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Darmstädter Zentrum für IT-Sicherheit : „Weckruf“ zum Jahrestag

  • -Aktualisiert am

Ein kleines bisschen Snowden: Die Forscher des Zentrums für IT-Sicherheit in Darmstadt erforschen, wie die Daten von Firmen und Bürgern besser geschützt werden können. Bild: dpa

Datensammelwut mit Folgen: Auch Edward Snowden ist allgegenwärtig beim Jubiläum des Darmstädter Zentrums für IT-Sicherheit. Seit der Gründung vor fünf Jahren ist das Thema Datensicherheit aktueller denn je.

          Es gibt Rahmenbedingungen für eine Jubiläumsfeier, die lassen sich einfach nicht planen. Dass etwa der Name „Edward Snowden“, die Akronyme „Prism“ und „Tempora“ oder der amerikanische Geheimdienst NSA dem Center for Advanced Security Research Darmstadt (Cased) zusätzliche Aufmerksamkeit bescheren könnten, haben weder Hessens Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva Kühne-Hörmann (CDU), noch der Direktor von Cased und der Leiter des Fraunhofer-Instituts Sit, Michael Waidner, vor fünf Jahren ahnen können. Damals wurde das Zentrum für IT-Sicherheit als eines der ersten Zentren gegründet, das über die hessische Landes-Offensive für wissenschaftliche-ökonomische Exzellenz (Loewe) gefördert wurde. Zu dieser Zeit hat die Öffentlichkeit noch nichts über die gigantischen Datensammelwut der Amerikaner gewusst und deshalb wohl auch niemand im Landesministerium damit gerechnet, dass dies ein Thema für die 200 Wissenschaftler werden könnte, die in Darmstadt IT-Sicherheitslösungen erarbeiten.

          Pünktlich zum Cased-Jubiläum hat sich diese Situation deutlich geändert. „Die Nachrichten zu Prism und Tempora haben bei vielen Bürgern wie ein Weckruf gewirkt. Gerade aus der Wirtschaft erreichen uns seit diesen Enthüllungen vermehrt Anfragen dazu, ob und wie man sich gegen solche Überwachungsprogramme schützen kann“, berichtet Waidner. So wollten Anrufer zum Beispiel wissen, wie die Verschlüsselung von Daten funktioniere und ob die NSA bekannte Verschlüsselungsverfahren wie RSA und AES brechen könne. Gefragt werde auch nach konkreten Lösungen, etwa „Omni-Cloud“. So heißt eine Software des Fraunhofer Sit zur Verschlüsselung von Firmendaten.

          Darmstadt einer der größten Standorte für IT-Sicherheitsforschung

          Seriöse Antworten auf solche Fragen sind naturgemäß schwierig, wenn die angewendeten Techniken bislang nur den Geheimdiensten bekannt sind. Insofern wurde im fünften Jahr des Bestehens auch für das IT-Sicherheitszentrum ein neues Kapitel aufgeschlagen. „Wir haben noch viele Ideen, was alles erforscht werden muss“, heißt es aus den Reihen der Wissenschaftler, von denen nicht wenige froh sind, dass die „Politik jetzt aufgeschreckt wurde“.

          Kühne-Hörmann hat der Forschungsallianz, in der die Technische Universität, die Hochschule und das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (Sit) zusammenarbeiten, beim Jubiläumsfest bescheinigt, sich zu einem „Flaggschiff“ entwickelt zu haben. Darmstadt sei zu einem der größten deutschen Standorte für IT-Sicherheitsforschung geworden.

          Facebook Privacy Watcher und Key2Share

          Wie TU-Präsident Hans Jürgen Prömel sagte, konnte die Zahl der IT-Sicherheitsprofessuren durch die Fördermittel des Landes auf 16 erhöht werden. Das sei in Deutschland einzigartig. Gleichzeitig profitierten Studenten von dem neu eingerichteten Masterstudiengang IT-Sicherheit an der TU und dem entsprechenden Studienschwerpunkt an der Hochschule.

          Zu den Produkten von Cased gehören beispielsweise der „Facebook Privacy Watcher“ und „Key2Share“. Während Key2Share die Privatsphäre durch eine sichere Zugangskontrolle mit Smartphones garantieren soll, soll der Facebook Watcher es erleichtern, den Überblick im sozialen Netzwerk zu behalten. Er erschwert es durch farbliche Kennzeichnung, dass Informationen versehentlich an die falsche Adresse verschickt werden.

          Wie Waidner mitteilte, sollen in Zukunft neben Kryptographie, Software-Sicherheit und Privatschutz auch Fragen nach der Benutzbarkeit von Sicherheitslösungen, sicheren Infrastrukturen, Sicherheit für das Smartphone und die Forschung zu „Industrie 4.0“ ausgebaut werden, einem Projekt des Bundes zur „intelligenten Fabrik“. Zumindest räumlich dürfte dem bald nichts mehr im Weg stehen: Für den siebenstöckigen Erweiterungsbau des Fraunhofer-Instituts an der Rheinstraße wurde kürzlich Richtfest gefeiert. Bund und Land fördern den Neubau, der 170 Arbeitsplätze bietet, mit 18Millionen Euro. Im Sommer nächsten Jahres soll das Gebäude bezugsfertig sein.

          Quelle: F.A.Z.

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