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Nachfrage bei Innenminister : Tortenschlacht um die AfD

  • -Aktualisiert am

Protest gegen rechts: Bürger demonstrieren im Juni gegen ein Treffen der AfD in Büdingen. Die Stadt ist inzwischen als „rechte Hochburg“ verschrieen. Bild: dpa

Die Polizei beschlagnahmt in Büdingen bei einer Demonstration gegen die AfD zwei Torten. Das wird zum Politikum. Soweit, dass sich Hessens Innenminister rechtfertigen muss.

          Historische Altstadt mit schmucken Fachwerkhäusern, saubere Straßen, nettes Kulturangebot: Büdingen im Osten der Wetterau ist eine der Ortschaften, die den Eindruck vermitteln, dort sei die Welt noch in Ordnung. „Wir sind die Familienstadt“ lautet die Eigenwerbung. Im Juni zählte die Kommune offiziell 22.605 Einwohner. Ein Jahr zuvor waren es nur gut 21.000 gewesen. Aber damals gab es auch noch nicht das Erstaufnahmelager für Flüchtlinge.

          Der Streit über die Unterkunft entzweite den Ort. Die einen begrüßten die Eröffnung im Dezember 2015, die anderen lehnten das Heim ab. Bei der Kommunalwahl am 6. März holte die NPD mit 10,2 Prozent vier Sitze in der Stadtverordnetenversammlung. Seither ist die Stadt als „rechte Hochburg“ gebrandmarkt. Die NPD will diesen Eindruck befeuern und im Oktober dort ihren Bundesparteitag abhalten.

          NPD als Sammelbecken für Unzufriedene

          Die Organisatoren eines Spenden-Triathlons bekamen das vergiftete Klima zu spüren. Sie bekamen Drohbriefe, weil Flüchtlinge umsonst starten durften. „WIR wollen kein Asylbetrüger-Triatlon“, hieß es in fehlerhaftem Deutsch. Obwohl Büdingen Jahr für Jahr Zehntausende Touristen besuchen, forderten die anonymen Verfasser „Altstadt den Anwohnern“ und drohten: „Müssen wir es erst knallen lassen, bevor ihr das kapiert?“ Es kam zu keinem Knall. Allerdings nahm auch kein einziger Flüchtling am Triathlon teil.

          Das Ergebnis der NPD dürfte vor allem dadurch zustande gekommen sein, dass die AfD nicht für das Stadtparlament kandidierte, sondern allein für den Kreistag. Die NPD dürfte somit zum Sammelbecken für Unzufriedene geworden sein. Das heißt jedoch nicht, dass die AfD der NPD das Terrain überlässt. Am 4. Juni - am Vorabend des Triathlons - lud die AfD ins Hotel „Haus Sonnenberg“ zur Veranstaltung „Heimat, Kultur und Tradition“. Als Referent war David Bendels vorgesehen, damals noch Sprecher der CSU-Gruppe „Konservativer Aufbruch“, die für einen Rechtsruck der Partei wirbt. Die CSU verbot Bendels den Auftritt, weshalb er seinen Parteiaustritt erklärte. Als Redner sprangen Frauke Petry, ihr Lebensgefährte Marcus Pretzell und der Vorsitzende der AfD-Nachwuchsorganisation „Junge Alternative“, Markus Frohnmaier, ein.

          „Eine olympische Bestleistung nötig, um zu treffen“

          In der Nähe des Hotels, in dem Petry Deutschland „großen Mangel an Authentizität hinsichtlich der eigenen Kultur“ bescheinigte, protestierte das Bündnis „Büdingen weltoffen“ unter dem Motto „Torte & Argumente gegen Parolen der AfD“. Etwa 50 Menschen beteiligten sich an der Mahnwache. Junge Leute brachten zwei Schwarzwälder Torten mit. Mitorganisator Udo Stern möchte weder Losung noch Backwerk als Drohung verstanden wissen. Er spricht von einer Persiflage: „Wir wollten mit dem Kaffeeklatsch die AfD und ihre Deutschtümelei aufs Korn nehmen.“

          Die Demonstranten standen einen Steinwurf vom Hotel entfernt. Aber auch einen Tortenwurf? Die Polizei sah es so und stellte die Kalorienbomben zwecks Gefahrenabwehr sicher. Sterns Angaben zufolge befand sich die Mahnwache „60 bis 70 Meter“ vom Veranstaltungsort entfernt. „Man hätte schon eine olympische Bestleistung schaffen müssen, um eine Torte dorthin zu werfen“, sagt der AfD-Gegner. Er kenne die Polizei als deeskalierend und fair. „Ich war überrascht, welche Gefahr sie in uns und den Torten sah.“

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