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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Christopher Street Day Ist hier Karneval, oder was?

 ·  Der Christopher Street Day hat am Wochenende Tausende angezogen. Die 3000 Teilnehmer demonstrierten für die Gleichberechtigung Homosexueller.

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Der König schreitet majestätisch in roten Pumps hinter einem der 19 Wagen, die ohrenbetäubend laut die Parade beschallen, und winkt ab und an. Er strahlt; schon lange hat er sich auf den Christopher Street Day (CSD) gefreut, der am Samstag zum 20. Mal in Frankfurt stattfindet. „Wir zeigen, dass wir da sind“, sagt er und tanzt, aber nur ein wenig. Allzu viel Begeisterung würde nicht zum Kostüm passen.

Der König heißt eigentlich Daniel, ist 35 Jahre alt und demonstriert für mehr Akzeptanz Homosexueller. „Ich habe mir Urlaub für dieses Wochenende genommen“, sagt er. Eine Woche hat er am Kostüm genäht und ist jetzt auch ganz froh um das rosa Sonnenschirmchen. Heute schützte es Seine Majestät vor den Schauern, die immer mal wieder auf die Parade herabgehen.

„Sexy and I Know It“

Zwei Meter und sieben Zentimeter misst der Monarch mit Schuhen. Damit überragt Daniel keineswegs jeden: Viele Damen und Herren tragen schwindelerregend hohe Absätze zu bunten Kostümen, die der Phantasie wenig Raum lassen. Die Parade ist auch nicht zu überhören: Der Wagen der FDP spielt „Sexy and I Know It“, die Besatzung verteilt blaugelbe Herzchenaufkleber, aus dem Wagen der Union schallen Schlager. Alle großen Parteien sind hier vertreten. Dass der CSD nicht nur Feiern bedeutet, hat Tradition. Der Christopher Street Day erinnert an den Widerstand der Homosexuellen gegen die gewaltsamen Übergriffe der Polizei in der Christopher Street in New York am 27. Juni 1969.

Die politische Dimension kann man aber auch an den Schildern ablesen: Sie fordern eine Gleichstellung der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft und Ehe und mehr Akzeptanz. „Kein Adoptionsrecht“ bemängelt ein anderes Transparent. Diese Themen griff auch Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) auf, als er am Samstagnachmittag die Veranstaltung eröffnete. „Es muss noch viel getan werden“, sagte er bei seiner Rede über die Rechte von Homosexuellen in Deutschland. Lesben und Schwule seien immer noch massiven Zwängen unterworfen und hätten oft das Gefühl, sich verstecken zu müssen. Er spielte damit auf das Motto „Eckstein, Eckstein, musst du noch versteckt sein?“ an, unter dem der Tag in diesem Jahr stand. Feldmann forderte die Gleichstellung von gleichgeschlechtlicher Partnerschaft und Ehe und das Adoptionsrecht unter dem Jubel der Zuschauer vor der Konstablerwache.

„Ich sage immer: Viel schlimmer, ich bin Mathelehrer“

Komische Vögel sind trotzdem unterwegs. Etwa Rudolf, der sich als futuristisch anmutender Falke mit rotem Lackmantel verkleidet hat und aus Ulm angereist ist. Er selbst sei nicht homosexuell. „Ich sage immer: Viel schlimmer, ich bin Mathelehrer“, witzelt er. Rudolf will mit seinem Kostüm Aufmerksamkeit erregen, und mit einer Flügelspannweite von „irgendwas über drei Meter“ schafft er das spielend. „Ich will erreichen, dass Homosexualität mehr akzeptiert wird“, sagt Rudolf. Er fährt seine schwarzen Flügel mittels eines Motors aus und trifft eine der Paradeteilnehmerinnen im Gesicht - bei solchen Verkleidungen kann man einfach nicht auf jeden Rücksicht nehmen.

Nicht bei allen trifft die Parade auf Verständnis. „Ist hier Karneval, oder was?“, ruft ein Junge und macht sich über die Teilnehmer lustig. Andere sind nur wegen des CSD angereist. Eineinhalb Stunden sei sie mit dem Auto von Koblenz hierhergefahren, berichtet eine Zuschauerin, die begeistert die Parade fotografiert. „Die Kostüme zeige ich meinen Kindern“, sagt sie. Seit Jahren schon wollte sie zu einem CSD fahren, nun habe es endlich geklappt.

„Wir wussten einfach nicht, wie wir ihn bezahlen sollen“

Beinahe hätte sie woanders hinfahren müssen. Ausgerechnet zum Jubiläum hätte der CSD nämlich beinahe nicht stattgefunden. „Im April wollte ich ihn abblasen“, sagt Anika Pilger, die seit drei Jahren das Wochenende im Alleingang organisiert. „Aber neben einem Job die Arbeit für fünf machen, das geht nicht“, sagt Pilger. Zudem stand die Finanzierung auf der Kippe. Im vergangenen Jahr hatte der CSD, der nach Aussage der Veranstalter einer der fünf größten Deutschlands ist, 11.000 Euro Verlust gemacht. „Wir wussten einfach nicht, wie wir ihn bezahlen sollen“, sagt Pilger. Der Förderverein Zukunft Spenden e.V. sprang ein. Ehrenamtliche Helfer engagierten sich kurzfristig und nahmen Pilger einen Großteil der Organisation ab. Durch den Verkauf von Solidaritätsbändchen und über SMS-Aktionen kamen etwa 7000 Euro an Spenden zusammen. Dadurch werde das Defizit in etwa ausgeglichen, meint Pilger. Der restliche Erlös gehe an die Aids und die Brustkrebshilfe.

Der König tanzt nicht mehr. Daniel hat am Nachmittag seine roten Pumps gegen goldene Sneaker ausgetauscht und entspannt sich kurz mit einer Zigarette. Gleich muss er arbeiten. Während andere ausgelassen feiern und tanzen, verkauft der König Wurst und Schnitzel für einen guten Zweck. Damit es nächstes Jahr wieder einen CSD geben kann.

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