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Veröffentlicht: 01.01.2012, 19:08 Uhr

Botanischer Garten Kleinod inmitten der Stadt

Nach langem Ringen ist der Botanische Garten in städtischen Besitz übergegangen und nun Teil des Palmengartens. Ein besonderer Ort jenseits des Trubels soll er bleiben.

© Irl, Maria ]Umrahmt von Grüneburgpark und Palmengarten: Ein Park aber ist der Botanische Garten nicht – auch wenn der Blick über den Weiher es nahelegt.

Wenn Manfred Wessel am 22. Januar zur ersten, noch winterlichen Führung des Jahres lädt, wird der Botanische Garten genauso aussehen wie zuvor - und doch ist alles anders. Mit dem Glockenschlag zwölf, wie es bei Goethe heißt, der den Stifter des ersten Frankfurter Botanischen Gartens, Johann Christian Senckenberg, noch persönlich gekannt hat, ist in der Nacht zum 1. Januar der Garten an der Siesmayerstraße zum städtischen Eigentum geworden. Die 22Gärtner, die bisher in Diensten der Universität über Pflanzensammlungen und Gewächshäuser, Wege, Stege und Gewässer wachten, sind nun städtische Angestellte.

Eva-Maria Magel Folgen:

Sonst bleibt vieles, wie es war. Drei Lehrlinge werden weiterhin in der überaus komplizierten Kunst unterwiesen, Sanddünen und alpine Sträucher sowie den Waldgersten-Buchenwald so zu pflegen, dass die einzelnen Areale in ihrer typischen Beschaffenheit sich ungestört entfalten können. Es ist eine Sisyphosarbeit, die jahrelange Erfahrung erfordert. „Die Qualität steht und fällt mit dem gärtnerischen Personal“, sagt denn auch Manfred Wessel, der seit 1993 technischer Leiter des Gartens ist und es auch bleibt.

Vermutlich wieder von März bis November geöffnet

Jetzt ist er „erst einmal froh und dankbar“ über den guten Ausgang der Geschichte. Seit 2001 war bekannt, dass die Goethe-Universität, seit 1914 Besitzerin des Gartens, einen Umzug der Biologie auf den Campus Riedberg plante. Und zunächst sah es so aus, als wolle sich niemand mit der im doppelten Sinne teuren Bürde belasten, die sich in Form des Botanischen Gartens über mehr als sechs Hektar zwischen Palmengarten und Grüneburgpark erstreckt. Ein Frankfurter „Gartenreich“ ohne Zäune, eine Brücke zum Palmengarten, ein neuer See am oberen Ende der Siesmayerstraße gar, Hotels und eine verlängerte Bimmelbahn quer durch den von 1936 an errichteten Garten waren in der Diskussion.

Nun bleibt der Zaun, der Garten wird wohl weiterhin im Winter ruhen und von März bis November geöffnet sein - nur die täglichen Besuchszeiten sollen, so hofft Wessel, ebenso ausgedehnt werden wie das Bildungsprogramm des Gartens. Seit Stadt und Land im September 2010 einen Übergabevertrag unterzeichnet haben, hat der Garten auch offiziell die Aufgabe, „naturwissenschaftliche Inhalte an alle Bevölkerungsschichten“ zu vermitteln. Das hat bisher vor allem der Freundeskreis des Botanischen Gartens getan, der auch 2012 ein umfangreiches Programm organisiert. 2001 gegründet, weil sich Gartenfreunde, Biologieprofessoren, Anlieger und Mitarbeiter um die Zukunft des Gartens sorgten, hat der Freundeskreis nicht laut, aber beharrlich viel Freizeit und Geld in das Kleinod investiert.

Wie kompliziert alles hinter den Kulissen ist, werden die Besucher nicht sehen

Von nun an steckt der Botanische Garten unter einer Decke mit dem Palmengarten: Herr über das neue Konstrukt sind das Umweltamt der Stadt und Matthias Jenny, der Direktor des Palmengartens. Allzu herrschaftlich ist die Planung in vielen Sitzungen aber offenbar nicht vonstatten gegangen, so kompliziert das Konstrukt nun auch ist. Wessel und Jenny sind im November gemeinsam mit der Zander-Medaille des Verbands Botanischer Gärten ausgezeichnet worden, weil ihre „beharrliche Zusammenarbeit“ den Botanischen Garten erhalten habe.

Wie kompliziert alles hinter den Kulissen ist, werden die Besucher nicht sehen - nur der Schriftzug „Botanischer Garten der Goethe-Universität“ wird verschwinden. Mit einem Zuschuss des Landes von 600.000 Euro im Jahr wird weiterhin Hand in Hand mit der universitären Forschung und Lehre gearbeitet: Andreas König, der stellvertretende Leiter, kümmert sich zum Beispiel um Anfragen von Forschern aus aller Welt, die auf die Sammlung des Gartens - etwa 5000 Arten - zurückgreifen wollen. Einige Universitäts-Gärtner werden im noch zu errichtenden Botanischen Garten des Campus Riedberg Dienst tun, unterstützt von städtischen Kollegen von der Siesmayerstraße und jeweils unter der Leitung von Wessel, wiewohl der seit gestern ebenfalls städtischer Angestellter ist.

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