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Crowdfunding : Sammler im Netz

  • -Aktualisiert am

Werben gemeinsam vornehmlich für Beteiligungen an Projekten, die einen grünen Hintergrund haben: Patrick Mijnals, Thorsten Schreiber. Bild: Eilmes, Wolfgang

Die einen brauchen Geld, die anderen wollen welches anlegen. Thorsten Schreiber und Patrick Mijnals bringen Unternehmen und Geldgeber zusammen, über das Internet. Oft geht es dabei um eine andere Welt. Mit kleinen Summen, die Masse soll’s machen.

          Der Mann strotzt vor Selbstbewusstsein. Vor sieben Monaten hat Thorsten Schreiber, Unternehmensberater und IT-Fachmann, ehemals Social-Media-Betreuer der Piratenpartei, die Plattform „BestBC“ gegründet, die Jungunternehmer über das Internet finanziert. Heute lehnt er sich im Konferenzzentrum im Frankfurter Hauptbahnhof in einem lila Designersessel lässig zurück, die Beine übereinandergeschlagen. „Das erste Crowdfunding-Projekt war die Freiheitsstatue“, sagt er. Derweil bringt ein Kellner Espresso.

          Die Freiheitstatue, 1886 vollendet, war ursprünglich als ein Geschenk Frankreichs an die Vereinigten Staaten von Amerika gedacht, dann sollte sie von beiden gemeinsam finanziert werden. Nach dem Börsenkrach von 1873 fehlte es den Vereinigten Staaten überall an Geld, Anträge auf staatliche Unterstützung für das Projekt wurden abgelehnt. Schließlich rief Joseph Pulitzer, Herausgeber der Zeitung „New York World“, in dem Blatt zu spenden auf. Die erwünschten 100000 Dollar für den Sockel der Statue kamen zusammen. Mehr als 80 Prozent der Spender hatten weniger als einen Dollar gegeben. Die Crowd, die Masse, hatte durch kleine Gaben das Vorhaben ermöglicht.

          Mehr als 26.000 erfolgreiche Projekte

          Crowdfunding heute, das Geschäftsfeld von Thorsten Schreiber, funktioniert ähnlich wie zu Zeiten Pulitzers, aber über das Internet. Zunächst waren es Künstler, Musiker und Filmemacher, die auf illegale Downloads reagierten, indem sie ihre Werke von den Fans vorfinanzieren ließen und ihren Finanziers dafür Sonderanfertigungen zuschickten oder Autogramme. Im Jahr 2009 kam in den Vereinigten Staaten der Anbieter Kickstarter auf den Markt, die Projekte wurden größer und breiter. Im Juli 2012 zählte die Plattform 26.000 erfolgreiche Projekte mit einem Volumen von 235 Millionen Dollar, dieses Jahr soll die Milliarden-Dollar-Marke geknackt werden. Längst finanziert Kickstarter mehr als Künstler. Für die Pebble-Armbanduhr, einen Mini-Computer, der sich via Bluetooth mit einem Smartphone verbinden lässt und seit Januar dieses Jahres im Handel ist, kamen zehn Millionen Dollar zusammen, bevor auch nur eine einzige Uhr produziert worden war.

          Auch Firmengründungen kann der Schwarm, die theoretisch fast unendlich große Menge der Internetnutzer, unterstützen, was dann Crowdinvesting genannt wird. Das Muster ist klassisch: Wer Geld gibt, erwirbt Anteile und erhält erfolgsabhängig eine Rendite. Über Schreibers Plattform „BestBC“ wurden bisher zwei Firmengründungen finanziert, mit insgesamt 75000 Euro. Das ist noch ein sehr kleines Karo, aber Schreiber ist optimistisch, dass „die Kraft der Masse“ auf den entstehenden Markt einwirken und ihn groß machen werde und Investoren wohlhabend.

          „Die Rendite lässt sich auf Kommastellen genau berechnen“

          „Klar kann man sein Geld verlieren“, sagt Schreiber und stellt die Espressotasse ab. Sechs von zehn Jungunternehmen gingen innerhalb von vier Jahren pleite, zwei weitere „dümpeln in dieser Zeit so vor sich hin“, im Schnitt könnten sich nur zwei behaupten. Wer in die investiert habe, der könne „sein Geld leicht verzwanzigfachen“.

          Neben „BestBC“ hat Schreiber eine weitere Internetplattform gegründet, zusammen mit Patrick Mijnals, der seit einem Universitätsabschluss in Kognitionswissenschaften am Zukunftsinstitut in Kelkheim arbeitet und Autor mehrerer Studien zu gesellschaftlichem und wirtschaftlichem Wandel ist. Gemeinsam haben sie „Bettervest“ gegründet. Das Netzunternehmen sammelt für Firmen und Vermieter Gelder, die dann in Energiesparmaßnahmen ihrer Gebäude investiert werden. Die hat zuvor ein Energieberater besucht und das Einsparvolumen durch technische Veränderungen prognostiziert. „Die Rendite lässt sich dadurch auf Kommastellen genau berechnen“, sagt Schreiber. Einzig die Schwankungen des Strompreises sind nicht kalkulierbar. Ob, wenn er steigt, der Umsatz den Anlegern oder Bettervest zukommen soll, darüber herrsche derzeit „eine moralische Diskussion“ im Team von „Bettervest“, sagt Schreiber.

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