Die Radeberger-Gruppe hält nach wie vor Ausschau nach Kaufgelegenheiten. „Wir sind immer interessiert, wenn sich etwas tut“, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Albert Christmann, in einem Interview der Rhein-Main-Zeitung der F.A.Z. Nach einer Welle von Brauereiverkäufen im vergangenen Jahrzehnt sei der Markt derzeit ruhig, obwohl die Kosten stiegen. „Falls der Markt weiter schrumpft, wird der Druck aber sicherlich größer, und dann müssen wir sehen, was passiert“, sagte Christmann. Der deutsche Biermarkt bleibe für alle Marktteilnehmer anspruchsvoll.
Die Radeberger-Gruppe KG, die zur Bielefelder Oetker-Gruppe gehört, hat sich zuletzt auf dem Biermarkt gut behauptet. Im vergangenen Jahr stieg sowohl der Getränkeabsatz als auch der Umsatz. Mit seinen Bieren und alkoholfreien Getränken wie Selters Original und Bionade erlöste das Unternehmen 1,8 Milliarden Euro, 200 Millionen Euro mehr als im Vorjahr, und zahlte etwa 95 Millionen Euro an Biersteuer. Zur Ertragslage äußert sich die größte deutsche Brauereigruppe, die ihren Sitz in Frankfurt hat, nicht.
Sehnsucht nach dem Vertrauten
Radeberger muss wie Konkurrenten mit dem Umstand zurechtkommen, dass wachsende Bevölkerungsgruppen wie Muslime und Zuwanderer aus Osteuropa entweder gar kein Bier trinken oder weniger als traditionelle Bierkonsumenten. Die Oetker-Tochtergesellschaft setzt laut Christmann vor diesem Hintergrund auf die Pflege der nationalen Marken wie Radeberger, Schöfferhofer Weizen und Jever sowie der regionalen Biere, darunter Berliner Pilsner, Binding, DAB und Stuttgarter Hofbräu.
Zudem dürfte Bier von einem gesellschaftlichen Trend profitieren, meint er. Junge Menschen trügen wieder Dirndl und Trachtenhose und knüpften an Tradition an. Es gebe eine große Sehnsucht nach dem Vertrauten und dem Guten vergangener Tage - und damit auch nach Produkten wie Bier.