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CDU-Diskussion zu Nachtflügen „Was Sie hier machen, ist zynisch“

15.01.2012 ·  Die CDU lädt zur sachlichen Diskussion über Nachtflüge. Doch gegen die Wut der Lärmgeplagten redet ein Lufthansa-Sprecher vergebens an.

Von Nina Himmer, Frankfurt
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Der Ärger beginnt schon, bevor das erste Wort gesprochen ist. Als Lufthansa-Cargo-Sprecher Nils Haupt an der Seite von Polizeibeamten im Südbahnhof eintrifft, geht ein unwilliges Murmeln durch den mit etwa 100 Besuchern besetzten Raum. „Glauben sie etwa, dass wir handgreiflich werden?“, ruft eine ältere Dame aus. Jochem Heumann, Vorsitzender der CDU Sachsenhausen, redet beschwichtigend auf das Publikum ein. Seine Partei hat zu der Veranstaltung geladen, auf der Haupt erklären soll, warum Nachtflüge für den Frankfurter Flughafen nötig sind. Weit kommt er damit erst einmal nicht. Zu laut ist es, zu wild sind die Diskussionen, Zwischenrufe und Einwürfe. Ein Mann muss gehen, weil er mehrfach ausfällig geworden ist. Nur mit viel Mühe gelingt es Heumann, den Anwesenden ein wenig Redezeit für seinen Gast abzuringen.

Haupt hebt zunächst die einzigartige Vernetzung von Passagier- und Frachtverkehr in Frankfurt hervor. „Wir transportieren vor allem eilige und wertvolle Güter“, sagt er, verweist auf die Pharma- und Chemieindustrie, die Automobilbranche und medizintechnische Güter. Zumindest ein Mindestmaß an Nachtflügen sei nötig, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Und, mit Blick auf das Kasseler Urteil, meint er: „Wir hatten ohnehin vor, die Nachtflüge um 60 bis 70 Prozent zu reduzieren.“

Nach eineinhalb Stunden wird die Veranstaltung beendet

Seine Zuhörer kann er damit nicht besänftigen. Welche Güter so dringend seien, dass ihr Transport nicht warten könne, will eine junge Frau wissen. Wie man der städtebaulichen Abwertung ihrer Wohngebiete begegnen wolle, fragt eine andere. Haupt bleibt die Antworten schuldig. Immer wieder sagt er, dass der Lufthansa ohne die Nachtflüge im internationalen Wettbewerb gravierende Nachteile entstünden. Für die Menschen, die unter dem Fluglärm leiden und deren Häuser an Wert verlieren, ist das freilich kein Argument. „Was hier stattfindet, ist eine absurde Abwägung von betriebswirtschaftlichen gegen gesundheitliche Interessen“, stellt ein Arzt aus Sachsenhausen fest, „und das darf es nicht geben.“ Applaus brandet auf. Heumann greift zum Mikrofon, versucht, die Diskussion zu moderieren. „Es geht hier nicht nur um persönliche Betroffenheit“, sagt er und mahnt, weniger polemisch zu argumentieren. Die Stimmung kippt noch ein wenig mehr. „Was Sie hier machen, ist zynisch und menschenverachtend“, entgegnet der Arzt. „Wo ist das C in der CDU geblieben?“, schreit eine Frau, ihre Stimme überschlägt sich förmlich.

Haupt versucht es weiter mit Sachlichkeit. Erklärt, Frankfurt als Logistik-Drehkreuz sei für die Exportnation Deutschland enorm wichtig. Nur durch den so genannten Nachtsprung, der wegen der Zeitverschiebung eine Auslieferung in Chicago oder New York noch am selben Tag ermöglicht, an dem die Ware in Deutschland eingeliefert wurde, ist es laut Haupt möglich, Produktionsvorteile zu nutzen. Er blickt in verständnislose Gesichter.

Nach eineinhalb Stunden beendet Heumann die Veranstaltung, sichtlich erleichtert. Zuvor meldet sich noch eine blonde Frau aus der hintersten Ecke, ihr Satz geht fast unter. Zuvor hatte sie Haupt scharf kritisiert, jetzt sagt sie: „Danke, dass Sie hier waren. Das ist sehr mutig von Ihnen.“

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