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Leben mit Downsyndrom : „Ich gehe meinen Weg“

Vielseitig: Carina Kühne ist schon in mehreren Filmen aufgetreten. Sie hält auch Vorträge und bloggt. Bild: Rainer Wohlfahrt

Carina Kühne ist Schauspielerin, sie musiziert, taucht – und hat das Downsyndrom. Darunter leide sie nicht, sagt sie. Schlimm findet sie nur die Reaktionen mancher Mitmenschen.

          In diesem Mai ist Carina Kühne besonders gefragt. Im Kalender der 32 Jahre alten Südhessin stehen unter anderem Termine in München, Bonn und Berlin. Dort hält sie Vorträge und nimmt als Referentin an Lehrer-Workshops teil. Ihr Thema ist die Inklusion. Dazu bloggt die junge Frau seit 2010 im Internet. Sie berichtet auf ihrer Homepage www.carinakuehne.com wortgewandt aus eigener Erfahrung: Ihre Familie und sie haben hart dafür kämpfen müssen, dass sie auf eine reguläre Schule gehen durfte.

          Ingrid Karb

          Blattmacherin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Denn die Zweiunddreißigjährige hat das Downsyndrom, auch Trisomie 21 genannt. Bei ihr ist das 21. Chromosom dreifach vorhanden. Verbunden ist dies mit typischen körperlichen Merkmalen. Am auffälligsten ist, dass die schlanke Frau nur wenig größer als 1,50 Meter ist. Krank sei sie aber nicht, hebt Carina Kühne hervor. Sie leide auch nicht unter dem Downsyndrom. „Ich leide nur unter der Ablehnung der anderen Menschen.“ Um daran etwas zu ändern, setzt sie sich für Integration und Inklusion ein. Das tut sie in ihrem wohlformulierten Blog, den lediglich die Mutter gegenliest, sowie einfach und sehr direkt in ihren Vorträgen. „Ich bin zwar anders, aber das stört mich nicht“, sagt sie selbstbewusst. „Ich bin halt so, wie ich bin. Ich gehe meinen Weg und lasse die anderen reden.“

          Musikalische Familie

          Heute muss Carina Kühne, die zusammen mit ihrer Mutter in Seeheim-Jugenheim lebt, nicht weit anreisen. Im Terminkalender steht eine Generalprobe in Frankfurt. Es geht um die Eröffnungsfeier für das Down-Sportlerfestival am Samstag im Stadtteil Kalbach. Kühne, die 2014 durch ihre Hauptrolle im Film „Be my Baby“ bekannt wurde, ist schon von Anfang an dabei, hat seit 2003 jedes Jahr teilgenommen. Auch dieses Mal wird sie wieder zu Beginn die Nationalhymne am Klavier spielen. Dafür muss sie heute mit dem Sänger üben.

          Die gebürtige Berlinerin, die im Kindergartenalter mit Mutter und Bruder nach Südhessen kam, stammt aus einer musikalischen Familie. Als kleines Kind aß sie nur, während ihr acht Jahre älterer Bruder am Klavier spielte. Schon mit fünf Jahren bat sie eine Tante, die als Musiklehrerin arbeitet, ihr das Flötenspiel beizubringen. Später lernte sie wie der Bruder, der ihr großes Vorbild ist, Klavier zu spielen.

          Große Vorbehalte

          Er war auch Vorbild für ihre sportliche Betätigung, das Tauchen. 2011 hat Carina Kühne den Tauchschein gemacht – als vermutlich erste junge Frau mit Downsyndrom, wie ihr Tauchlehrer meint. Ermöglicht hat ihr dies der Darmstädter Verein „Die Wasserflöhe“, in dem Behinderte zusammen mit speziell geschulten Freizeittauchern unter Wasser gehen. Das hat sie schon im Roten Meer in Ägypten und an der Costa Brava getan.

          Beim Sportfest am Samstag wird Carina Kühne den Besuchern den Tauchverein vorstellen, der für seine integrative Arbeit ausgezeichnet wurde. Die Teilnehmer können sich dort aber nicht nur über Sportangebote informieren, sondern auch vieles ausprobieren und sich im Wettbewerb messen. Kühne mag die „tolle Atmosphäre“ des Sportfests: Alle seien fröhlich, wie eine große glückliche Familie. Besonders schön findet sie jedoch, dass „man allen alles zutraut“. Jeder dürfe das machen, was er könne. Das sei im Alltag von Menschen mit Downsyndrom die Ausnahme. Zu groß seien die Vorbehalte ihnen gegenüber.

          In den Weg gestellte Hürden

          Über ihre Grundschullehrerin kann sich Carina Kühne immer noch aufregen. Die Lehrerin habe nicht gewollt, dass sie „normal mitlernte“, ihr spezielle Arbeitsblätter gegeben. „Und wenn ich mal die Mathematikaufgaben der Klasse gemacht habe, hat sie mir die wieder ausradiert“, empört sich die junge Frau. „Ich fand das unmöglich, dass sie mir einfach nichts zugetraut hat.“ Sie lernte aus eigenem Antrieb das Lesen, doch die Lehrerin unterstellte ihr, den Sinn nicht zu verstehen. Sie wollte Carina in die Sonderschule schicken.

          Doch die Mutter kämpfte, wandte sich an viele weiterführende Schulen und legte Rektoren die Hefte der Tochter vor. Sie wollte, dass Carina auf eine Regelschule geht, damit sie Ansporn bekommt. Denn schon im integrativen Kindergarten hatte Carina andere Kinder nachgeahmt – auch die geistig behinderten.

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