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Boehlepark Betreten verboten

 ·  Am Rand von Sachsenhausen liegt der verwunschene Boehlepark. Vor acht Jahren wurde er geschlossen - zum Ärger der Anwohner.

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Unter den Sachsenhäuser Jugendlichen ranken sich viele Legenden um die verschlossenen Eingangstore des Boehleparks. Manch einer hält den gesperrten Park am Rande des Stadtwalds für eine Atombunkerschutzanlage. Andere glauben, dort lebe ein zurückgezogener Milliardär mit 20 Zentimeter langen Fingernägeln. Wiederum andere sagen, dass ein gigantischer Mammutbaum, der jeden Moment umstürzen könnte, an der Schließung Schuld sei. „Alles Quatsch“, sagt der 23 Jahre alte Alper. Bis auf den Mammutbaum, den gibt es wirklich. Aber der steht nicht im Park, sondern auf der anderen Straßenseite, erklärt er. Alper muss es wissen, denn immerhin hat er seine gesamte Kindheit im Park verbracht. Sein Vater schob ihn im Kinderwagen durch den Park. Später lag er dort tagelang in der Sonne. „Wunderschöne Kindheitserinnerungen“, schwärmt Alper.

Erinnerungen, die anderen Sachsenhäuser Jugendlichen verwehrt bleiben. Zumindestens im Boehlepark. Denn am Eingang des zwei Hektar großen Parks gegenüber der Sachsenhäuser Warte erinnert seit dem Jahr 2004 ein Schild daran, dass der Park, der der Hessenwasser GmbH gehört, für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich ist.

Atombunker-Ambiente

1902 wurde der sogenannte Trinkwasserbehälter Sachsenhausen in Betrieb genommen. Und weil man so stolz auf die erste Entsäuerungsanlage in Europa war, habe man überhaupt erst den Park und die prächtigen Sandsteinportale angelegt, sagt Hubert Schreiber, Sprecher der Hessenwasser. Neben den fünf massiven Sandsteinbauten beherbergt der Park auch noch ein kleines Technik-Haus, das optisch überhaupt nicht dem entspricht, was man sich gemeinhin unter einem Technik-Haus vorstellt. Das kleine Anwesen erinnert vielmehr mit seinen Blumengärten an eine idyllische Almhütte.

Im Inneren gibt es neben einem Aufenthaltsraum mit Atombunker-Ambiente auch einen Kontrollraum inklusive einer weißen Schalttafel mit vielen bunten Lampen. Nach moderner Technik sieht das nicht aus, aber „sie funktioniert noch“, versichert Schreiber. Wie die Schaltzentrale aussieht, sei aber auch eher nebensächlich, denn die technischen Einrichtungen des Parks seien seit 2005 zentralisiert und würden jetzt von der Leitwarte in Niederrad gesteuert, erklärt Schreiber.

Der Park wird weiterhin gepflegt

Diese technische Neuerung bedeutete damals das Aus für den Park. Denn Personal vor Ort, dass im Drei-Schicht-Betrieb Schieber steuerte, Besucher im Auge behielt und den Park auf- und abschloss, war somit überflüssig. Die Sicherheit der Besucher konnte nicht mehr gewährleistet werden. Der für Sachsenhausen zuständige Ortsbeirat5 versuchte umgehend, den Park wieder zugänglich zu machen. Die Hessenwasser GmbH sagte daraufhin zwar, dass sie „kein öffentlicher Parkbetreiber“ sei, aber dass eine öffentliche Zugänglichkeit auch in ihrem Interesse liege. Auch das Grünflächenamt in Person der stellvertretenden Amtsleiterin Heike Appel ging im Jahr 2008 noch voller Zuversicht davon aus, dass der Boehlepark wiedereröffnet werden würde.

