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Bombenalarm in Frankfurt : Ganz Frankfurt dankt den Helden des Tages

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z., Helmut Fricke, Katharina Iskander

Zündkapseln und renitente Bewohner haben die historische Bomben-Entschärfung in Frankfurt verzögert. Mittlerweile ist sie Geschichte – der dramatische Tag im Rückblick.

          Um kurz nach 18 Uhr am Sonntagabend gibt es Entwarnung: Mit gut zweistündiger Verzögerung, am Ende aber ohne größere Komplikationen, ist es den Sprengmeistern des Kampfmittelräumdienstes gelungen, die 1,8 Tonnen schwere Luftmine HC4000 auf einer Baustelle im Frankfurter Westend zu entschärfen. Im Laufe des Abends sollte die britische Weltkriegsbombe verladen, nach Niedersachsen gebracht und dort entsorgt werden. In den Notunterkünften an der Frankfurter Messe, in der Ballsporthalle und der Jahrhunderthalle reagierten die Menschen erleichtert.

          Auch die Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr zeigten sich am Abend überaus froh über den guten Ausgang. Der Frankfurter Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) sagte: „Mir ist ein großer Stein vom Herzen gefallen.“ Er danke den Einsatzkräften und den etwa 1100 ehrenamtlichen Helfern, die den ganzen Tag im Einsatz gewesen waren: „Sie haben tolle Arbeit geleistet.“ Besonders lobte Frank die beiden Mitarbeiter des Kampfmittelräumdiensts vom Regierungspräsidium Darmstadt, die stundenlang an der Entschärfung der Riesen-Bombe gearbeitet hatten. „Sie sind die Helden des Tages. Sie haben uns einen schönen Abend beschert.“

          Entschärfung komplizierter als angenommen

          Der Bombenfund hatte die Rettungskräfte und die städtischen Organisatoren seit Mittwoch in Atem gehalten. Wegen der nach wie vor gefährlichen Sprengwirkung der Luftmine musste ein Stadtgebiet mit einem Radius von 1,5 Kilometern um den Fundort geräumt werden. In der größten Evakuierungsaktion der deutschen Nachkriegsgeschichte wurden etwa 65.000 Menschen in Sicherheit gebracht. Unter anderen mussten die Patienten zweier Krankenhäuser und die Bewohner von zehn Altenheimen aus der Sperrzone geholt werden. Auch das Frankfurter Polizeipräsidium, die Deutsche Bundesbank und der Hauptsitz des Hessischen Rundfunks wurden geräumt.

          Die Entschärfung gestaltete sich zwischenzeitlich komplizierter als angenommen. So konnte zwar der erste von drei mechanischen Zündern an der Luftmine samt der Sprengkapsel rasch entfernt werden, doch die Arbeit an den anderen beiden Zündern kostete weitaus mehr Zeit. Das lag daran, dass sich bei ihnen die Sprengkapseln zunächst nicht lösen ließen. Daraufhin mussten die Sprengmeister neues Gerät heranholen, um die in der Luftmine verbliebenen Sprengkapseln gesondert auszubauen.

          Die Bombe wurde nach der Entschärfung an der Fundstelle im Westend auf einen Lastwagen verladen. Das Besondere an diesem Einsatz seien außer der Größe der Bombe auch die drei Zünder gewesen, sagte eine der beiden Sprengmeister. Glücklicherweise seien er und sein Kollege ohne Wasserstrahl-Schneideanlage ausgekommen, das hätte die Arbeiten an der Luftmine noch weiter verlängert.

          Vor der Entschärfung hatte die Evakuierung die rund 4000 eingesetzten Polizisten über mehrere Stunden beschäftigt. Ein Großteil der Anwohner hatte die Sperrzone schon im Laufe des Samstags verlassen. Etliche derjenigen, die geblieben waren, ließen sich gestern Morgen dann aber umso mehr Zeit. Um acht Uhr, als die Polizei mit dem Aufsuchen der Häuser beginnen wollte, befanden sich noch zahlreiche Menschen in ihren Wohnungen. Sie reizten die gesetzte Frist bis zur letzten Minute aus.

          Einzelne Personen verzögern die Entschärfung

          Immer wieder stießen die Beamten auf Wohnungen, in denen sich noch jemand befand. Dem Bewohner eines Hauses im Nordend drohten die Beamten mittels Durchsage eines Lautsprecherwagens, ihn – wenn nötig – gewaltsam aus seiner Wohnung zu holen. Schließlich kam der Mann freiwillig heraus. Er behauptete, er habe nicht gewusst, dass seine Wohnung innerhalb der Sperrzone liege.

          Rigoros ging die Polizei später gegen einen Mann vor, der offenbar ganz bewusst die Evakuierung verzögern wollte. Gegen Mittag, als die insgesamt 15 Sektoren in dem Sperrgebiet schon so gut wie freigegeben waren und sich die Kräfte schon langsam zurückzogen, stand er an seinem Fenster und winkte den Polizisten zu. Die forderten kurzerhand eine Drehleiter an und holten den Mann aus der Wohnung. Er verbrachte den Rest des Tages in Polizeigewahrsam.

          Deutliche Worte gegen die Störer fand Polizeipräsident Gerhard Bereswill. Er sagte, er könne es nicht verstehen, dass „Einzelne ihr eigenes Interesse über das der Allgemeinheit stellen“. Feuerwehrchef Reinhard Ries sprach von „klarem Vorsatz, wenn der Mann am Fenster steht und winkt“. Er solle dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Die Stadt wird nun nach den Worten von Ordnungsdezernent Frank prüfen, ob der Mann für die Verzögerung der Evakuierung belangt werden kann.

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