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Veröffentlicht: 02.01.2013, 19:47 Uhr

Crowdfunding Lauter kleine Gaben für den Pudel des Todes

Beim „Crowdfunding“ ermöglichen viele Internetnutzer mit kleinen Spenden große Projekte. Der Frankfurter Cartoonist Joscha Sauer hat das Startgeld für eine Zeichentrickserie zusammen.

von , Frankfurt
© Eilmes, Wolfgang Dem Zeichner Joscha Sauer haben Nichtlustig-Fans für die Produktion einer ersten Trickfilmfolge zusammen mehr als 177.000 Euro überwiesen.

Vater Lemming kommt nach Hause, wo die Kinder schon am Abendbrottisch rund ums dampfende Atommüllfass sitzen. Er war vor Gericht und wurde dazu verklagt, seinem Nachbarn, dem Tod, nicht mehr näher als 50 Meter kommen zu dürfen, auf Lebenszeit. Die chronisch lebensmüde und mit ihren großen runden Augen stets treudoof dreinblickende Lemming-Familie muss also umziehen.

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Es ist eine absurd-makabre Szene, mit der der Frankfurter Cartoonist Joscha Sauer sein kleines Promo-Filmchen starten lässt, gefolgt von kleinen Geschichten um die dümmlichen Yetis, bei denen immer alles einschneit, zwei Professoren, die sich streiten, weil der eine immer wieder Sachen durch die Zeitmaschine an einen Dinosaurier verleiht, und andere bekannte Figuren aus seiner Erfolgsreihe Nichtlustig. Mehr als zwei Millionen Bücher hat Sauer in den vergangenen Jahren mit seinen Witzbildern verkauft. Doch für sein eigentliches Lieblingsprojekt, eine eigene Zeichentrickserie, hat er bislang vergebens nach Finanzierern gesucht.

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Mehr als 177.000 Euro gesammelt

Es gebe in Deutschland einfach noch keine Vorbilder für eine erfolgreiche Zeichentrickserie, die sich eher an Erwachsene richtet, sagt Sauer, deshalb seien die Fernsehsender und auch andere konventionelle Geldgeber nicht bereit, in das Projekt zu investieren. Und das, obwohl amerikanische Serien wie die Simpsons oder South Park zu den erfolgreichsten und am längsten laufenden Fernsehproduktionen aller Zeiten zählen.

Um das Projekt in Gang zu bringen, hat Sauer nun einen anderen Weg gewählt: „Crowdfunding“. Über seine Internetseite und sein Facebook-Profil hat er seine Fangemeinde dazu aufgerufen, Geldbeträge für die Produktion einer ersten Folge der Trickfilmserie zu spenden. 150.000 Euro hat er selbst in die Hand genommen, um mit dem Zehn-Minuten-Promo-Film einen Vorgeschmack zu geben. Je nach Lust und Geldbeutel konnten die Nichtlustig-Freunde zwischen einem und 1000 Euro geben, und je nach Betrag erhielten sie dafür unterschiedlich große Gegenleistungen. Angefangen vom kostenlosen Download der fertigen ersten Folge bis hin zu einer individuellen Zeichnung des Künstlers und der Nennung als Co-Produzent im Abspann der Serie. Bis zum 31.Dezember lief die Aktion, 9841 Unterstützer haben insgesamt 177.429 Euro gegeben - und damit deutlich mehr als die 100.000, die Sauer für die Produktion der ersten Folge taxiert hatte. Acht Fans haben die Höchstgrenze von 1000 Euro ausgereizt. Die Idee des Crowdfunding gewinnt an Zuspruch. Für einen Kinofilm zu der Comedy-Serie „Stromberg“ hat das Produktionsunternehmen im vergangenen Jahr eine Million Euro eingesammelt, im Frühjahr sollen die Dreharbeiten beginnen. Der Satiriker Dieter Hildebrandt versucht sich gerade mit Kollegen daran, das Kabarett-Portal Stoersender.tv im Internet aufzubauen, und sammelt für die Unabhängigkeit von den großen öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, wie er betont, Geld von seinen Fans ein. 155 solcher Projekte werben gerade auf der größten deutschen Plattform Startnext.de mit Kurzfilmchen um das Interesse und das Geld der Nutzer.

Drei Millionen Euro würde eine große Produktion kosten

Doch nicht nur Unterhaltungskünstler versuchen, mit dem Geld der Masse ihre eigenen Projekte zu finanzieren. In Alt-Sachsenhausen probiert der Immobilienentwickler Steen Rothenberger, die Schwarmfinanzierung erstmals in ein Bauprojekt einzubinden. Bis zu 200000 Euro der Gesamtkosten von 1,3 Millionen will er für den auf alt gemachten Neubau in der Kleinen Rittergasse 9a-11 zusammenbekommen. Bis Mittwoch hatten laut der Homepage Kapitalfreunde.de 74 Spender 67.750 Euro gegeben.

Die Entlohnung der Geldgeber kann dabei sehr unterschiedlich aussehen. Während Joscha Sauer seinen Unterstützern nach Eingang der Zahlung einen konkreten Gegenwert, zum Beispiel ein T-Shirt, zugesichert hat, sollen die Stromberg-Finanzierer an den möglichen Gewinnen des Kinofilms beteiligt werden. Am Bauprojekt in Sachsenhausen beteiligen sich die Crowdfunder in Form eines Nachrangdarlehens, das im Idealfall nach Ende der Laufzeit mit sechs Prozent Verzinsung pro Jahr zurückgezahlt wird, im schlimmsten Fall aber auch gar nicht.

Cartoonist Sauer hofft nun darauf, mit einer ersten fertigen Folge seiner Trickfilmserie und dem deutlichen Bekenntnis vieler Fans zu dem Projekt mehr Gehör bei Fernsehsendern oder auch Internetportalen zu finden und sie zur Investition in eine ganze Serie zu bewegen. Die gesamten Produktionskosten hat Sauer auf drei Millionen Euro errechnet. Viele Gespräche stünden nun in den nächsten Monaten an. Stoff genug für die ganze Nichtlustig-Serie habe er auf jeden Fall schon.

Quelle: F.A.Z.

 

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