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Culcha Candela : Mit gutgelauntem Sendungsbewusstsein

  • -Aktualisiert am

Freude an der Ausgelassenheit: Culcha Candela. Bild: Kaufhold, Marcus

Die Berliner Band Culcha Candela in der Jahrhunderthalle singt und hüpft gegen Armut und Rassismus.

          Wie die Pfadfinder bemühen sich auch die sechs Mitglieder der multiethnischen Berliner Gute-Laune-Truppe Culcha Candela, deren Vokalisten und DJ aus fünf Ländern stammen, täglich um eine positive Bilanz. Am eigenem Andenkenstand in der Frankfurter Jahrhunderthalle: Der Reinerlös aus T-Shirts, Bild- und Tonträgern geht an ein Schulbauprestigeprojekt in Uganda. Dafür warben Johnny Strange, Itchyban, Larsito, Mr.Reedoo, Don Cali und DJ Chino auch schon vor zwei Jahren. Damals gastierten sie noch in der weit weniger geräumigen Hugenottenhalle.

          Dass Culcha Candela noch immer etwas bewegen wollen, demonstrieren sie auch in der hoffnungslos überfüllten Jahrhunderthalle. Zum programmatischen Auftaktsong „Move It“ hüpfen die flotten Jungs, die in uniformen Jeans, weißen T-Shirts und roten Windjacken aussehen wie legitime Urenkel von James Dean. Damit das Dauergehopse der schnieken Boy-Band auf opulenter dreistufiger Bühnenkulisse nicht gar zu eintönig gerät, assistiert zeitweilig das verführerische Damenquartett Instinct in noch waghalsigeren Choreographien und Posen. Letztendlich fungieren die Ladies aber nur als Zeitpuffer. Benötigen die Jungs doch auch mal eine Verschnaufpause oder müssen sich einfach nur umziehen.

          Einigermaßen geschmackssicher

          Kollektives Sendungsbewusstsein im halben Dutzend besitzen Culcha Candela, wenn sie in hehren Worten gegen Armut, Verelendung und Rassismus agitieren, für Bildung, Gerechtigkeit und Chancengleichheit plädieren. Oder auch mal sarkastisch konsumfeindlich uns alle herzlich willkommen heißen in der „Schönen neuen Welt“.

          Wäre die stilistische Vielfalt des Sextetts, die von DJ Chino ganz klassisch ohne Bandbegleitung und lediglich an zwei Plattenspielern und diversen anderen Gerätschaften erzeugt wird, nur ebenso überzeugungskräftig. Solange sich das Ensemble, das 2012 zehn Jahre gemeinsam auf der Bühne steht, etwa mit „Big Fat Smile“ elegant im Rhythmus zwischen elektronisch gesteuertem Dancehall und Raggamuffin bewegt, bleibt es einigermaßen geschmackssicher.

          Permanent aufgesetzte Fröhlichkeit

          Versuchen sich Culcha Candela aber an Global-Pop, wie es die Berliner Kollegen Seeed vorübergehend mit dem Solisten Peter Fox exzellent vorgemacht haben, dann franst der weitgesteckte multikulturelle Rahmen schnell allzu seicht aus.

          Permanent aufgesetzte Fröhlichkeit erinnert an die von Stadtfesten bekannte Ausgelassenheit, Bierzeltatmosphäre und die Routine von Fitnessanimateuren. Im Auditorium herrscht derweil Silvesterlaune und Geburtstagseuphorie im Doppelpack, wenn auf Deutsch wie auch auf Englisch Nummern wie „Wildes Ding“, „Hungry Eyes“, „Hamma!“ oder „Monsta“ rausgehauen werden. Und wenn in „Flätrate“ dann noch die allgegenwärtige „Geiz ist geil“-Mentalität kritisch unter die Lupe genommen wird, haben zumindest zahllose Erwachsene im Schlepptau vom eigenen Nachwuchs das Gefühl: Hier wird nicht nur sinnfrei auf die Zwölf gehauen.

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