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Kommentar : Bürgermeister ohne Parteibuch gewünscht

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Aus dem gebildeten, konservativen Lager: Frank Haus, neuer parteiloser Rathauschef von Dieburg Bild: Cornelia Sick

Im südhessischen Dieburg zieht ein Parteiloser ins Rathaus ein. Offenbar wollen die Dieburger keinen Bürgermeister, der mit einer Partei verbunden ist.

          Der parteilose Kandidat Frank Haus wird neuer
          Bürgermeister in Dieburg. Viel wird sich im Rathaus nicht ändern: Wieder hat die CDU verloren, wieder hat ein Parteiloser gewonnen. Die große Veränderung liegt schon zwölf Jahre zurück, als die Bürger nach drei Amtszeiten genug hatten von einem dominanten konservativ-katholischen Bürgermeister Peter Christ, der mit Macht umzugehen wusste, der mit einsamen Entscheidungen seine Partei, die CDU, vor sich her trieb und der mit robustem Auftreten die Geschicke der Stadt bestimmte.

          Die Bürger wählten an seiner Stelle den parteilosen Leiter einer christlich geprägten Darmstädter Privatschule, der ebenfalls zum konservativen Dieburg passte, aber anders daherkam: umgänglicher, feiner, kulturbegeistert, ökologisch interessiert. Werner Thomas gewann damals mit einem Vorsprung von 34 Stimmen in der Stichwahl. Und bei der Wiederwahl deklassierte er die Mitbewerber von CDU und SPD.

          Aus dem gebildeten, konservativen Lager

          Ein Betriebsunfall, den es schnell auszubügeln galt, war das nicht für die CDU. Sie erneuerte sich zwar, stellte manchen alten Kämpfer ins Abseits, führte neue Methoden ein, schüttete Gräben zu, spülte sich weich. Doch jetzt entschieden sich die Wähler wiederum für ein Original, nicht für die Kopie.

          Frank Haus, gegen vier Mitbewerber neugewählter Dieburger Bürgermeister, kommt auch aus dem gebildeten, konservativen Lager. Als CDU-Mitglied gehörte er von 2006 bis 2009 der Stadtverordnetenversammlung an. Vor der Bürgermeisterwahl verließ er die Partei, um als unabhängiger Kandidat anzutreten. Er spricht von seiner Antenne für soziale Gerechtigkeit und Ökologie.

          Wieder blieb die CDU schwächer, als es ihr Kommunalwahlergebnis versprach. Und dies, obwohl sie mit Renée Exner einen Mann nominierte, der die Fraktion anführte, der stadtbekannt ist, der viel Zeit für sein kommunalpolitisches Engagement aufwendet, der seine Partei moderner machte. Bei der Kommunalwahl vor einem Jahr fühlte sich die Partei noch durch den Gewinn eines Mandates beflügelt. Exner, einziger der fünf Bewerber mit Parteibuch, deutete am Wahlabend enttäuscht an, jetzt alles überdenken zu wollen.

          Auch die CDU wird nachdenken müssen. Offenbar wollen die Dieburger keinen Bürgermeister, der mit einer Partei verbunden ist. Thomas sahen sie nach, dass er vor zwei Jahren in die Dieburger CDU eintrat, dort aber stets fremdelte.

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