09.01.2012 · Am Frankfurter Flughafen hat Deutschlands einzige Flughafen-Spielbank neu eröffnet. Die Brandschutz-Ertüchtigung hatte für fast vier Jahre ein Provisorium erzwungen.
Von Jochen Remmert, FrankfurtNein, sie wollen nicht nur spielen. Da sich aber in Frankfurt die einzige Flughafen-Spielbank in Deutschland und eine von zweien in ganz Europa findet, nutzen vor allem Passagiere aus Nordamerika, Asien, Russland und aus dem Mittleren Osten gerne die Gelegenheit, etwa zwischen zwei Flügen ihr Glück beim Black-Jack, Roulette oder am Automaten auf die Probe zustellen. Neuerdings können sie das wieder in etwas großzügigerem Ambiente jenseits der Sicherheitskontrollen in der Abflughalle B des Terminals 1 tun.
Auf gut 200 Quadratmetern hat dort die Spielbank Frankfurt GmbH & Co. KG ein neues Casino eingerichtet, nachdem das alte im März 2008 geschlossen worden war. Das war nötig geworden, weil der Feuerschutz umfangreiche Umbauten erforderlich gemacht hatte. Nach der Schließung vor knapp vier Jahren hatte die Betreibergesellschaft zusammen mit der Vermieterin, der Fraport AG, zunächst versucht, den Spielbetrieb an zwei Standorten weiterzuführen. Einmal im frei zugänglichen Teil der HalleC und mit einer zweiten kleinen Dependance hinter den Sicherheitskontrollen in der Transithalle des Flugsteigs A. Doch nach wenigen Monaten blieb nur mehr der in einer Art Container untergebrachte Standort in Halle C. Mit der Eröffnung des neuen Airport-Casinos wurde dieser nun wieder aufgegeben.
Im Moment zählt das neue Casino zwischen 80 und 120 Besucher am Tag, die Zeit um die Jahreswende gilt allerdings als eine der schwächsten des Jahres. Je Besuch lässt ein Spieler im Schnitt 50 bis 100 Euro in Spielbanken. Wie viel genau es am Flughafen ist, verrät die Betreibergesellschaft nicht, an der die Spielbank Wiesbaden GmbH und andere Casinobetreiber beteiligt sind. Die Geschäfte führt Michael Seegert, der zugleich Geschäftsführender Gesellschafter der Spielbank Bad Neuenahr GmbH ist.
Egal, an welchem Standort, am Frankfurter Flughafen durften und dürfen nur Gäste ein Spiel wagen, die nicht aus den Schengen-Staaten, worunter im Wesentlichen die EU-Staaten zu verstehen sind, kommen. Das ärgert Casino-Chef Seegert. Die Zahl der Schengen-Staaten werde immer größer, der Kreis seiner potentiellen Kunden immer kleiner.
Warum gerade am Flughafen laut Gesetz eben nicht jedermann spielen kann, während dies in den Spielbanken von Wiesbaden, Bad Homburg oder anderswo möglich ist, erklärt sich Seegert damit, dass der Gesetzgeber damit offenbar die anderen Spielbanken um Frankfurt herum vor zu viel Konkurrenz habe schützen wollen. Der Staat regelt den Spielbetrieb zwar kräftig, er verdient aber auch gerne gut daran, im Fall der Flughafen-Spielbank sind es das Land Hessen und die Stadt Frankfurt. Die sogenannte Spielbankabgabe und weitere Abgaben des Konzessionärs zusammengerechnet, können der öffentlichen Hand dem Gesetz zufolge bis zu 80 Prozent des Bruttospieleertrag, in Einzelfällen auch mehr zukommen. Bei der Flughafenspielbank waren es einmal 60 Prozent, wie viel es derzeit ist, sagt Seegert nicht. 60 Prozent seien es aber nicht. Solange unklar ist, wie hoch die Spielerträge im neuen Casino ausfallen, gelten günstigere Bedingungen.
Überhaupt achtet der Staat gerade bei den konzessionierten Spielbanken sehr genau aufs Geld. Das geht so weit, dass beispielsweise in der Spielbank am Flughafen nicht nur die jeweilige Schicht der insgesamt 14 Mitarbeiter Dienst tut, sondern auch immer ein Finanzbeamter, der das Spiel überwacht. Die Automaten haben immer zwei Schlösser, den Schlüssel des einen verwahrt stets der Finanzbeamte. Die Spieltische werden via Kamera überwacht. Nach dem Neustart zählt Seegert auch wieder auf seine Stammkunden, wie er sagt. Die reisten extra über Frankfurt, um hier zwischendurch ein Spielchen zu wagen. Wer am Flughafen spielt? „Leute aus aller Herren Ländern“, sagt Seegert. Es sind vor allem Geschäftsleute, wie er weiter erläutert. Die Leute, die hier zwischen zwei Flügen spielten, lebten meistens sozusagen in ihrer Zeitzone weiter. So könne es schon vorkommen, dass da morgens um 7 Uhr ein Gast bei einem Glas Whisky am Black-Jack-Tisch zu spielen beginne. Ungewöhnlich sind denn auch die Öffnungszeiten der Flughafen-Spielbank: Die Kugel rollt von 7 bis 22 Uhr.
Genaues über den umsatzabhängigen Mietzins, den Flughafenbetreiber Fraport AG verlangt, verrät der Spielbankchef nicht. Dass es am Flughafen teuer sei, sagt er schon. Dem hält Patrick Keidel von Fraport entgegen, dass man mit den gut 200 Quadratmetern mehr Geld verdienen könnte, wenn man dort weitere Duty-Free-Laden ansiedeln würde. Dann hätte Frankfurt aber nicht mehr das einzige Flughafen-Casino in Deutschland.