Seitdem sind vier Jahre vergangen, in denen sich nicht viel verändert hat. Nicht einmal der Park selbst. Wer hier urwaldartige Zustände erwartet, irrt sich. Der Park wird weiterhin so gut es geht, von der Hessenwasser gepflegt. Es sei auch vorgesehen, dass die Stadt den Park „irgendwann übernimmt“, sagt Schreiber. Allerdings ist der Zeitpunkt mehr als ungewiss.

60.000 Euro jährliche Unterhaltungskosten

„Wir stellen Anträge, bekommen aber immer dieselbe Antwort“, sagt Petra Gerland, Mitglied des Ortsbeirats. Man verstehe das Interesse, aber die Kosten „der Wiedereröffnung stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen für die Bürger“, teilte der Magistrat 2011 auf Anfrage des Ortsbeirats mit. Die Stadt müsse im Falle einer Wiedereröffnung nicht nur die Pflege der Grünanlagen übernehmen, sondern ihn erst in einen Zustand versetzen, in dem er betretbar sei, erläutert Grünflächenamtsleiter Stefan Heldmann.

Konkret heißt das, dass die brüchigen Balustraden der Sandsteinportale saniert werden müssen, denn sie könnten Besucher im Ernstfall nicht vor einem Sturz bewahren. Neben dem relativ hohen Kostenaufwand in Höhe von etwa 700.000 Euro muss außerdem mit jährlichen Unterhaltungskosten in Höhe von 60.000 Euro gerechnet werden. „Keine geringe Summe“, gibt Gerland zu, fügt aber an, dass die Stadt eine ähnliche Summe für den Wasserpark im Nordend zahle. Genaugenommen sind es dort 108.300 Euro an Betriebskosten pro Jahr. Keine Selbstverständlichkeit, denn den Wasserpark im Nordend ereilte 2010 fast das gleiche Schicksal wie den Boehlepark. Auch er gehört der Hessenwasser GmbH, und auch hier wurden die Anlagen zentralisiert. Anders als beim Boehlepark entschied die Stadt sich aber, die Sanierungs- und Betriebskosten zu übernehmen.

Sonst keine Naherholungsgebiete

Heldmann sieht gute Gründe dafür, dass der Wasserpark für die Öffentlichkeit zugänglich ist und der Boehlepark nicht. Zum einem habe sich der Wasserpark zum Zeitpunkt der Übernahme in einem viel besseren Zustand befunden. Die Sanierung habe nur 160.000 Euro gekostet. Zum anderen müsse man auch bedenken, dass der Park vor allem von den Bewohnern der umliegenden Neubaugebiete genutzt werde. Im Gegensatz dazu liege der Stadtteil Sachsenhausen in erreichbarer Nähe des Grüngürtels. Es sei zwar keineswegs so, dass die Stadt kein Interesse an der Wiedereröffnung des Boehleparks habe oder die Interessen der Bürger nicht nachvollziehen könne, versichert Heldmann, aber es gebe derzeit eine Vielzahl von Projekten, „deren Priorität höher eingestuft werden muss“.

Eine Argumentation, die Alper nicht nachvollziehen kann. Für die Anwohner hier gebe es außer dem Stadtwald keine Naherholungsgebiete in erreichbarer Nähe. Wälder und Parkanlagen seien „sowieso zwei verschiedene Paar Schuhe“. „Die Sonne kann man im Schatten der Bäume immerhin ziemlich schwer genießen“, sagt Alper. Zudem wohnten auf dem Sachsenhäuser Berg vor allem ältere Menschen, die nicht mehr ohne weiteres Parks in anderen Stadtteilen aufsuchen könnten. Im Nordend habe man dagegen sowohl Günthersburg- als auch Huthpark „fast nebenan“, meint Alper. Große Hoffnung, dass der Park in naher Zukunft wiedereröffnet wird, hat er nicht. „So wie früher wird es eh nicht mehr“, sagt er und blickt den Flugzeugen am Himmel hinterher.

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Von Matthias Alexander

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