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Cafészene in Mainz Friedrichshainer Flair am Gartenfeldplatz

 ·  Berlin-Gefühl gibt es nicht nur an der Spree.In Mainz entsteht eine alternative Café-Szene, jung, heimatverbunden, mit individuellem Charme und Essen und Trinken aus der Region.

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© Kaufhold, Marcus Vergrößern Alle sind anders: Die Möbel kommen vom Sperrmüll, die Wanddeko kann gekauft werden – in der „Annabatterie“ am Gartenfeldplatz gibt es getreu dem Motto „Eat more cake“ Kuchen und Törtchen und ausgefallene Panini und Salate.

Vor ein paar Jahren sah es noch ziemlich trist aus am Gartenfeldplatz in der Mainzer Neustadt. Ein Kiosk, eine Damenboutique, eine Wäscherei. Ein Handyladen und ein Spielplatz, der die meiste Zeit verwaist war, Utilitarismus statt Hedonismus. Kindergeschrei war selten zu hören, es schien auch gar nicht zu passen in diese trübe Ecke. Dann kamen die Studenten und Leute, die bis vor kurzem Studenten gewesen waren. Und fast alles wurde anders.

Den Anfang machte Gesa Kohlenbach. 2007 hatte die angehende Architektin ein Auslandssemester in Australien verbracht. Dort, so erzählt sie, hatte sie eine sehr aktive Szene kleiner, inhabergeführter Cafés kennengelernt, mit Speisekarten, so klein wie die Räumlichkeiten und so liebevoll zusammengestellt, wie die Lokale eingerichtet sind. Diese Eindrücke nahm Kohlenbach mit zurück nach Mainz, wo ihr solche Orte für lange Nachmittage mit Freunden fehlten.

Eigentlich komisch, dachte sie sich. Denn die Stadt und gerade die zentrumsnahen Viertel leben von Studenten und jungen Familien, die dort bezahlbaren Wohnraum finden. Vor allem in der Neustadt ist das so. Als die Wäscherei am Gartenfeldplatz just zu der Zeit auszog, als Kohlenbach ihr Studium beendete, sah sie ihre Chance gekommen. Der Vermieter jedoch wollte in seinen Räumen kein Café, damit war die Sache vorerst gelaufen - dieser Laden oder keiner, hatte Gesa Kohlenbach sich gesagt. Wenige Monate später entschied der Vermieter sich um, Kohlenbach zog ein. Eigenkapital hatte sie nicht. Ein Privatkredit deckte das Nötigste ab, die Einrichtung fand sie auf dem Sperrmüll. Im Sommer 2010 öffnete die nach einem Kräutergarten der Herzogin Anna auf der Festung Kufstein benannte „Annabatterie“.

Ein Jahr später folgte ein weiteres Café nur wenige Häuser weiter. Inhaber Matthias Dölger hatte sein Soziologiestudium für eine Ausbildung zum Buchhändler abgebrochen. Mit einem Kollegen wagte er nach langem „Was wäre, wenn?“ den Schritt in die Selbständigkeit. Ein Gründerzuschuss gab ein wenig finanzielle Sicherheit, aber Dölger wusste, dass er ein gutes Konzept brauchte. So entstand das „Bukafski“, das Caféhaus-Atmosphäre und Buchhandlung vereint.

Ganztagsbewirtung mit Szenecharakter

Die Neubelebung des Gartenfeldplatzes ging und geht weiter: In der vormals biederen Damenboutique ist seit 2012 ein Geschäft für Wolle und Strickzubehör zu Hause, gerade verwandeln zwei Jungunternehmerinnen den ehemaligen Handyladen in eine Eisdiele, es ist die erste außerhalb des Stadtzentrums. „N’Eis“ soll der Laden heißen, das steht für Neustadt-Eis. Die Eule, die das Logo der Diele ziert, haben die ehemaligen Medienmanagement-Studentinnen Julia von Dreusche und Anke Carduck von einem alten Wappen der Neustadt übernommen. „Uns war klar, dass wir nirgendwo anders unser Geschäft aufmachen würden als hier am Gartenfeldplatz“, sagt Carduck, die wie ihre Geschäftspartnerin in der Region aufwuchs. In der Neustadt wohnen sie seit Jahren, wollen in dem Viertel auch bleiben.

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (1)

20.01.2013, 14:30 Uhr

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