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Tech-Quartier Frankfurt : Damit die Hochhäuser nicht leer werden

Da geht`s lang: Wirtschaftsminister Al-Wazir will die Kreativen der Region vernetzen – etwa im neuen Tech Quartier. Bild: Maximilian von Lachner

Die Nachfrage nach den Büros im neuen Tech Quartier übersteigt das Angebot, die Freude darüber ist groß. Doch Frankfurt hat das Fintech- Zentrum auch nötig.

          Auch wenn Tarek Al-Wazir es vielleicht nicht zugeben würde: Es gibt ganz sicher Termine im Kalender des grünen Wirtschaftsministers, die er lieber macht und solche, auf die er sich weniger freut. Dieser Abend am Donnerstag dürfte daher in seinem Kalender rot oder vielleicht auch grün markiert gewesen sein, und man merkte Al-Wazir bei der Eröffnung des Tech Quartiers im Frankfurter Hochhaus „Pollux“ nahe der Messe Frankfurt an, dass er zufrieden war. Sicher, die Aussage, „hier etwas Großes geschaffen“ zu haben, war vielleicht doch etwas zu hoch gegriffen und der Euphorie geschuldet. Doch die war andererseits auch nicht unberechtigt.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Immerhin haben Al-Wazir und das Land Hessen gemeinsam mit Partnern vor allem aus der Wirtschaft innerhalb von nur einem Jahr aus einer Idee Realität gemacht: für die wachsende Community von jungen Finanztechnologieunternehmen, kurz Fintechs, eine zentrale Anlaufstelle zu schaffen.

          120 Arbeitsplätze, vorerst

          Derzeit entstehen im zweiten Stock des Gebäudes auf 1800 Quadratmetern 120 Arbeitsplätze, Kaffeebar und Konferenzräume inklusive. Im Dezember ziehen dort vor allem Fintechs ein, auch die Sponsoren und Partner finden Platz. Alles in allem verspricht sich Sebastian Schäfer, der Geschäftsführer des neuen Gründerzentrums, auf diese Weise ein digitaler Hub zu werden - nicht nur für Frankfurt, sondern für ganz Europa.

          Für Al-Wazir und die Stadt Frankfurt ist das Tech Quartier mehr als ein Prestigeprojekt. Die Bankenbranche steht vor großen Veränderungen, die vor allem durch die Digitalisierung notwendig werden. „Die Stadt Frankfurt hat ein ureigenes Interesse daran, den Wandel der Branche mitzugestalten“, sagt deshalb Rogier Minderhout. Der Gründer und Geschäftsführer des Rentenversicherungs-Start-ups „Mypension“ zieht am 15. Dezember mit sieben Mitarbeitern in das Tech Quartier ein und sieht das Zentrum als wichtige Investition in die Zukunft der Wirtschaftsregion, „schließlich müssen die Hochhäuser auch mittelfristig besetzt bleiben“.

          Großbanken geben Geld

          Anfang des Jahres hatte der Wirtschaftsminister das Fintech-Zentrum angeregt und sich anschließend mehrere Konzepte präsentieren lassen. Noch nicht mal ein Jahr später kann in dem Ergebnis gearbeitet werden. Al-Wazir ist stolz, dass Förderer aus der Privatwirtschaft das Projekt finanzieren. Zu den sechs Hauptsponsoren, die jedes Jahr 100.000 Euro beisteuern, gehören Deutsche Bank, Commerzbank, DZ Bank, Helaba, ING Diba und Deutsche Börse. Im Gegenzug kommen die Sponsoren mit den Start-ups in Kontakt. „Für uns ist es wichtig, uns mit den Fintechs auszutauschen“, sagt Markus Steiff, Head of Digital Agenda im Privat- und Firmenkundengeschäft der Deutschen Bank. Künftig wolle man gemeinsam an konkreten Aufgaben arbeiten, „denn wir suchen potentielle Kooperationspartner für Teillösungen und freuen uns auf einen konstruktiven Austausch“.

          Den Fintechs selbst geht das ähnlich. Die Nachfrage nach den Büroräumen sei groß gewesen, berichtet Geschäftsführer Schäfer. Deshalb wurde bereits eine weitere Etage angemietet, die vermutlich im März bezogen werden soll. 19 Nutzerverträge hat die Betreibergesellschaft bislang abgeschlossen, „eine schöne Mischung aus kleineren und größeren Fintechs mit unterschiedlichen thematischen Ausrichtungen“, wie Schäfers Stellvertreter Thomas Funke sagt.

          So verspricht sich Rogier Minderhout vom Einzug ins Tech Quartier zum Beispiel einen Netzwerkeffekt, „das fördert die Kreativität“. Auch Timur Peters wünscht sich „neue Impulse sowie den Erfahrungsaustausch mit anderen Teams“. Der Geschäftsführer der Frankfurter Online-Forderungsbörse Debitos hat zwar vorerst nur einen einzigen Platz im Pollux gebucht, „aber wir werden komplett umziehen, wenn die weitere Etage erschlossen ist“. Das Tech Quartier könne zu einem Sprachrohr der Frankfurter Finanzszene werden, hofft er.

          Auch das Frankfurter Fintech Creditshelf zieht mit einem Teil seines Teams aus dem Bahnhofsviertel an den Platz der Einheit. Creditshelf, das eine digitale Plattform für Mittelstandskredite betreibt, sieht die Chance, sich dort durch die Nähe zu etablierten Banken und anderen Fintechs weiterentwickeln zu können. Das Tech Quartier könne zu „einer zentralen Anlaufstelle für neue und etablierte Start-ups“ werden und den Standort Frankfurt im nationalen und internationalen Vergleich stärken.

          Obwohl noch nicht bezogen, sind im Tech Quartier bereits konkrete Projekte und Veranstaltungen geplant. Und das Mobiliar ist auch schon fast komplett. Bei aller Liebe zu moderner Einrichtung ließen sich die Architekten den Frankfurter Bezug nicht nehmen: Die Kaffeebar ist im Stile einer Apfelweinkneipe gebaut.

          Quelle: F.A.Z.

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