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Bockenheimer Depot : Gruppenbild mit Terrorkommando

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Hillbilly-Gemütlichkeit: David Bennent (links) und Mitglieder des Ensemble Modern im Bockenheimer Depot Bild: Monika Rittershaus

Er zitiert und konfrontiert Disparates in Fülle: Heiner Goebbels inszeniert seine Oper „Landschaft mit entfernten Verwandten“ im Bockenheimer Depot.

          These und Antithese verbinden sich im dialektischen Idealfall zur Synthese. Im alltäglichen Normalfall vollzieht sich das Leben hingegen im Spannungsfeld der ungelösten Gegensätze. Für jeden Kunstschaffenden resultiert daraus ein Konflikt zwischen synthetischem Werkanspruch und angestrebter Wirklichkeitsnähe. In seiner im Jahr 2002 uraufgeführten Oper „Landschaft mit entfernten Verwandten“ hat Heiner Gobbels in dieser Hinsicht viel gewagt: Er zitiert und konfrontiert Disparates in Fülle. In ihrer jeweiligen Originalsprache koexistieren Texte von Gertrude Stein, Giordano Bruno, Henri Michaux., T.S. Eliot, François Fénelon, Leonardo da Vinci, Michel Foucault und Nicolas Poussin. Zugleich bewegt sich die Musik zwischen Madrigal und Avantgarde-Pose, wagt ethnisch-exotische Seitensprünge, spielt mit Jazz und Rock.

          Der Autonomieanspruch des akustischen Resultats motivierte im Jahr 2007 eine eigenständige CD-Version, die wiederum im Jahr 2010 die Erstellung einer gegenüber dem Original deutlich gestrafften Bühnenneufassung anregte. Heiner Goebbels hat diese nunmehr für die Oper Frankfurt im Bockenheimer Depot neu inszeniert und sich dabei auf vertraute Weggefährten gestützt: Sowohl der Schauspieler David Bennent wie das Ensemble Modern unter Franck Ollus Leitung waren bereits vor einem guten Jahrzehnt dabei und wohl auch unersetzlich: Die neben Bennent von dem Bariton Holger Falk unterstützten Ensemblemitglieder sind gleichzeitig Instrumentalisten, Choristen, Tänzer, Schauspieler, Rezitatoren.

          Geschickte Camouflage

          Durch Kürzung um eine gute Dreiviertelstunde verdichtet sich die nahtlose Abfolge der etwa zwei Dutzend Szenen zu einer eigenwilligen Narration. Dabei erweist sich der Titel als geschickte Camouflage: Es geht nicht einseitig um entfernte Verwandtschaft zwischen den Ereignissen, sondern auch um die Entfernung des Verwandten, die Kollision einander fremder Sphären. So holt ein mit Strumpfmasken bewehrtes Ensemble die Zuschauer vor dem Hintergrund nebelverhangener Naturromantik in die terroristische Gegenwart, bezieht sich die anschließende Bildbeschreibung wiederum auf ein völlig anderes Gemälde. Später evoziert ein Oktett in den opulenten Kostümen von Florence von Gerkan Rokokoatmosphäre, zu welcher sich wiederum auf musikalischer Ebene keine Entsprechung findet.

          Auf der mit ausgezeichneter Verständlichkeit vermittelten Textebene findet sich die Vergänglichkeit jener Weltbilder verhandelt, an denen sich ganze Nationen und Jahrhunderte in kollektiver Verblendung zu orientieren suchten. Zusammen mit der bedrohlichen Nähe der elektronisch verstärkten Musik und den militärischen Sequenzen auf der Bühne lässt sich daraus ein gegen die Pseudologik kriegerischer Handlungen auftretendes Statement ableiten. Goebbels treibt die damit einhergehende Verdrängungsleistung gegen Ende humorvoll auf die Spitze, indem er eine mit Cowboyhüten und Banjo ausstaffierte Gesellschaft Hillbilly-Gemütlichkeit verbreiten lässt. Die so artikulierte Kritik ist freilich nicht neu. Auch die klangliche Ebene ist wenig originell: Inhalte werden primär über Worte und Bilder kommuniziert. Das stört in einer Gesellschaft, die genaues Hören verlernt hat, nur wenige. Wohl aber den, der sich von einer als Oper bezeichneten Komposition eine stringentere Verbindung von Musik und Inhalt erhofft.

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