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Wiesbadener Klinik : Chefärzte verlassen HSK im Streit

Kommen nicht nur Ruhe: Die Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden, die zur Helios-Gruppe von Fresenius zählen Bild: Gilli, Franziska

Die Wiesbadener Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken kommen nicht zur Ruhe. Zwei Chefärzte nehmen den Hut. Die Kliniken stehen aber nicht nur deshalb im Blickpunkt.

          Zwei angesehene Chefärzte kehren den Wiesbadener Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) nach Informationen dieser Zeitung aufgrund von Differenzen mit der Geschäftsführung den Rücken. Oliver Singer, seit zwei Jahren Direktor der Neurologie, verließ das Haus Ende Januar schon zwei Tage nach der Ankündigung seines Ausscheidens „Knall auf Fall“, wie es heißt.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Der Chef der Notaufnahme, Andreas Fischbach, scheidet Ende Juni aus. Beide waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Singer habe die HSK „aus persönlichen Gründen“ verlassen, um sich anderen Aufgaben zu widmen, sagte die Sprecherin des Krankenhauses auf Anfrage. „Hierbei gehen wir von einer guten und zeitnahen Nachbesetzung aus.“ Fischbach gehe „auf eigenen Wunsch“. Diesen Schritt bedaure man sehr.

          Überraschende Abgänge

          Wie berichtet, stand die Notaufnahme im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Der Fernsehsender RTL berichtete nicht nur über einen gravierende Mangel an Personal in der Station, sondern belegte sie in Bild und Ton. Der anhaltende Mangel an Pflegekräften ist auf Stellenstreichungen im großen Stil zurückzuführen. Sie waren die erste Maßnahme, die der Gesundheitskonzern Helios ergriff, als er vor knapp drei Jahren 49 Prozent der städtischen Kliniken und das operative Geschäft übernahm.

          Der überraschende Weggang der beiden Chefärzte fällt zeitlich zusammen mit dem absehbaren altersbedingten Ausscheiden von zwei langgedienten Koryphäen. Joachim Schirren, der Direktor der Klinik für Thoraxchirurgie, geht ebenfalls im Sommer. Klaus Wenda, Chefarzt für Unfall-, Hand- und orthopädische Chirurgie, tritt Ende des Jahres in den Ruhestand.

          Solche Persönlichkeiten seien für viele niedergelassene Ärzte der Umgebung der entscheidende Grund, ihre Patienten allen Umständen zum Trotz noch in die HSK zu überweisen, sagt ein Insider. Weil von den „alten Hasen“ schon zu viele verprellt worden seien und die HSK verlassen hätten, verflüchtige sich der Patientenstrom.

          150 Patienten mehr betreut als im Vorjahr

          Über die Fallzahlen könne man nicht so allgemein sprechen, meinte dazu der städtische Klinikdezernent Axel Imholz (SPD). Nötig sei eine differenzierte Betrachtung jeder einzelnen Station. Die internen Kritiker glauben, dass die von Helios entsandten Geschäftsführer den Niedergang eines Hauses beschleunigten, das einst einen tadellosen Ruf gehabt habe und mit Universitätskliniken in einem Atemzug genannt worden sei. „Wir haben immer noch viele Spitzenmediziner.“ Die aktuelle „Focus“-Liste weist neun Ärzte als „Top-Mediziner“ aus.

          Die Geschäftsführung wies darauf hin, dass auf den Stationen im Januar 150 Patienten mehr betreut worden seien als vor einem Jahr. Sie bestritt die Information, dass von 21 Operationssälen im Durchschnitt sieben geschlossen seien. Tatsächlich seien von den 15 Sälen „im zentralen OP-Bereich“ im Durchschnitt nur drei bis vier Säle dicht. „Dies ist abhängig von der Personalverfügbarkeit und den Operationszahlen, so dass nicht jeden Tag alle Säle betrieben werden können und müssen.“ Sechs weitere Operationssäle seien „entsprechend ihrer Auslastungsmöglichkeiten im Betrieb“.

          Die HSK-Sprecherin bestätigte, dass in der Intensivstation am Freitag bei einem Patienten der multiresistente Keim MRGN gefunden wurde. Man habe zunächst keine weiteren Patienten aufgenommen und sich in dem Computersystem „Ivena“ abgemeldet, um die Rettungsdienste zu veranlassen, andere Kliniken anzufahren. Das hatte die Sprecherin verschwiegen, als sie am Sonntag von dieser Zeitung nach einem aktuellen Aufnahmestopp gefragt worden war.

          Alle Patienten seien stabil, der Erreger habe also keine gravierenden Auswirkungen, hieß es gestern. Voraussichtlich werde der Betrieb in der Intensivstation heute wieder normal laufen.

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