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Brustkrebs bei Männern : Diagnose per Zufall

Durchleuchtung: Auch die männliche Brust kann mammographisch untersucht werden. Das ist aber schwieriger und schmerzhafter als bei Frauen. Bild: Prisma Bildagentur

Hubert Schmidt und Robert Wolf hätten nie gedacht, dass sie Brustkrebs haben könnten. Denn in Deutschland erkranken daran jedes Jahr nur 600 Männer. Behandelt werden sie wie ihre Leidensgenossinnen - in einem Brustzentrum.

          Am Anfang glaubte Hubert Schmidt an eine Sportverletzung. Im Fitnessstudio war der damals 62 Jahre alte Mann ein paar Mal mit den Gewichten gegen seinen Brustkorb gekommen. In der Umkleide bemerkte er, dass seine Brustwarze blutete. Als sich die Verletzung nicht besserte, zeigte er sie seinem Hausarzt. Der Arzt tastete einen Knoten und überwies Schmidt an einen Chirurgen. Schon zwei Wochen später musste er zur Biopsie. Die Gewebeprobe bestätigte den Verdacht: Brustkrebs.

          Ingrid Karb

          Blattmacherin in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Die haben sich bestimmt vertan“, dachte Schmidt zunächst. In seiner Familie gab es zuvor keinen Fall dieser Krebsart, und von Brustkrebs bei Männern hatte er sowieso noch nie gehört. Auch spürte er keine Schmerzen und hatte keine Veränderung bemerkt. Dennoch: „Das Untersuchungsergebnis glich einem Horrorbericht“, erinnert sich Schmidt. Angesichts des Befunds geriet selbst der nach Worten seiner Frau eigentlich immer lebensfrohe und positiv eingestellte Mann ins Grübeln.

          Wartende komisch geguckt

          Brustkrebs kann bei Männern ebenso auftreten wie bei Frauen, ist aber viel seltener. Nicht einmal ein Prozent aller Brustkrebserkrankungen beträfen Männer, sagt Christine Solbach. Als Senologin ist die Professorin in der Frauenklinik der Universitätsklinik Frankfurt auf die Behandlung der Brust spezialisiert. Jedes Jahr erkrankten in Deutschland etwa 600 Männer neu an Brustkrebs - und 65 500 Frauen.

          Für die Behandlung sollten Männer sich an ein zertifiziertes Brustzentrum wenden, rät Solbach. Die meist älteren Männer - der Krebs trete im Schnitt mit 63 Jahren auf - koste es allerdings Überwindung, in eine Frauenklinik zu gehen. Doch dort habe man viel Erfahrung mit der Erkrankung. In der Gynäkologie der Uniklinik würden bis zu drei Männer im Jahr behandelt.

          Dazu gehörte vor acht Jahren auch Hubert Schmidt, der seinen echten Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, weil er in seiner südhessischen Heimatgemeinde im Vereinsleben aktiv ist. Eine Bekannte, die an der Frankfurter Uniklinik arbeitet, vereinbarte für ihn einen Termin im Brustzentrum. Wenn er als Mann aufgerufen worden sei, hätten andere Wartende manchmal komisch geguckt, erinnert sich Schmidt.

          Regelmäßig zur Kontrolle

          Wenige Wochen später wurde er in Frankfurt operiert. Die Ärzte entfernten 125 Gramm Gewebe, die Brustwarze und zwei Lymphknoten. Gestreut hatte der Krebs noch nicht. In der Frauenklinik hatte er natürlich ein Einzelzimmer. Dennoch kam er sich dort etwas komisch vor, wie Schmidt sagt.

          Die Behandlung von Männern mit dieser Krebsart unterscheidet sich nicht von der von Frauen. Nur der Brusterhalt spielt bei ihnen keine Rolle. „Bei Männern wird meist das gesamte Brustgewebe inklusive Brustwarze entfernt“, erklärt Solbach. Die weitere Behandlung hängt, wie bei Frauen, von den Eigenschaften des Tumors ab.

          Schmidt musste fünf Jahre lang jeden Tag eine Tablette nehmen, um das Nachwachsen von Krebszellen zu verhindern. Außerdem geht er nach wie vor regelmäßig zur Kontrolle. Zunächst musste er alle drei Monate zur Nachsorgeuntersuchung inklusive Abtasten der Brustwand und der Lymphabflusswege. Alle sechs Monate wurde er per Ultraschall untersucht. Nach drei Jahren verlängerten sich die Nachsorge-Intervalle auf sechs Monate.

          Erkrankung meist spät entdeckt

          Eine Mammographie wird bei Männern in der Nachsorge allerdings nicht regelmäßig gemacht. Denn dabei wird das Brustgewebe zwischen zwei Platten eingeklemmt, was bei Männern wesentlich schwieriger und schmerzhafter ist als bei Frauen. Schmidt sagt: „Ohne blaue Flecken geht da nichts.“ Außerdem tastet der Rentner alle 14 Tage die Brust ab. Das wäre ihm zuvor nie in den Sinn gekommen.

          „Die männliche Brust wird in der Regel nicht abgetastet“, sagt Ärztin Solbach. Das gelte auch für Vorsorgeuntersuchungen. Deshalb werde Brustkrebs bei Männern meist spät entdeckt. Bemerkt werde die Erkrankung erst, wenn sich die Brustwarze verändere, sich zum Beispiel einziehe, entzünde, blute, schuppe oder wenn es offene Stellen gebe.

          Risiko bei familiärer Häufung von Brustkrebs

          Auch Robert Wolf hat seinen Tumor nur durch Zufall entdeckt. Im Alter von 43 Jahren hatte er 2010 im Urlaub beim Eincremen mit Sonnenmilch so etwas wie einen Pflaumenkern unter der Haut an der Brust gespürt. „Vermutlich eine entzündete Talgdrüse“, dachte er und war nicht weiter beunruhigt. Deshalb ging er auch nicht sofort nach der Rückkehr zum Arzt, sondern zeigte die Erhebung erst später dem Hausarzt. Der ging zunächst von einer Zyste aus.

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