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Veröffentlicht: 21.02.2013, 23:23 Uhr

Clementine Kinderhospital Unterstützung aus dem Hintergrund

Für die Clementine Kinderhospital - Dr. Christ’sche Stiftung ändert sich im Verbund der Stiftungskrankenhäuser nicht viel. Schon seit 2009 konzentriert sie sich auf das Sammeln von Spenden.

von , Frankfurt
© Eilmes, Wolfgang Seit Januar im Verbund der Stiftungskrankenhäuser: Das Clementine Kinderhospital der Dr. Christ’schen Stiftung im Ostend.

Neue Patienten aus Zuweisungen der Partnerkliniken erhofft sich das Clementine Kinderhospital vom Zusammenschluss der Frankfurter Stiftungskrankenhäuser, der Mitte Januar mit der Gründung einer Trägergesellschaft besiegelt worden ist. Da das Nordwestkrankenhaus und Hospital zum Heiligen Geist eigene Geburtskliniken haben, können sie - wie bisher schon das Bürgerhospital - Säuglinge mit gesundheitlichen Schwierigkeiten künftig an das Kinderhospital am Zoo verweisen, wie Cathrin Schleussner, Vorstandsvorsitzende der Clementine Kinderhospital - Dr. Christ’sche Stiftung erläutert. Die Aufgaben der Stiftung, die bis 2008 Träger des Krankenhauses war, werden sich nach ihren Angaben dagegen mit der Fusion nicht ändern.

Ingrid Karb Folgen:

Schleussner hat das Ehrenamt 2011 von der Ärztin Barbara Reschke übernommen. Schon damals war die Stiftung schon nicht mehr Trägerin des Kinderhospitals, denn seit der Fusion mit dem Bürgerhospital im Jahr 2009 ist dafür der Verein Frankfurter Stiftungskrankenhäuser zuständig. Seither plant und entscheidet die hauptamtliche Geschäftsführung, die im Bürgerhospital sitzt, auch über Ausrichtung und Angebot des Kinderkrankenhauses. Ansprechpartner für die Kinderklinik ist dort die Ärztin und Gesundheitsmanagerin Petra Maksan.

Einsparungen durch Fusion

Dennoch ist auch Schleussner im vergangenen Jahr in die Verhandlungen zur Fusion mit den Kliniken der städtischen Stiftung Hospital zum Heiligen Geist eingebunden worden. Mit dem Ergebnis der Vertragsverhandlungen sei sie sehr zufrieden, sagt die Fünfzigjährige, die dem Stiftungsvorstand seit knapp einem Jahrzehnt angehört. Obwohl das Kinderhospital mit 75 Betten der kleinste Partner sei, fühle es sich nicht übergangen.

Die Stiftung ist Anteilseigner der Trägergesellschaft und stellt zwei Aufsichtsratsmitglieder. Weitere Anteilseigner sind die städtische Stiftung, der nicht nur das Hospital zum Heiligen Geist, sondern auch das Nordwestkrankenhaus gehören, und die Senckenbergische Stiftung als Gründer des Bürgerhospitals. Die vier Krankenhäuser Nordwestkrankenhaus, Bürgerhospital, Hospital zum Heiligen Geist und Clementine Kinderhospital sind damit zu einem Haus mit vier Standorten verschmolzen. Von der Fusion erwartet Schleussner zunächst Einsparungen in der Verwaltung, weil das Personal flexibler eingesetzt werden könne. Eine erste Auswirkung sei zudem, dass die Kooperation mit dem Klinikum Offenbach in der Krankenpflegeausbildung beendet werde. Neue Auszubildende würden nun zur Agnes-Karll-Schule am Nordwestkrankenhaus gehen, an der auch das Pflegepersonal der Universitätsklinik ausgebildet wird.

Schleussner nur in „zweiter Hand“ beteiligt

Langfristig sollen auch das medizinische Angebot abgestimmt und Zentren gebildet werden. Schon jetzt kooperiert das Kinderhospital mit der Radiologie des nahe gelegenen Hospitals zum Heiligen Geist. Kinder, die operiert werden müssen, werden weiterhin vom Bürgerhospital betreut, da es im Kinderhospital keine chirurgische Abteilung gibt. Ähnlich wie nach der Fusion mit dem Bürgerhospital wolle man sich jedoch für Veränderungen Zeit nehmen und die Ärzte einbinden, hebt Schleussner hervor.

Anders als ihre Vorgängerin wird sie daran jedoch nur in „zweiter Hand“ beteiligt sein. Die Zeiten, in denen Ärzte und Mitarbeiter mit jedem Anliegen ins Büro der Vorstandsvorsitzenden der Stiftung stürmten, seien schon lange vorbei, sagt sie. Im Übrigen hätte sie, die keine Ärztin, sondern Biologin ist, den ehrenamtlichen Posten wohl auch gar nicht angenommen, wenn damit auch das operative Geschäft verbunden gewesen wäre, sagt Schleussner, die hauptberuflich im Aufsichtsrat eines von ihrem Großvater und Vater gegründeten Pharmaunternehmens sitzt. Zurzeit genüge es, wenn sie einmal in der Woche in das Büro an der Theobald-Christ-Straße komme. Den Rest erledigt die Mutter zweier Kinder von zu Hause aus.

Neue Monitore und eine fahrbare Duschwanne

Inzwischen liegt der Schwerpunkt der Stiftung, die ein Stammkapital von 700 000 Euro hat, auf der Spendensammlung, um das Krankenhaus bei der Anschaffung teurer Geräte und bei Renovierungsarbeiten zu unterstützen. Auch übernehme sie die Anschubfinanzierung interessanter Projekte, mit denen das Angebot verbessert werden könne, sagt Schleussner. Anträge dafür gingen den offiziellen Weg über ärztlichen Direktor, Pflegedienstleitung und Geschäftsführung. Darüber hinaus könne die Stiftung Projekte in Einrichtungen, die mit dem Kinderhospital kooperierten oder eng mit ihm verbunden seien, fördern. Um genügend Geld für alle Wünsche zu erhalten, arbeite die Stiftung mit weiteren Partnern wie der Kinderhilfestiftung zusammen.

Im vergangenen Jahr konnte mit Mitteln der Stiftung eine Station renoviert und ein Spielzimmer eingerichtet und das auf dem Klinikgelände entdeckte Fleck’sche Grab restauriert werden. Außerdem wurden Wärmebetten für Säuglinge, eine fahrbare Duschwanne für gelähmte Kinder, Monitore für das Schlaflabor und Messgeräte für Asthmakranke angeschafft. Nicht zuletzt unterstützte die Stiftung die Schrei-Ambulanz am Sozialpädiatrischen Zentrum, in dem sie Hausbesuche der Hebammen finanzierte, und sie übernahm Behandlungskosten für junge Patienten ohne Krankenversicherung. In diesem Jahr soll in dem verwinkelten Krankenhausbau im Ostend ein Dachgeschoss ausgebaut werden, um Platz für zusätzliche Therapieräume zu schaffen.

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Quelle: F.A.Z.

 

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