18.01.2009 · Die Frankfurter FDP ist aus dem Häuschen über das Landtagswahlresultat ihrer Partei. Auf der Wahlparty wird gesungen, gejubelt und gebrüllt. Die CDU feiert verhaltener. Ziel erreicht, aber Euphorie will dennoch nicht aufkommen.
Von Cornelia von WrangelIn den kleinen Dingen ist es bei der Frankfurter FDP wie immer an Wahlabenden. Gelbe Luftballons am Geländer der Treppe, die zum Presseclub hinaufführt. Knabbergebäck in kleinen Körben, drapiert auf gelben Papierservietten. Die Parteifarbe, sie muss sein. Und doch ist an diesem 18. Januar alles ganz anders. Die Umfragen, die Gewissheit versprachen: „Dieses Mal packen wir es in Wiesbaden“, lassen die Laune der FDP-Mannen und -Frauen steigen, längst bevor die erste Hochrechnung auf den zwei Fernsehschirmen erscheint. „Die können jetzt schon vor lauter Kraft nicht mehr laufen“, hat einer aus dem anderen Teil des bürgerlichen Lagers im Römer neidisch gemunkelt.
Es wird gesungen
Gut, dass er nicht sieht, was wenig später nur wenige Meter Luftlinie entfernt im Presseclub geschieht. „Macht den Fernseher lauter“, ruft einer noch, „gute Ergebnisse brauchen einen starken Ton.“ Es ist auch nötig, denn jetzt werden die FDP-Mitglieder laut, zählen die letzten zehn Sekunden mit bis zur ersten Hochrechnung, um dann einfach nur noch zu jubeln und – zu brüllen. Siebzehn Prozent zu diesem Zeitpunkt. Die Frankfurter Eintracht wünschte sich so einen Jubel schon bei einem Tor: „So sehen Sieger aus, tralalalala.“
Gesungen wird auch. Die Frankfurter FDP – gut und gerne achtzig Leute sind da – ist aus dem Häuschen über das Landtagswahlresultat ihrer Partei. Im Presseclub tobt der Bär. „Das ist ein Möllemann-Ergebnis“, sagt einer und erschrickt über diese Reminiszenz. „Ist es nicht toll?“, frohlockt eine andere. Bundestagsabgeordneter Hans-Joachim Otto wiederum kann sich einen Seitenhieb auf die Sozialdemokraten nicht verkneifen: „Wir nähern uns der SPD.“
Und sie feiern Hans-Christian Mick, den Jura-Doktoranden vom Jahrgang 1981. Weil alles so aussieht, als ob er es geschafft hätte, von nun an Landtagsabgeordneter zu sein. Der aber sagt vor lauter Glück nur: „Ich muss das erst mal sacken lassen.“ Stadtrat Volker Stein hingegen gibt sich sofort staatsmännisch: „Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und Klarheit in den Positionen machen sich beim Bürger bezahlt.“
Christdemokraten danken der FDP
Stein ist auch einer der Ersten aus der fröhlichen Truppe, die den Weg rüber in den Römer finden. O je, im Vergleich zur FDP-Feierstätte ist die Stimmung dort geradezu bedrückt. Von der CDU lässt sich zu dieser Stunde kaum einer blicken. Man bleibt lieber erst einmal unter sich. Und die, die aus dem Zimmer der Oberbürgermeisterin kommen, können sich nicht so richtig freuen, weil sie gern eine Vier vor dem CDU-Wahlergebnis gehabt hätten. Euphorie will da nicht aufkommen, auch wenn das Ziel, die bürgerliche Mehrheit, erreicht ist.
Also liegt sich das bürgerliche Lager nicht den Armen, sondern gratuliert sich höflich. „Glückwunsch.“ – „Ebenso.“ – „Gratulation.“ – „Gleichfalls.“ Wirtschaftsdezernent Boris Rhein lobt – wie andere CDU-Kollegen auch – die FDP für ihre Standhaftigkeit im vergangenen Jahr. „Ja, die hat uns gerettet“, sagt er. Markus Frank, der Fraktionsvorsitzende, lobt dafür Roland Koch: „Er ist unser klügster Mann.“ Derweil Hans-Joachim Otto fremdgeht und Lutz Sikorski von den Grünen umarmt. Sie kennen sich aus Studienzeiten. Und der Umarmte konstatiert mit Blick auf Wiesbaden: „In Frankfurt gehen die Uhren eben anders.“
Mittlerweile ist die Uhr im Römer so weit vorgerückt, dass die Frankfurter Wahlergebnisse bekanntwerden. Da wird bei der CDU die Stimmung schon heiterer. Alle sechs Wahlkreise gewonnen. Alfons Gerling hat nun besonders gute Laune. Der Landtagsabgeordnete kann sich auf fünf weitere Jahre in Wiesbaden freuen. Er hat seinen Wahlkreis zum siebten Mal hintereinander geholt. „Das schafft so schnell keiner mehr“, sagt Gerling – und ist selig.
Cornelia von Wrangel Jahrgang 1951, redaktionelle Koordination der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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