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Andere Städte schon weiter : Frankfurt debattiert über Alkoholverbot am Hauptbahnhof

  • Aktualisiert am

Bahnhofsviertel und Einkaufsmeile Zeil im Visier: Frankfurt erwägt ein Alkoholverbot an öffentlichen Plätzen - wie dem Hauptbahnhof oder auf der Zeil. Bild: dpa

Der Stadtrat in Frankfurt plädiert für ein Alkoholverbot am Hauptbahnhof. In anderen hessischen Städten gibt es das schon länger. Welche Erfahrungen haben die Städte gemacht?

          Rund um den Frankfurter Hauptbahnhof sind öffentliche Trinkgelage womöglich bald Geschichte. Denn die Stadt erwägt dort ein Alkoholverbot. Gerade im Bahnhofsviertel und auf der Einkaufsmeile Zeil gebe es seit Langem einige Probleme, gegen die rechtlich kaum etwas getan werden könne, sagte die Sprecherin von Stadtrat Markus Frank (CDU). Betrunkene Menschen lägen herum, störten die Ruhe oder urinierten in Ecken. Dass Menschen öffentlich ihren Rausch ausschliefen, „können wir so nicht akzeptieren“, sagte Frank kürzlich der „Frankfurter Rundschau“.

          Seine Sprecherin betonte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Wir wollen aber keine Alkoholkranken vertreiben oder hetzen.“ Auch eine soziale Maßnahme sei geplant: ein Trinkraum etwa, in dem Bier oder ähnliche Getränke konsumiert werden dürfen, alles kontrolliert von einem Sozialarbeiter. Wann die Maßnahmen auf den Weg gebracht werden, war zunächst unklar. Erst wenn nachgewiesen sei, dass der öffentliche Alkoholkonsum nachweislich eine Gefahr darstelle, könne die entsprechende Verordnung geändert werden.

          Ein „Trinkraum“ in Kassel

          In anderen hessischen Städten ist man bereits weiter. Die Probleme mit öffentlichem Alkoholkonsum sind vielerorts einer Umfrage zufolge größtenteils eingedämmt. Kassel zum Beispiel hat seit vier Jahren einen Trinkraum - es war der erste dieser Art in Hessen. Dieser werde nach wie vor genutzt, sagte ein Stadtsprecher. Im Winter kommen bis zu 90 Menschen pro Tag. Damit will die Stadt Alkoholabhängige von der Straße holen. Sie können dort abseits der Öffentlichkeit mitgebrachtes Bier oder Wein trinken, nicht aber harte Alkoholika. Ausgeschenkt wird Alkohol nicht. Die Stadt unterstützt den Trägerverein des Trinkraums mit rund 77.000 Euro pro Jahr.

          In Fulda darf seit 2013 an zwei öffentlichen Plätzen niemand mehr zur Flasche greifen. Der Magistrat hatte damals das Verbot verabschiedet. Zu dieser Zeit gab es viele alkoholbedingte Straftaten wie Pöbeleien, Belästigungen oder Körperverletzungen, wie ein Sprecher mitteilte. Diese sind laut Ordnungsamt in Folge des Alkoholverbots „deutlich zurückgegangen“. Eine Ausweitung der Maßnahme sei nicht geplant.

          Prüfen anderer Maßnahmen

          Auch in Wiesbaden gab es vor einigen Jahren Schwierigkeiten mit einer Trinkerszene, die sich auf dem Platz der Deutschen Einheit regelmäßig versammelte, wie ein Sprecher des Ordnungsdezernats berichtete. 2008 reagierte die Stadt und verhängte eine Alkoholverbotszone. Diese Maßnahme habe sich bis dato „bestens bewährt“. Die Trinkerszene habe sich zwar verlagert, sei aber geschrumpft. Die Drogen- und Alkoholproblematik habe sich enorm reduziert.

          Die Stadt Gießen überlegt wie Frankfurt noch, ob es ein Verbot für das öffentliche Alkoholtrinken in der Innenstadt geben soll. Zunächst müsse abgewartet werden, ob nicht auch andere Maßnahmen genügen, beispielsweise mehr Straßensozialarbeit oder die Wiedereinführung eines Freiwilligen Polizeidienstes, sagte eine Magistratssprecherin.

          Andere hessische Städte wie Limburg, Hanau oder Wetzlar haben kaum mit Problemen wegen des öffentlichem Alkoholkonsums zu kämpfen. „Sicherlich gibt es hier und da mal Vorfälle“, sagte ein Sprecher der Stadt Limburg. „Es artet aber nicht aus und ist kontrolliert.“ Über ein Alkoholverbot werde nicht diskutiert. Auch die Stadt Wetzlar zeigt sich entspannt: „Ein Alkoholverbot gibt es nicht, und es ist auch keins in Planung.“ In Hanau ist der öffentliche Konsum von Alkohol „in einer für Dritte beeinträchtigenden Art“ verboten.

          Quelle: dpa

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