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Lokale Musikszene : Drei Jahrzehnte Boppin’ B

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Hartnäckig und selbstironisch: Die Jubilare von Boppin’ B Bild: Björn Friedrich

Die Rockabilly-Band Boppin’ B aus Aschaffenburg kann auf 30 Jahre Röhrenjeans und und Fetttollen zurückblicken. Mit jeder Menge Gäste im Schlepptau feiern sie am Samstag in Hanau ihr Jubiläum. Auch ein unfeines Wörtchen wird wohl auf der Bühne zu hören sein.

          Wer ohne Vorkenntnisse in ein Konzert der Rockabilly-Combo Boppin’ B gerät, steht zumindest für einige Momente fasungslos inmitten dieses Strudels aus unmittelbarem Erlebnis, fast schon greifbarer Energie und mitunter auch schon mal komplett außer Rand und Band geratenem Enthusiasmus. Ruft doch das Stammpublikum dieser ganz auf Authentizität ausgerichteten Aschaffenburger Retro-Rocker auf die Frage der Band „Do you feel alright?“ immer ein unfeines Wörtchen zur Bühne zurück: „Scheißkapelle“.

          Wer da den Verdacht hat, es könnte sich um gezielte Beschimpfungen von Entrüsteten handeln, entfacht durch Agents Provocateurs in den vorderen Reihen, lernt rasch, dass es sich um einen - recht derben - Brauch handelt, der zu dem selbstironischen Unterton zwischen den fünf Musikern und ihrer treu eingeschworenen Anhängerschaft passt. Immerhin spiegelt sich darin auch ein Stück jenes durch subkulturelle Pop-Entwicklungen in den Vereinigten Staaten ausgelösten Lebensgefühls einer forschen Jugendbewegung der fünfziger Jahre wider, die unter dem Begriff „Halbstarke“ hierzulande Einzug in die Alltagssprache hielt.

          Faszination für pubertierende Gymnasiasten

          Ausgelöst wurde das Rowdytum mit Hang zu Krawallen, Tanzaktivitäten, Röhrenjeans, Lederjacken, Fetttollen, Petticoats und Beehives durch Rock ’n’ Roll-Ikonen wie Elvis Presley, Bill Haley, Little Richard, Jerry Lee Lewis, Gene Vincent, Bo Diddley und Chuck Berry. Als Inspiration erwiesen sich auch die in ihrer expliziten Gewaltdarstellung bei der aufbegehrenden Nachkriegsjugend rasch populären gesellschaftskritischen Kinofilme „Der Wilde“ (1953), „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ (1955) und „Die Saat der Gewalt“ (1955).

          Eine Ära, in der sogar die beiden dienstältesten Mitglieder von Boppin’ B noch gar nicht geboren waren, wie Gitarrist Golo Sturm und Schlagzeuger Thomas Weiser schmunzelnd zugeben müssen. Doch Nostalgiebewusstsein und Neigung, die „Good Ol’ Times“ zu verklären, zeigte die Menschheit ja zu allen Zeiten. Und so kam es, dass Rockabilly, jene wohl 1953 vom US-Musiker Bill Flagg geprägte Genre-Bezeichnung für die Vorstufe des Rock ’n’ Roll, die jedoch erst zum Revival in den achtziger Jahren offiziell genutzt wurde, damals gleich mehrere pubertierende Aschaffenburger Gymnasiasten faszinierte.

          Seit zwei Jahren in aktueller Besetzung

          „Ein einmaliges Konzert für ein Schulfest stand damals im Raum“, erinnert sich Sechssaitenmagier Sturm, dessen Name nicht besser für einen angriffslustigen Frontmann mit stilechter Gretsch-Gitarre passen könnte. Als Überraschungserfolg erwies sich der Auftritt für Boppin’ Bunny And The Be Bop Boys, wie sie sich nannten. Spontan beschlossen Sturm und Weiser im Gespann mit Vokalist Dirk Hartmann und Kontrabassist Uli Monjau, ihre Bühnentriumphe fortzusetzen. Binnen weniger Monate folgte im lokalen Irish Pub das offizielle Auftrittsdebüt der in Boppin’ B umbenannten Formation. Dass sich daraus ein einträglicher Broterwerb mit alljährlich bis zu 170 Konzerten im In- und Ausland sowie exakt einem Dutzend bis heute erschienener Alben - darunter auch eines mit dem Titel „Scheißkapelle“ - ergeben würde, sei zu jenem Zeitpunkt nicht abzusehen gewesen, beteuert Weiser mit herzigem Augenaufschlag.

          In leicht veränderter Besetzung, mit Kontrabassist Didi Beck und Saxophonist Frank Seefeldt, folgte vier Jahre später das CD-Debüt „Bee Bop“. Konstant blieb seither das Kernquartett, nur die Vokalisten wechselten: Dirk Hartmann folgte Harald Hertel, Markus Gleim und Michael Treska. Seit 2013 steht der vielseitige Sebastian Bogensperger am Mikrofon, steuert aber auch Rhythmusgitarre bei und bläst eine zünftige Mundharmonika und in die Posaune. Als Boppin’ B gegründet wurde, war er gerade mal zwei Jahre alt.

          Jubiläum in luftiger Atmosphäre

          Den Durchbruch auf nationaler Ebene erreichte die Band 2004, als Boppin’ B auf „Bop Around The Pop“ ein ganzes Album lang Schmusesongs von Popsänger Sasha im Rockabilly-Idiom interpretierten. Just zu jenem Zeitpunkt pausierte Sasha als Mädchenschwarm, um unter dem Pseudonym Dick Brave sein bis dato einziges Nummer-eins-Album an den Start zu bringen. Bei Boppin’ B hinterließ der Ausflug in obere Regionen der Media Control Charts einen eher zwiespältigen Eindruck. „Plattenfirma, Veranstalter, Manager und Speichellecker quasseln auf dich ein, welchen Karriereschritt du als nächsten tätigen sollst, nur um an dir zu partizipieren“, sagt Weiser über seine Erfahrung mit „Too Much Monkey Business“.

          Zumal auch noch das Dilemma hinzukam, dass nicht wenige glaubten, die wüsten Franken seien nichts weiter als eine Parodie auf Dick Brave & The Backbeats. Keiner wusste, dass sich Sasha und Backbeats-Gitarrist Adriano Batolba nach einem turbulenten Auftritt von Boppin’ B überhaupt zu ihrem Projekt hatten inspirieren lassen. Dass die Truppe die runde 30 meistern würden, darauf hätten weder Sturm noch Weiser in den Anfangstagen gewettet: „Selbst die stilprägenden Beatles hatten ja gerade mal ein Jahrzehnt Bestand“, so Weiser versonnen und fügt grinsend hinzu: „Wir sind halt berüchtigt für unsere Penetranz der Ausdauer.“

          Für das offizielle Jubiläum wählten Boppin’ B das luftige, aber doch überdachte Ambiente des Hanauer Amphitheaters. Open Air, mit jeder Menge Gäste im Schlepptau, darunter auch Adriano Batolba (Peter Kraus, Adriano Batolba Orchestra), Peter Osterwold (Rodgau Monotones), Lothar Pohl (Die Crackers), Tosho Todorovic, Mike Titré (The Blues Company), blickt das Quintett zurück und hat sich einiges vorgenommen: Am Samstag wollen sie unter anderem von jedem der zwölf Alben mindestens einen Song zum Besten zu geben.

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