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Bürgermeister von Erzhausen Karl lässt es langsam ausklingen

Heute endet nach 18 Jahren die Amtszeit des Erzhäuser Bürgermeisters Dieter Karl. Besonders stolz ist er auf eine Sporthalle.

© Röth, Frank Vergrößern Abschied vom Amt: Dieter Karl tritt in den Ruhestand.

Unüblich, aber erfolgreich: Seit zwölf Jahren hat Erzhausen eine Sporthalle mit ungewöhnlichem Betreibermodell. Die Kommune errichtete und bezahlte sie, doch dann ging der Betrieb auf eine neugegründete Betreibergesellschaft über. Seitdem erzielt die Gesellschaft Gewinne, zahlt Kredite zurück und kann sogar noch Rücklagen bilden. Hans Dieter Karl (SPD), der heute nach 18 Jahren als Bürgermeister der Gemeinde in den Ruhestand wechselt, verweist sofort auf den Hallenbau, wenn er auf seine Amtszeit zurückblickt. Und auf die harten Auseinandersetzungen um den Bau. Die Sporthalle - unten drei Felder für den Schul- und Vereinssport, darüber eine Fitness-Etage und oben drei Tennisplätze - sei immer gut belegt gewesen.

Werner Breunig Folgen:  

Die Auseinandersetzungen um die Sporthalle liegen lange zurück. Meist ging es in Karls Amtszeit um das Alltagsgeschäft in einer Kommune mit gut 7600 Einwohnern, die wenig Spektakuläres zu bieten hat. An der Bahnlinie zwischen Frankfurt und Darmstadt gelegen, orientieren sich die Einwohner zum Einkaufen und Arbeiten in die Städte im Norden und im Süden. Gewerbe findet man wenig in Erzhausen. Und einen eigentlichen Ortsmittelpunkt hat Erzhausen auch nicht zu bieten: Eine Hauptstraße zieht sich hindurch. Die großen Einkaufsgeschäfte liegen an der Peripherie. Die Einnahmen von Erzhausen stammen aus der Einkommensteuer.

Rathaus statt Sparkasse

Wäre er nicht 1994 zum Bürgermeister gewählt worden, fände er sich sicher noch bei irgendeiner Sparkasse, meint Karl, der zum Bankkaufmann ausgebildet war und vor Amtsantritt bei einer Bank gearbeitet hatte. Dennoch mag er sich mit der kaufmännischen Buchführung für Kommunen nicht anfreunden. Sie funktioniere nicht richtig, sagt er, und nennt als Beispiel die 50000 Euro, die Erzhausen jährlich für die Ausstellung von Ausweisen und Pässen drauflege. Für die Pflichtaufgabe der Kommune zahle der Bund zu wenig. Da es Verluste gebe, müsste die Gemeinde aus kaufmännischem Gesichtspunkt das Geschäftsfeld Passwesen eigentlich aufgeben. Gerne aber verweist Karl darauf, dass die Bevölkerungszahl in Erzhausen stärker gewachsen sei als anderswo in der Umgebung. 13,8 Prozent Menschen mehr als zu seinem Dienstantritt lebten in der Kommune, und sie ließen sich auch nicht vom Lärm der Startbahn West und auch nicht von dem nahen Egelsbacher Flugplatz abhalten. Die Grundstücke des letzten Baugebietes seien schließlich alle verkauft.

Wenn Karl jetzt mit 63 Jahren aus dem Amt scheidet, lässt er die politische Tätigkeit nur langsam ausklingen: Er bleibt im Kreistag, im Verwaltungsrat der Sparkasse, im Abfallverband, in der Regionalversammlung. Ruhiger will er alles angehen lassen, und sich endlich um vieles im eigenen Haus kümmern. Die SPD in Erzhausen soll nach seinen Worten nicht denken, dass er jetzt den Vorsitz übernehme. Dort sei eine Verjüngung verlangt. Die Partei muss Antworten darauf finden, dass Karls Nachfolger Rainer Seibold, mit 81,9 Prozent gegen zwei Mitbewerber gewählt, nicht mehr aus der SPD kommt, sondern parteilos ist. Die SPD müsse sehen, wie sie wieder stärker werde. 2006 hatte sie noch zwei Drittel der Wählerstimmen bekommen, zuletzt nur noch 40 Prozent.

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Quelle: F.A.Z.

 
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