortern.

Quelle: F.A.S.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Architektur-Biennale in Venedig Sind unsere Städte am Ende?

Sie wurden verdächtigt, den kommenden Aufstand geschrieben zu haben, und als Terroristen verhaftet. Jetzt erklären die Aktivisten von Tarnac die Stadt für tot und bauen experimentelle Siedlungen auf dem Land. Mehr Von Niklas Maak

24.05.2016, 06:24 Uhr | Feuilleton
Kathmandu Ausschreitungen bei Protesten in Nepal

In der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu ist es am Montag bei einer Demonstration zu Ausschreitungen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen. Die Proteste der ethnischen Minderheit der Madhesi richten sich gegen die neue Verfassung. Mehr

16.05.2016, 12:13 Uhr | Politik
Demonstrationen Bonner Bürger protestieren wegen totgeprügelten Teenagers

Eine Woche nach dem tödlichen Prügelangriff auf einen 17-Jährigen drücken Bonner Bürger ihre Betroffenheit in einem Protestmarsch aus. Gleichzeitig demonstrieren Rechtsextreme. Mehr

14.05.2016, 18:03 Uhr | Gesellschaft
Protesten gegen Barriere Krawalle am Brenner-Pass

Bei der dritten gewaltsamen Demonstration binnen eines Monats am Brenner-Pass sind Polizeiangaben zufolge zwei Polizisten verletzt und zehn Demonstranten festgenommen worden. Die italienische Polizei setzte Tränengas gegen Hunderte Demonstranten ein, die an dem Grenzpass zu Österreich Steine warfen und Feuerwerkskörper abfeuerten. Mehr

08.05.2016, 17:18 Uhr | Politik
Tödliche Prügelattacke Schläger noch immer flüchtig

Die Stimmung ist aufgeheizt nach der tödlichen Prügelei in Bad Godesberg. Die Polizei sucht noch immer nach den Tatverdächtigen. 50 Rechtsextremisten nutzten den Fall, um Front zu machen, und standen einigen Hundert Gegendemonstranten gegenüber. Mehr

15.05.2016, 16:36 Uhr | Gesellschaft

Luftnummern am Flughafen

Von Ralf Euler

Bei der Auftragsvergabe am Flughafen Kassel soll es nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Das hat das Potential für einen hessischen Politthriller. Dabei geht es nicht nur um jetzige und frühere Minister. Mehr 2 8

Abonnieren Sie unsere Rhein-Main Newsletter

  • Newsletter auswählen

    Newsletter auswählen