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Branche wächst : Betreiber von Rechenzentren schaffen weiter Flächen

Krisenfest: Der von Peter Knapp geführte Rechenzentrumsbetreiber Interxion stockt weiter auf – wie Konkurrenten auch. Bild: BERND KAMMERER

Von der Öffentlichkeit weitgehend unbeobachtet, wächst die Rechenzentrumsbranche in Frankfurt ohne Atempause. Betreiber stocken ihr Flächenangebot aufgrund der Nachfrage weiter auf.

          Sie sitzen in nüchtern wirkenden Gebäuden und wickeln ihr Geschäft weitgehend unauffällig ab. Rechenzentrumsbetreiber machen wenig Aufhebens. Auch weil die Kunden keinen Wert auf Öffentlichkeit legen: Wo ihre Hochleistungsrechner in Frankfurt stehen, behalten Internethändler und Betreiber von Auktionsplattformen ebenso gerne für sich wie Onlinespieleanbieter, Finanzdienstleister oder Computerkonzerne. Dabei handelt es sich beim Betreiben von Rechenzentren schon seit Jahren um einen der wachstumsstärksten Wirtschaftszweige.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Frankfurt bildet ein Zentrum dieser Branche. 30 Anbieter unterhalten an 50 Standorten Rechenzentren von zusammen 400.000 Quadratmetern Fläche, wie es beim Verein Digital Hub heißt, der die Interessen der digitalen Wirtschaft vertritt. In der Stadt und angrenzenden Kommunen gibt es demnach mehr Quadratmeter für Hochleistungsrechner als etwa in London. Und während das IT-Gebäude der Stadt Frankfurt am Westhafen nur zu 15 Prozent gefüllt ist, erweitern spezialisierte Betreiber abermals ihre Flächen. So stockt zum Beispiel die Interxion Deutschland GmbH ihr Angebot fast im Jahrestakt auf. Nachdem die Tochterfirma eines börsennotierten Konzerns im vergangenen Frühjahr ihr siebtes Rechenzentrum „Fra7“ eröffnet hatte, geht es schon weiter: Das 2010 fertiggestellte, 1600 Quadratmeter große Zentrum „Fra6“ an der Hanauer Landstraße wird um 600 Quadratmeter erweitert, wie Interxion meldet. Der Konzern lässt sich dieses Vorhaben fünf Millionen Euro kosten. „Die Nachfrage am Frankfurter Campus von Interxion bleibt stark“, führt Konzernchef David Ruberg zur Begründung an. Die zusätzlichen Flächen werden geschaffen, weil die Nachfrage nach Stellplätzen in „Fra7“ offenkundig groß ist. Der siebte Abschnitt fülle sich erwartungsgemäß, lässt Ruberg wissen, ohne Einzelheiten zu nennen. Bei der Erweiterung von „Fra6“ dürfte es aber nicht bleiben. Auf einer von Interxion erworbene Fläche am Oberhafen in Nachbarschaft zum vorhandenen Rechenzentrumscampus werden gerade alte Gebäude abgerissen. Mithin kündigt sich schon „Fra8“ an.

          Strom, Kühlung und Lüftung kosten Geld

          Aber nicht nur Interxion freut sich über eine anhaltend starke Nachfrage. Der ebenfalls börsennotierte Konkurrent Equinix kann auch nicht klagen, wie Geschäftsführer Jörg Rosengart sagt. „Die Nachfrage ist genauso groß wie vor einem Jahr - da hat sich nichts geändert.“ Derzeit füllen Kunden den im vergangenen Sommer fertiggestellten Equinix-Neubau im Frankfurter Stadtteil Bergen-Enkheim. Dort sind 4500 Quadratmeter für Hochleistungsrechner bezugsfertig und schon teilweise belegt, wie Rosengart sagt. Den zweiten, 5500 Quadratmeter umfassenden Abschnitt des Neubaus werde das Unternehmen dann für Mieter ausbauen, wenn die 4500 Quadratmeter zu drei Vierteln gefüllt seien. Wann dies der Fall sein könnte, darüber mochte Rosengart nicht spekulieren.

          Aus den Wachstumstreibern macht er aber kein Hehl. Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Schwäche oder Unsicherheit verlegten sich Unternehmen vermehrt auf ihr Kerngeschäft. Der Betrieb eines Rechenzentrums gehöre vielfach nicht dazu - davon profitierten die Betreiber von Rechenzentren. „Wir sorgen für Strom, Kühlung, Lüftung oder auch Sicherheit und gewährleisten jeweils eine hohe Verfügbarkeit“, erläutert der Geschäftsführer das Angebot. Dies sei für die Kunden günstiger, als Rechenzentren selbst zu betreiben. Und dies spreche sich auch vermehrt herum. Um die Informationstechnologie kümmerten die Kunden sich dagegen selbst. Der nach wie vor enorm wachsende Datenverkehr im Internet kommt hinzu.

          Nirgends so groß wie in Rödelheim

          Zusätzliche Flächen will Equinix auch am Standort des im vergangenen Jahr übernommenen Mitbewerbers Ancotel an der Kleyerstraße im Gallus schaffen. Zu den knapp 3000 Quadratmetern, die bisher an Europas größtem Knoten für Telefonienetze zur Verfügung stehen, sollen 1300 hinzukommen, wie Rosengart erläutert. Equinix selbst hält an seinen vier Standorten in Bergen-Enkheim, Griesheim, der Frankfurter Innenstadt und Mörfelden-Waldorf 35000 Quadratmeter vor. Das Unternehmen gehört damit wie Interxion zu den sechs großen Branchenvertretern, zu denen sich auch Telecity mit 11300 Quadratmetern zählt. Telehouse mit 15.000 Quadratmetern im Gallus, von denen nur noch 1000 Quadratmeter laut Geschäftsführung unbelegt sind, und E-Shelter nicht zu vergessen.

          E-Shelter sitzt in Frankfurt-Rödelheim und unterhält am Stammsitz einen Campus mit 60.000 Quadratmetern - das ist „Europas größter einzelner Rechenzentrumsstandort“, wie E-Shelter hervorhebt. Vor einem Vierteljahr hat das Unternehmen zudem eine Filiale in Rüsselsheim in Betrieb genommen. 4500 Quadratmeter stehen dort zur Verfügung. Beide Standorte seien mit eigenen Glasfaserkabeln miteinander verbunden. 1000 Quadratmeter seien schon vermietet, sagt eine Sprecherin.

          Quelle: F.A.Z.

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