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Blockupy-Tage in Frankfurt : Im Kessel

  • -Aktualisiert am

Bis in die Abendstunden hinein wurde der Kessel aufrecht erhalten. Bild: dpa

Eine Demonstration und was daraus wurde: In Frankfurt beginnt der Protestzug von Blockupy bunt und friedlich, aber bald geht nichts mehr. Die Polizei greift hart ein; ohne einen echten Grund, sagen viele.

          Die Europäische Zentralbank ist noch weit entfernt, als auch dem letzten Demonstranten klar wird, dass nichts mehr läuft. Es sollte der große Tag des kapitalismuskritischen Blockupy-Bündnisses werden. Rund 10.000 Menschen hatten sich am Baseler Platz versammelt, um gemeinsam durch die Frankfurter Innenstadt zu ziehen zum Protest gegen die europäische Krisenpolitik. Laut und fröhlich sollte das werden, und so sieht es gegen Mittag zunächst auch aus.

          Doch noch bevor die Demonstranten überhaupt nur in Sichtweite der EZB gelangen, formiert sich eine Hundertschaft der Polizei und versperrt den Demonstranten im vorderen Teil des Zuges den Weg. Und noch während aus Protest die ersten Flaschen und Farbbeutel fliegen, drängt sich eine weitere Polizeikette in den hinteren Demonstrationszug. hinein. Binnen Sekunden sind die Demonstranten im vorderen Abschnitt eingekesselt. Es geht weder vor noch zurück. Und so bleibt es, bis zum späten Nachmittag.

          Die Polizei gibt zunächst keine offiziellen Informationen über ihr Vorgehen ab. Intern heißt es, innerhalb des Blocks befänden sich Straftäter. Es seien drei Böller gezündet worden, außerdem vermummten sich die Demonstranten mit Transparenten und Regenschirmen. Tatsächlich befinden sich Anhänger radikaler Gruppen innerhalb des Blocks. Von Gewalttätigkeiten aber war ihr bisheriges Verhalten bei der Demonstration bis zu diesem Zeitpunkt weit entfernt.

          Immer wieder kommt es zu Rangeleien

          „Ich habe ja wenig Verständnis für diese Leute“ sagt ein älterer Mann, offenbar ein Demonstrant, der versehentlich in den Kessel geraten war. „Aber das, was die Polizei heute macht, ist total daneben.“ So denken viele an diesem Nachmittag. Nicht nur die, festgehalten werden im Kessel, sondern vor allem auch die Demonstranten im hinteren Zug, engagierte Bürger, Gewerkschafter. Niemand kann weiterziehen auf der vorgesehenen Route. Das Angebot der Polizei, auf einer anderen Strecke weiter zu demonstrieren, lehnen sie ab. „Wir lassen uns nicht spalten“, rufen sie. Im Block selbst versuchen die Demonstranten den Anschein zu erwecken, als störe sie das massive Polizeiaufgebot nicht. Auf dem Lautsprecherwagen wird die Musik laut gedreht. „Dann feiern wir eben Party.“

          Demonstranten werden einzeln aus dem Kessel geführt.

          An der hinteren Polizeikette kommt es derweil immer wieder zu Rangeleien zwischen Demonstranten und der Polizei. Vereinzelt werden Leute aus der Menge gezogen und vorübergehend festgenommen. Im Handgemenge wird auch ein Pressefotograf verletzt. Er wird von Sanitätern auf dem Bürgersteig notdürftig versorgt. Es dauert fast eine Stunde, bis ein Krankenwagen eintrifft.

          Wahllos greifen Beamte nach Teilnehmern

          Den ganzen Nachmittag über versuchen die Demonstranten, mit der Polizei zu verhandeln. Irgendwann bieten sie an, die Regenschirme und Seitentranspatente abzulegen, wenn die Polizei sie dafür weiterziehen lässt. Die Polizei ihrerseits fordert, die Personalien sämtlicher Demonstranten im Block aufzunehmen. Die Aktivisten lehnen ab.

          Die Polizei wartet bis vier Uhr, dem Zeitpunkt, an dem die Demonstration ohnehin beendet gewesen wäre. Kurz vorher geben sie durch, dass der Block fortan ausgeschlossen ist von der Demonstration. Dann gehen sie mit einer Hundertschaft hinein in die Menge, um Leute einzeln herauszuholen. Gegen halb sechs schließlich stürmt die Polizei die Demonstration. Wahllos greifen Beamte nach Teilnehmern, im Sekundentakt führen sie sie hinaus. Wer sich nicht fügt, wird härter angepackt. Demonstranten werden zu Boden geworfen. Einer bleibt liegen, wird von Sanitätern versorgt. Ein anderer wird an dem Verletzten vorbei geschleift. Er schreit, als ihn die Beamten fester anfassen. Sein Arm sieht aus, als sei er gebrochen.

          Einige nennen das Verhalten der Polizei unverhältnismäßig

          Am Abend, als die Demonstranten aus dem Kessel herausgetragen worden sind, sieht die Straße aus wie ein Schlachtfeld. Stofffetzen liegen herum, Regenschirme türmen sich völlig verbogen auf einem Haufen Müll. Überall sind Polizisten, sie halten die Stellung, obwohl von den Demonstranten längst keine Gefahr mehr ausgeht. Das sagen an diesem Abend sogar die Beamten selbst. Jene, die den Einsatz eher kritisch sehen.

          Offiziell sagt die Polizei nur wenig. Sie bestätigt Bilder, die das Internet längst verbreitet hat: Demonstranten, die aus der Menge gezogen werden, andere, die verletzt am Boden liegen. Ein Sprecher sagt, man könne prinzipiell noch nichts Wesentliches sagen.

          Unterdessen spricht sich das Gerücht herum, die Polizei habe den Kessel bewusst herbeiführen wollen, letzten Endes, um Personalien von Demonstranten aufnehmen zu können: weil sie Verbindungen habe knüpfen wollen zu der sogenannten M31-Demonstration vom 31. Mai 2012. Damals waren Sachbeschädigungen begangen worden, ein Polizist wurde schwer verletzt. Dennoch nannten Beobachter der Demonstration am Samstag, unter ihnen etliche Abgeordnete, das Vorgehen der Polizei an diesem Tag völlig unverhältnismäßig.

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