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Computerspiele Die Gamesbranche kämpft weiter um Anerkennung

Computerspiele setzen immer noch viele mit Ballerei und Jugendgefährdung gleich. Der neue Branchensprecher Florian Stadlbauer will das ändern - und mehr Fördergeld.

© Grimm, Lena Vergrößern Daddelei oder Kulturgut? Helden aus dem Deck13-Spiel „Ankh“.

Für Florian Stadlbauer sind Computerspiele ein Kulturgut, und das will er in seiner neuen Position als Vorsitzender des regionalen Branchenverbands Gamearea FRM noch deutlicher herausstreichen. So fände er zum Beispiel eine Zusammenarbeit mit dem Filmmuseum reizvoll, sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung. Schließlich gebe es viele Anknüpfungspunkte zwischen beiden Medien, Adaptionen von Kinofilmen wie Batman als Computerspiele etwa oder die Übernahme von Darstellungstechniken aus Spielen in den Film. Auch über die Präsentation Frankfurter Entwicklungen auf der Biennale des Bewegten Bildes, dem Nachfolger des Edit-Festivals, die sich nicht mehr nur an Filmemacher richtet, will die Branche zeigen, dass sie mehr kann als reine „Daddelprodukte“ herzustellen. Und vor allem: mehr als Ballerspiele.

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Dass viele Menschen Computerspiele immer noch mit Gewaltverherrlichung und Jugendgefährdung gleichsetzten, liegt aus Stadlbauers Sicht vor allem daran, dass diese „Ego-Shooter“ in der Regel kommerziell besonders erfolgreich sind. Dabei sei es wie beim Film: Dort würden die kommerziellen Erfolge auch mit eher anspruchslosen Actionfilmen und Liebesschnulzen erzielt. Dennoch gebe es viele andere, durchaus anspruchsvolle Stilformen: Das Spiel „Heavy Rain“, in dem der Spieler aus Sicht verschiedener Charaktere eine Mordserie aufklären muss, findet Stadlbauer vergleichbar mit einer Hollywood-Produktion. Selbst die „Ego-Shooter“ entwickelten sich weiter, findet der Branchensprecher und verweist auf das aktuelle Spiel des Berliner Entwicklungsstudios Yager, „Spec Ops: The Line“. Darin soll der Spieler auch mit den Folgen seiner Gewaltanwendungen konfrontiert werden, Soldaten müssten mit posttraumatischen Belastungsstörungen klarkommen.

Salonfähig geworden

Stadlbauer ist einer von zwei Geschäftsführern der Deck13 Interactive GmbH mit Sitz an der Baseler Straße in Frankfurt. Auch in deren Aushänge-Spiel „Venetica“ wird viel gekämpft, aber eher im Stile eines Robin Hood als eines Terminators. „Ankh“ und „Jack Keane“ sind spaßige Abenteuerspiele, „Luka“ hat Deck13 gemeinsam mit der Polizei entwickelt: ein vielfach ausgezeichnetes Rollenspiel, in dem Jugendliche zum Beispiel den richtigen Umgang mit Alkohol üben können.

In der hessischen Landespolitik wie auch in Frankfurt ist es der Gamearea in den vergangenen Jahren unter Leitung von Berater Joerg Weber durchaus gelungen, die Branche salonfähig zu machen. Fast pünktlich zum Rückzug Webers von der Spitze des Verbands hat Wirtschaftsminister Florian Rentsch (FDP) im vergangenen Jahr das von Weber lange eingeforderte Programm zur Prototypenförderung aufgelegt. Damit sollen auch kleine Entwicklerstudios erste Demoversionen von guten Spiele-Ideen entwickeln können, mit denen sie dann private Verleger überzeugen. In diesem Jahr ist der Fördertopf mit einer halben Million Euro gefüllt. Damit kein Landesgeld in Ballerspiele gesteckt wird, werden nur Ideen gefördert, die schon Spieler ab zwölf Jahren und jünger spielen dürfen. Außerdem muss mit den Ideen immer eine technische Neuerung einhergehen.

Ballerspiele sollen nicht staatlich gefördert werden

Stadlbauer will nun erreichen, dass nicht nur Technik, sondern auch Inhalte gefördert werden, die bei Spielen schließlich eine ähnlich große Rolle spielten wie bei Filmen. „Wenn sich ein Regisseur um Fördermittel bewirbt, wird ihm ja auch nicht gesagt: Du bekommst das Geld nur, wenn du für den Film eine neue Kameratechnik verwendest.“

Doch Rentsch will gar nicht erst in den Verdacht kommen, Ballerspiele staatlich zu fördern. Erst im April vergangenen Jahres hatte es einen Aufschrei gegeben, als der staatlich geförderte Deutsche Computerspielpreis in Berlin für „Crysis2“ an das Frankfurter Entwicklerstudio Crytek verliehen wurde. Der Spieler läuft darin aus der Perspektive eines hochgerüsteten Supersoldaten durch New York und muss Aliens abschießen. Dass die Entwickler aus dem Frankfurter Westend eine noch nicht dagewesene detailreiche New-York-Szenerie inklusive originalgetreuer Geräuschkulisse aufgebaut haben, ficht viele Kritiker ebenso wenig an, wie dass mancher oscargekrönte Streifen von Quentin Tarantino weit blutrünstiger ist als Crysis.

Doppelt so viele wie in der Werbewirtschaft

Doch bis die Spielebranche so behandelt wird wie die Filmwirtschaft, ist es noch ein weiter Weg. Obwohl die Wirtschaftsdaten schon jetzt beträchtlich sind. Crysis 2 hat sich weltweit mindestens drei Millionen Mal verkauft, in zwei Wochen kommt der Nachfolger auf den Markt. Allein in Hessen wurden 2010 nach Berechnungen der Hessen-Agentur mit dem Entwickeln von Videospielen und Software 2,8 Milliarden Euro umgesetzt - auch wenn in diesen Zahlen die Darmstädter Software AG ein beträchtliches Gewicht haben dürfte.

Stadlbauer weist vor allem auf einen Unterschied etwa zur Werbe- oder Filmwirtschaft gerne hin. „Bei uns sind fast alle fest und sozialversicherungspflichtig angestellt.“ Nach den Berechnungen der Hessen-Agentur sind es mit mehr als 20.000 Frauen und Männern fast doppelt so viele wie in der hiesigen Werbewirtschaft.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 13.02.2013, 18:56 Uhr

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