http://www.faz.net/-gzg-74x4l

Christian und Andrea Hartmann : Der Landwirt und die Bankwirtin

Eine Familie und 85 Milchkühe: Andrea und Christian Hartmann mit den Kindern Simon und Sophia im Stall. Bild: Fricke, Helmut

„Bauer sucht Frau“, eine TV-Kuppel-Show mit guten Quoten, ist zum Synonym geworden: für die Schwierigkeit, mit einem Hof die Liebe zu finden. Mit der Realität hat die Sendung nicht viel zu tun. Das sagen zwei, die es wissen müssen.

          Inmitten sanft hügeliger Weiten ein Dorf in der Rhön. Wie andere gerne Urlaub machen, wohnen Christian und Andrea Hartmann mit ihren Kindern Simon und Sophia jeden Tag: auf dem Dorf, auf dem Bauernhof. Nebst Großeltern und Uropa im Nachbarhaus aus Fachwerk, einem für die Region typischen Vierseithof mit Weinranken am Haus und einem Traktor auf dem Kopfsteinpflaster vor dem Stall. Viel Ruhe ist ringsum und viel Beschaulichkeit in Hofbieber, Ortsteil Wiesen. Zweimal in der Woche bringt der Bäcker frisches Brot ins Haus.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Ehepaar Hartmann hat Land und Tiere, einen Fernseher hat es auch, jeder hat hier einen, jeder kennt die Show, die dem produzierenden Privatsender in diesen Wochen Quotenrekord beschert: „Bauer sucht Frau“. 7,22 Millionen Zuschauer hatten sich die Folge der Kuppel-Show am 19. November angesehen. Marktanteil: satte 22,6 Prozent beim Gesamtpublikum, etwas mehr in der Altersgruppe von 14 bis 47 Jahren, die für Werbezwecke als besonders relevant gilt. Das Ehepaar Hartmann kann über „Bauer sucht Frau“ nur den Kopf schütteln. „Total realitätsfern“, sagt Christian Hartmann. „Ein Imageschaden für die Landwirtschaft“, sagt seine Frau.

          Dorftrottel für eine bessere Quote

          Drei Folgen jüngeren Datums haben sie gemeinsam gesehen. Zuvor hatte der Jungbauer bei der Feuerwehr von der Serie erzählen gehört. Geschaut werde das in den Bauersfamilien schon, sagt er, meistens von den Frauen, wirklich ernst genommen werde die Serie aber nicht. Dass das Publikum mit den Protagonisten barmt, ist für Hartmann das Ergebnis eines darauf zugeschnittenen Castings: „Die wollen die Quote, da ist es das Beste, man sucht sich einen Dorftrottel.“ Das Gegenteil eines jungen modernen Landwirts, der über mehr verfügt als über ein altes Bauernhaus mit ein paar Tieren. Der mehr Kontakte hat als den zu seiner Mutter, die ihm jeden Mittag schwere Lieblingskost in großen Mengen kocht.

          Christian und Andrea Hartmann haben keine Hilfe gebraucht, um sich kennen- und lieben zu lernen, der Junglandwirt und seine Bankerin aus dem Raum Fulda. Sie kannten sich schon, bevor sie im Frühjahr 2001 zusammenfanden, hatten im größeren Kreis oft gemeinsam gefeiert. „Die Rhön ist wie ein großes Dorf, da läuft man sich ständig über den Weg“, sagt Andrea Hartmann. Irgendwann hätten sie beide mehr miteinander unternommen als zuvor, und dann sei es so gewesen, wie es Klaus Lage in „1001 Nacht“ besingt: Dann hat es eben „Zoom“ gemacht.

          „Ich bin absolut an Kredit interessiert“

          Seinerzeit arbeitete Andrea Hartmann, die das Gymnasium in Hilders und eine Fachoberschule besucht hat, schon bei der Geno-Bank Fulda und qualifizierte sich nebenbei zur Bankfachwirtin. In der Geno-Bank machte sie mit Anfang zwanzig rasch Karriere. Obwohl sie noch keine Bankfachwirtin war, stieg sie zur Leiterin des Teams auf, das sich um das „risikoarme Kreditgeschäft“ kümmert, wie es im Fachjargon heißt. „Ich bin absolut an Kredit interessiert“, erzählt sie mit einem Lächeln. „Deshalb hat sie einen Landwirt geheiratet“, wirft ihr Mann umgehend ein.

          Weitere Themen

          Helfer vereinen Familien wieder Video-Seite öffnen

          Verlorene Kinder aus Myanmar : Helfer vereinen Familien wieder

          Mehr als eine halbe Million Rohingya sind aus ihren Dörfern in Myanmar ins benachbarte Bangladesch geflüchtet. Im Chaos der Flüchtlingslager werden viele von ihren Familien getrennt. Helfer versuchen die Familien wieder zu vereinen.

          Erinnerungen an meinen Vater Video-Seite öffnen

          Hans Magnus Enzensberger : Erinnerungen an meinen Vater

          Wie sein Vater als Fernmeldetechniker im „Dritten Reich“ den eigenen Überzeugungen treu blieb, hat Hans Magnus Enzensberger immer fasziniert. Für die Familie hat er seine Erinnerungen an ihn aufgeschrieben. Zum ersten Mal kann sie jetzt auch ein großes Publikum lesen.

          Topmeldungen

          SPD : Der wahre Sieger der Bundestagswahl

          So ein bisschen freuen sich die Sozialdemokraten über das katastrophale Ergebnis der Bundestagswahl. Endlich sind sie die Union los. In der Opposition soll alles besser werden.
          Christine Hohmann-Dennhardt, ehemals Daimler und VW.

          Absprachen-Verdacht : Die doppelte Kronzeugin im Autokartell

          Hinter den Selbstanzeigen von Daimler und VW steckt offenbar ein und dieselbe Person: Christine Hohmann-Dennhardt war an beiden Tatorten. Der Gelackmeierte im Spiel ist BMW.
          Im Alter jeden Cent umdrehen zu müssen - das befürchten viele Arbeitnehmer.

          Sinkendes Rentenniveau : Vorsorgen kann jeder

          Mit der gesetzlichen Rente kommen Pensionäre nicht mehr weit. Jeder zweite Single in Deutschland sorgt sich, seinen Lebensstandard im Alter nicht halten zu können. Dabei ist das gar nicht so schwer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.