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Coworking in Frankfurt : Gemeinsam arbeitet man weniger allein

Hinter Glas: Arbeitsraum bei Die Zentrale Coworking in Frankfurt Bild: Röth, Frank

Das Vermieten von Schreibtischen im Großraumbüro ist zum Geschäftsmodell geworden: Das junge Unternehmen Die Zentrale Coworking ist für seine Variante mit dem Gründerpreis ausgezeichnet worden.

          Erst kommt das Netz, dann der Magen. Notebook auf den Tisch, aufklappen, Knöpfchen drücken. E-Mails aufrufen. Dann erst folgt der Griff zum Schokoriegel. Das typische Frühstück für Coworker. Das sind Menschen, die meistens unter den Sammelbegriff Kreative zu ordnen sind. Männer und Frauen ohne feste Anstellung, die sich von Projekt zu Projekt hangeln. Viele von ihnen sind bislang zwangsweise Heimarbeiter gewesen. Denn beispielsweise in Cafés lässt sich zwar prima kommunizieren, aber nicht gut arbeiten. Andererseits fehlt vielen Selbständigen im heimischen Zimmer die Möglichkeit, sich ab und an von Angesicht zu Angesicht mit Kollegen auszutauschen - und sei es auch nur beim Plausch in der Kaffeeküche. Und wo Selbständige die Ungestörtheit und Freiheit schätzen, vermissen sie andererseits so manchen Komfort eines festen und gut ausgestatteten Büros. So werden sie zu Coworkern. Sie mieten sich einen Schreibtisch im sogenannten Coworking-Space. Berlin hat schon Dutzende von ihnen, die Frankfurter Plätze zum freien Arbeiten kann man noch an einer Hand abzählen. Zu Beginn des Jahres startete das neueste Großraumbüro, es nennt sich Die Zentrale Coworking und wurde vor einigen Tagen sogleich mit dem dritten Platz des Frankfurter Gründerpreises ausgezeichnet.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Darüber haben sich Jenny Krutzinna und Lukas Koerdt, die Gründer, gefreut. Sie sitzen in tiefen Sesseln, die den siebziger Jahren entsprungen sein könnten, während hinter einer Glaswand eine Handvoll junger Menschen zwischen weißgetünchten Wänden konzentriert auf ihre Laptops schaut - ohne Industriedesign und Retroschick kommt kaum ein Coworking-Space aus.

          Ein bisschen Romantik darf dabei sein

          Krutzinna erzählt von ihrem beruflichen Werdegang, der für viele hier so ähnlich gewesen sein dürfte: geisteswissenschaftliches Studium, Auslandsaufenthalte, dann eine unbefriedigende Festanstellung und schließlich der Schritt in die Selbständigkeit. Coworking kannte sie schon aus Kanada, hinzu kam, dass ihrem Lebenspartner Koerdt, Programmierer und Projektmanager, das Arbeiten zu Hause auf die Nerven ging. Vor gut einem Jahr begannen beide mit der Planung, und sie nutzten dabei das gesamte Gründer-Unterstützungs-Paket der Stadt Frankfurt: angefangen beim Existenzgründerzentrum über eine Kreditbürgschaft durch den Gründerfonds bis hin zu den 7500Euro, die nun durch den Gründerpreis hereinkamen.

          „Und es läuft besser als gedacht“, sagt Krutzinna. Vier Monate nach Eröffnung trägt sich das kleine Unternehmen an der Berger Straße schon selbst - wobei sich die Geschäftsführer noch kein Gehalt zahlen, wie sie nebenbei erzählen. „Uns ist klar, dass man damit nicht reich wird.“ Ihnen geht es - „das soll jetzt nicht zu romantisch klingen“ - auch um die soziale Komponente des Projekts: Menschen zusammenbringen, die kreativ arbeiten. Dafür gibt es regelmäßig After-Cowork-Drinks und Spieleabende. Für solche Sachen hatten einige der Selbständigen vorher kaum Zeit, weil sie bis nachts vor dem Computer saßen. Die Zentrale Coworking schafft auch regelmäßigere Arbeitszeiten, denn sie öffnet um 9, und schließt um 19 Uhr. Dann ist Feierabend.

          Internet, Drucker und Obst inklusive

          Wer doch rund um die Uhr an seinen gemieteten Schreibtisch will, kann auch das buchen. Für 300 Euro im Monat bekommt man dann zusätzlich ein abschließbares Fach. Wer zur günstigeren Variante für 90Euro im Monat greift, muss den Schreibtisch am Abend so verlassen, wie er ihn vorgefunden hat: leer.

          Immer inklusive sind Internet, Drucker, Wasser, Obst und die Mikrowelle. Nette und hilfreiche Kontakte zu Menschen, die ähnlich arbeiten und ticken, sollen nach dem Wunsch der Betreiber hinzukommen. Die Bandbreite der derzeit 32Coworker ist erstaunlich groß: Die Pharmareferentin sitzt neben dem Programmentwickler. Vielleicht arbeiten sie bald an einem gemeinsamen Projekt, von dem jetzt noch keiner etwas ahnt. Krutzinna verrät, dass mancher Coworker sage, Coworking sei auch eine Art Selbsthilfegruppe für Kreative.

          Quelle: F.A.Z.

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