Das Ziel ist ehrgeizig und populär zugleich: In fünf statt in 20 Jahren will der Offenbacher Landrat Peter Walter (CDU) die 49 Schulen sanieren, die im Osten seines Kreises liegen. Dazu hat Walter einen Vertrag mit dem größten deutschen Baukonzern, der Hochtief AG, geschlossen, die 100 Millionen Euro investieren wird. Diese Kooperation von öffentlicher Hand und privatem Wirtschaftsunternehmen gilt bundesweit als Testfall für das, was "Public Private Partnership" (PPP) in Zeiten leerer Kommunalkassen und einer daniederliegenden Bauwirtschaft bewirken kann.
Die Partnerschaft wird den Kreis Offenbach einiges kosten. Für die Sanierung und die Pflege der Schulen im östlichen Teil des Landkreises muß Walter in den nächsten 15 Jahren jeweils 27,4 Millionen Euro zahlen. Weitere 24,7 Millionen Euro im Jahr kommen für die 41 Schulen im Westteil des Kreises hinzu. Dort ist die Mannheimer SKE GmbH Partner des Landkreises. Walters Unternehmensberater haben errechnet, daß der Kreis für eine Vertragsdauer bis 2020 durch das PPP-Modell insgesamt 180 Millionen Euro bei der Sanierung und Pflege seiner 90 Schulen weniger ausgeben wird - verlockend viel für einen Kreis, dessen Etat allein in diesem Jahr ein Defizit von 24 Millionen Euro aufweist.
Das Geld für die Partnerschaft aber muß sich der Kreis vor allem auf dem Kreditmarkt beschaffen, desgleichen die Mittel für die Tilgung. Es waren die Grünen im Kreistag, die das Modell als einzige Fraktion wegen seiner finanziellen Lasten ablehnten. Sie sahen den beabsichtigten Verkauf von Anteilen des Kreises an der Energieversorgung Offenbach AG (Evo) und von Schulgrundstücken als nicht ausreichend an, um die Kreditkosten aufzubringen. Die künftige Belastung des Kreishaushalts läßt sich denn auch nicht wegdiskutieren.
Doch Walter will durch das PPP-Modell nicht nur Kosten senken und Zeit gewinnen. Die Schulen sollen durch die Sanierung zu einem "Lernumfeld werden, das Leistung stimuliert". Eltern, Lehrer und gewiß auch Schüler hören das gern. Mancherorts dürfte es allerdings schon ein Fortschritt sein, wenn kein Regen mehr durch das Dach der Turnhalle fällt und kein Putz von der Decke des Klassenzimmers. Walter und Partner haben jetzt die Chance, zu beweisen, daß sich ihre Zusammenarbeit vor allem für die junge Generation wirklich lohnt. ANTON JAKOB WEINBERGER

