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Veröffentlicht: 23.12.2012, 23:22 Uhr

Das Rothenberger-Imperium Familie, die verpflichtet

Günter Rothenberger schuf einst aus einer Werkzeugfirma ein Geschäftsimperium. Seine Kinder Sven und Steen führen das Lebenswerk nun fort.

von Sabine Börchers, Frankfurt
© Röth, Frank Familienbande: Sven Rothenberger (links) kümmert sich um die Gewerbeimmobilien, sein jüngerer Bruder Steen um den Maschinenbau.

Sven Rothenberger trägt ein weißes Hemd und feinen Zwirn. Sein jüngerer Bruder Steen ist eher der Typ Feincord und Vollbart. Doch an Augen und Nase ist die Familienähnlichkeit unverkennbar. Beide vertreten heute einen Teil des weitverzweigten Familienunternehmens, das ihr Vater Günter Rothenberger einst mit seinen Brüdern aus der Werkzeugfirma des Großvaters schuf.

Die Säulen des Rothenberger-Imperiums sind so verschieden wie ihre Vertreter. Während Sven Rothenberger als Vorstand der „a.a.a. AG“ für Gewerbeimmobilien verantwortlich ist, kümmert sich sein Bruder Steen seit kurzem unter anderem im Aufsichtsrat gemeinsam mit seinem Vater um den Maschinenbau-Zweig. Gelernt haben beide in der Werkzeugsparte. Die Schwestern Stefanie und Silke sind für die Entwicklung von Wohnimmobilien verantwortlich. In der 4xS Vermögensverwaltung sind sie schließlich alle vertreten, wie der Name schon ahnen lässt. Die vier S stehen für die Anfangsbuchstaben ihrer Vornamen.

Die Nase in viele Dinge stecken

Diese Bezeichnung war einst eine Wette auf die Zukunft. Das vierte S fügte Günter Rothenberger bei der Geburt seines Jüngsten Steen vor 34 Jahren ein. Für ihn war es selbstverständlich, dass alle vier Kinder sein Lebenswerk einmal weiterführen würden, ganz im Sinne der Familientradition. „Es gab die Erwartung, dass wir uns der Aufgabe stellen“, sagt Sven Rothenberger, auch wenn ihm seine Mutter anfangs geraten hatte, lieber Tierarzt zu werden. Zwang habe auch der Vater nie ausgeübt. „Er hat immer gefördert, dass wir unsere Nase in ganz viele Dinge stecken.“ Sven Rothenberger tat das bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG und im Pferdesport. Mit der Dressurmannschaft gewann er bei Olympischen Spielen Silber und Bronze.

Die Disziplin, die man dafür braucht, habe er, wie auch seine Geschwister, zu Hause gelernt. Sie sei auch bei der beruflichen Zusammenarbeit unerlässlich, sagt der Vorstandschef, der 1999 den Stall gegen ein großes Büro an der Gutleutstraße tauschte, in dem die Pferde nun als Fotos an der Wand hängen.

Ein striktes Nein gibt es nicht

Disziplin vor allem deshalb, weil bei richtungsweisenden Entscheidungen im Hause Rothenberger immer das Vier-Augen-Prinzip gilt. Zwei von vier Geschwistern müssen eine Entscheidung gemeinsam tragen. „Meist entscheiden wir bei wichtigen Dingen aber alle fünf“, erläutert Steen Rothenberger.

Das habe den Vorteil, dass man immer ein ehrliches Feedback bekomme. Allerdings auch den Nachteil, dass man alle auf seine Seite bringen müsse. „Dem einen fällt es leichter, etwa Dinge zu verkaufen, die anderen wollen lieber halten, da muss man überzeugen können“, ergänzt der ältere Bruder. Ein striktes Nein komme eigentlich nie vor. „Schließlich gibt es auch Situationen, wo der andere mal ein Ja benötigt.“

Keine „Spielwiese“, aber viel Herzblut

Selbst der Vater spreche nie ein Machtwort. „Er gibt einem aber ein klares Gefühl, was er denkt. Doch auch er lässt sich überzeugen“, berichtet Steen Rothenberger. Etwa bei seinem neuen Hotelprojekt, dem „Lindenberg“, das er vor wenigen Monaten im Ostend eröffnete. Das ungewöhnliche Konzept ist eine Mischung aus langfristiger Vermietung und Hotelzimmern, allesamt mit seinem Team liebevoll selbst eingerichtet. Ein zweites „Lindenberg“ in Alt-Sachsenhausen ist geplant. Auch ein Atelierhaus entwickelte er dort kürzlich, in dem ein Fotografenteam künftig wohnen und arbeiten will.

Dass er viel Herzblut in diese experimentelleren Projekte steckt, merkt man Steen Rothenberger an. Doch bei aller Begeisterung sieht er sie nicht als eine „Spielwiese“. Eher als Investition in die Zukunft des Unternehmens, weil das Konzept auch für die private Immobiliensparte interessant werden könne.

„Nächstenliebe ist immer auch eine Portion Eigennutz“

Ursprünglich wollte Steen Rothenberger nicht in die Firma des Vaters einsteigen. Zwar studierte der Jüngste nach der Ausbildung, wie alle seine Geschwister, BWL und promovierte, doch dann zog es ihn nach Afrika. „Der perfekte Ort für Grundsatzentscheidungen“, sagt er heute und hat mit sechs guten Freunden mittlerweile den Verein „Pfefferminz Green“ gegründet, mit dem sie durch Kunstprojekte Spenden sammeln und damit kleine afrikanische Projekte unterstützen. Doch darüber spricht er nicht gerne: „Ich will nicht als Gutmensch erscheinen. Nächstenliebe ist immer auch eine Portion Eigennutz.“

Ein Jahr lang unterrichtete und forschte er in Tansania, bis ein Anruf seinen Lebensweg doch noch in Richtung Familie lenkte: Seine damalige Freundin sagte ihm, dass sie schwanger sei. Heute ist sie seine Frau, und gemeinsam haben sie vier Töchter. Steen Rothenberger stieg nicht nur ins Unternehmen ein, er führte auch die Familientradition weiter: Die Vornamen seiner Mädchen beginnen alle mit A.

Der Drang, Konflikte auch lösen zu wollen

Eine weitere Idee des Vaters scheint auf lange Sicht ebenfalls aufzugehen. 1994 kauften Brigitte und Günter Rothenberger für ihre Kinder den Erlenhof in Bad Homburg, das traditionsreiche Gestüt, das zuvor Heinrich von Thyssen-Bornemisza gehörte. „Unsere Eltern wollten so eine Art Immenhof schaffen, auf dem wir alle gemeinsam leben“, berichten die Söhne. Mittlerweile nutzen alle bis auf eine Schwester ihre Anwesen dort. Wenn Steen Rothenberger davon erzählt, wie seine Nichten und Neffen heute gemeinsam kichernd in den Reitställen herumtoben, kommt das der erhofften Idylle offenbar schon recht nah.

Das solle aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in der Familie genauso kracht wie bei anderen, räumen beide ein. „Unsere Generation verspürt jedoch den Drang, Konflikte untereinander auch lösen zu wollen“, sagt Steen Rothenberger und glaubt, dass diese Haltung auch daher rührt, dass er und seine drei Geschwister bereits als Kinder in die Verantwortung im Unternehmen hineingewachsen sind. Als größte Herausforderung steht ihnen nun bevor, dieses Verantwortungsgefühl an die nächste Generation weiterzugeben. Die zählt heute schon 15 Köpfe.

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Quelle: F.A.Z.

 

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