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Mainz : Pfandbecher für Wegwerfgesellschaft

Milchkaffeebraun: der Mehrwegbecher von Dan Brandes Bild: Michael Kretzer

Ein Mainzer Jungunternehmer will mit seinem Mehrwegsystem die Rhein-Main-Region erobern. Das Prinzip: frisch gespült und neu befüllt. Doch die Geschäftsidee hat er nicht exklusiv.

          Die Idee ist nicht einzigartig, passt allerdings gut in die Zeit. Und weil der Mainzer Jungunternehmer Dan Brandes es geschafft hat, seinen „Con-Cup“ genannten milchkaffeebraunen Mehrwegbecher zügig auf den Markt zu bringen, hat er ein wenig Vorsprung vor Mitbewerbern, die gleichfalls daran arbeiten, möglichst oft wiederzuverwendende Transportlösungen für die „Coffee to go“-Kundschaft zu entwickeln.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz.

          Die Mainzer CDU etwa warb schon im März mit Partnern aus dem Bäckerhandwerk für einen speziellen „Meenzer Kaffeebecher“, der die mobile Wegwerfgesellschaft im Idealfall zum Umdenken bewegen könne. Solch ein Modell kam für den 38 Jahre alten Brandes aber von vornherein nicht in Frage. Schließlich will er sein am Dienstag in einer Innenstadt-Bäckerei vorgestelltes Mehrwegsystem möglichst auch in Rheinhessen, Wiesbaden sowie im Idealfall in Frankfurt etablieren. Und wer, bitte schön, möchte im Gallusviertel einen ausgespülten Kaffeebecher in Händen halten, den ein Mainzer Motiv ziert?

          Deckel aus Wegwerfplastik

          Weshalb sich Brandes für einen neutralen und werbefreien Becher in zwei Größen entschieden hat, den ein Kunde gegen einen Euro Pfand zum Beispiel am Mainzer Hauptbahnhof erwerben und irgendwann nach Gebrauch bei einem Frankfurter Partnerbetrieb zurückgeben könnte. Das allerdings ist Zukunftsmusik. Weil von den bis dato auf den „Con-Cup“-Zug aufgesprungenen 19 Partnern, die, statt selbst Pappbecher zu kaufen, fortan eine Systemgebühr an Brandes entrichten, nur einer außerhalb der Mainzer Stadtgrenze seinen Geschäften nachgeht – im rheinhessischen Lörzweiler.

          So ist das Einsatzgebiet für die Becher, die nach der Rückgabe frisch gespült jeweils gut und gerne 250 Umläufe verkraften dürften, noch ausbaufähig, wie der Erfinder sagt, der nach einem Studium der Betriebswirtschaftslehre zunächst einige Jahre als Angestellter in der Becherbranche tätig war.

          Mainzer Jungunternehmer: Dan Brandes

          Nicht überzeugend ist die Deckellösung. Weil der spülmaschinentaugliche Kunststoffbehälter aus hygienischen Gründen ebenso wie das kritisierte Einwegmodell mit einer Wegwerfplastik-Haube verschlossen wird. Was die Werte für Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit doch merklich sinken lässt. Gleichwohl gehe es darum, eine Antwort auf die deutschlandweit jährlich rund drei Milliarden Einwegkaffeebecher zu finden, sagte Brandes bei der Vorstellung seines Pfandsystems. Wobei die Verhandlungen etwa mit Fastfood-Ketten, Tankstellen und Bäckerei-Imperien noch ausstehen.

          Zahlreiche Thermovarianten

          Schließlich dürften Schätzungen zufolge allein in Mainz täglich 30 000 „To go“-Becher in Mülleimern landen. Wenn es gut läuft, sagte Wirtschaftsdezernent Christopher Sitte (FDP), denn oft genug seien die Pappbecher als Stadtbild-Verschandeler auch auf Straßen, Plätzen und in Grünanlagen zu finden. Weshalb es sich bei dem „Con-Cup“ – wobei das „Con“ für Convenience, also für Ware des täglichen Bedarfs steht – um ein „tolles und geniales Produkt“ handele, so der Dezernent.

          Eines, das allerdings nicht für sich allein steht. Schließlich werden dem mobilen Kaffeetrinker noch dazu zahlreiche Thermovarianten für den Selbstausspüler angeboten; ob aus Edelstahl respektive Keramik oder in Form des als Werbemittel gerade schwer angesagten, weil leicht zu bedruckenden Bambusbechers mit dazu passendem Silikondeckel.

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