02.04.2004 · Es ist gut, daß der Hessische Rundfunk damit anfängt, Konsequenzen zu ziehen. Erst - halb zog man ihn, halb sank er hin - stellte Jürgen Emig seinen Posten als Sportchef des Senders zur Verfügung, nun ...
Es ist gut, daß der Hessische Rundfunk damit anfängt, Konsequenzen zu ziehen. Erst - halb zog man ihn, halb sank er hin - stellte Jürgen Emig seinen Posten als Sportchef des Senders zur Verfügung, nun kommt die Nachricht, alle bisherigen regelmäßigen Sportsendungen des hessischen Fernsehens sollen eingestellt werden. Das ist ein richtiger Schritt, bei dem es allerdings nicht bleiben darf. Es geht jetzt nicht um Kosmetik, sondern um einen Systemwechsel.
Wie war das System? Ungut. Die öffentlich-rechtliche Anstalt ist in den Geruch gekommen, käuflich zu sein. Es gilt zu trennen zwischen den immer lauter gewordenen Vorwürfen (gerichtsfest sind sie nicht), der Fernseh-Sportchef verquicke berufliche Belange mit handfest persönlichem Vorteilsstreben. Das ist die eine Seite. Die andere, nichtindividuelle, war gleichsam systembedingt: Legalistisch durch die Gremien abgesichert, ließ sich der Hessische Rundfunk Aufwendungen von Dritten finanzieren. Sponsoren gaben Geld für Fernseh-Magazine, die ohne diese Fremdmittel nicht zustande gekommen wären. Sie machten auch die Übertragung von Veranstaltungen in eher entlegenen Sportdisziplinen möglich, die sonst auf die Multiplizierung der Bilder durch Kameras hätten verzichten müssen. Ganze Sendungen sind oder waren im Lobhudel-Stil einem einzigen Verein gewidmet. So darf es nicht zugehen in einem Haus, das sich dem journalistischen Grundsatz der Unabhängigkeit verpflichtet fühlt.
Der neue Intendant des Hessischen Rundfunks, Reitze, hat das "Prinzip Emig" von seinem Vorgänger Berg geerbt. Reitze ist kein Vorwurf zu machen, denn solange gegen einen Mitarbeiter keine beweisbaren Vorwürfe erhoben werden, muß die Unschuldsvermutung gelten.
Jetzt aber kommt die Bewährungsprobe. Der Hessische Rundfunk hat die Chance, glasklare und überprüfbare Regeln aufzustellen für alle Arten der Kofinanzierung - das Titelsponsoring beispielsweise ("diese Sendung wird Ihnen präsentiert von Krombacher") hat sich so eingebürgert, daß Abwehrreflexe ausbleiben. Andere Formen der Beteiligung Dritter sollten nur möglich sein, wenn die Unabhängigkeit der Berichterstattung zweifelsfrei bleibt. Notfalls müssen Zuschauer Verzicht üben. PETER LÜCKEMEIER