Unter dem Begriff „Stand-up-Comedy“ versteht der Engländer eigentlich einen Solovortrag über komische Personen und Alltagssituationen. Doch längst ist das Format der Kleinkunst entwachsen, und auch in Deutschland füllen Komiker regelmäßig Hallen mit mehreren tausend Zuschauern. Das, was Bülent Ceylan am Samstag in Frankfurt vorhat, ist allerdings noch einmal eine andere Dimension: Der Deutsch-Türke steht zwar auch alleine auf der Bühne. Doch diese ist rund 50 Meter breit, 24 Meter hoch und steht in der Arena im Stadtwald. Voraussichtliche Zuschauerzahl: 40.000.
„Wir verbauen für die Bühne mehr Material als letzte Woche die Leute von Bruce Springsteen“, sagt Stefan Schornstein, Geschäftsführer des Tourneeveranstalters S-Promotion. Und der Vergleich mit dem Rockstar ist gar nicht so weit hergeholt. Denn auch Bülent Ceylan tritt wie Springsteen oder Jon Bon Jovi mit langen Haaren und Lederjacke auf. „Ich hatte früher selbst eine Rockband“, erzählt er. Und mit seinem Auftritt beim Heavy-Metal-Festival in Wacken hat er im vergangenen Sommer sogar schon einmal die Atmosphäre einer solchen Großveranstaltung getestet. Nun will er mit seinen Witzen das Frankfurter Stadion in Stimmung bringen. Mit einer Mischung aus, wie er es nennt, „Message und auf die Zwölf“.
Nicht nur auf die bekannten Figuren verlassen
Komiker-Kollege Mario Barth hat es Ceylan vorgemacht. Er füllte im vergangenen Jahr nicht nur das Frankfurter Stadion, sondern auch drei weitere große Arenen, darunter das Berliner Olympiastadion. Beide Komiker hätten die richtige Energie auf der Bühne, glaubt Stefan Schornstein. „Im Moment schaffen das nur Bülent und Mario.“ Ein weiterer massenkompatibler Spaßmacher, der Bayer Michael Mittermeier, lehne Auftritte dieser Art ab.
Nur auf seine Witze und Figuren wie den Mannheimer Hausmeister Mompfred oder den türkischen Macho Hasan verlässt sich Ceylan am Samstag dann aber doch nicht. Für das Vorprogramm hat er mehrere Rockbands engagiert, die Metal-Band „Edguy“ aus Fulda und die Schweizer Hard-Rocker „Gotthard“. Zudem will er den Zuschauern im Stadion und den späteren DVD-Käufern, für die der Auftritt natürlich aufgezeichnet wird, etwas Besonderes bieten. Zum Beispiel eine Fahrt mit dem Schlauchboot auf den Händen der Fans, das hat er im vergangenen Jahr schon in Wacken so gemacht. „Man muss schon mehr Gas geben, man will ja auch die Leute ganz oben erreichen“, sagt er. Pyrotechnik und eine komplexe Lichtanlage sollen ein Übriges tun.
Trend zu kleineren Formaten?
Wer allerdings denkt, mit dem Sprung von 4000 auf 40.000 Zuschauer verzehnfachten sich auch die Einnahmen des Künstlers, dem entgegnet Ceylan: „Das sind alles Gerüchte. Die Kosten für so ein Konzert sind enorm.“ Eine siebenstellige Summe koste der Auftritt in der Arena, bestätigt Stefan Schornstein. Schließlich kämen auch Fans, die zuvor Springsteen gesehen hätten. „Da muss die Bühne einem Vergleich standhalten.“
Comedy-Geburtshelfer Thomas Hermanns glaubt im Übrigen, das Shows vor Massenpublikum bald nicht mehr funktionieren werden. „Es gibt bereits Trends zu kleineren Formaten, die eher wieder in einem Jazzclub oder in ein Loft passen“, meint er. Veranstalter Schornstein sieht das naturgemäß anders. Die Comedy-Szene verkaufe jedes Jahr mehr als eine Million Tickets, das seien andere Größenordnungen als zum Beispiel die drei Springsteen-Auftritte in Deutschland. Trotzdem will Bülent Ceylan den Ausflug in die Arena nicht zum Normalfall werden lassen. „Ich will das einmal erleben, jetzt ist die richtige Zeit. Wer weiß, ob ich in fünf bis zehn Jahren noch so viele Fans zusammenbringe.“