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Bistum Limburg : Paderborner Weihbischof leitet Limburg-Kommission

Während der Auszeit von Bischof Tebartz-van Elst (links) soll der neue Generalvikar Wolfgang Rösch die Geschicke des Bistums Limburg leiten Bild: dpa

Auch nach der Entscheidung des Papstes sieht das Limburger Domkapitel keine Möglichkeit für einen Neuanfang mit Bischof Tebartz-van Elst. Der Paderborner Weihbischof Grothe soll die Finanzaffäre untersuchen.

          Auch nach der Entscheidung von Papst Franziskus, den Limburger Bischof zwar im Amt zu belassen, ihm angesichts der Krise aber „eine Zeit außerhalb der Diözese zu gewähren“, sieht das Domkapitel keine Möglichkeit für einen Neuanfang mit Franz-Peter Tebartz-van Elst. Das wurde in einer Pressekonferenz in Limburg deutlich, zu der das Kapitel eingeladen hatte. Zuvor hatte der Heilige Stuhl mitgeteilt, dass Tebartz-van Elst seinen bischöflichen Dienst zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ausüben könne. Zum Generalvikar wurde der Wiesbadener Stadtdekan Wolfgang Rösch ernannt. Er tritt sein Amt sofort an.

          Stefan Toepfer

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Rösch, der derzeit auf einer Pilgerreise nach Santiago de Compostela ist, sagte auf Anfrage, er kenne die Diözese gut und setze auf die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern im Ordinariat und in der Seelsorge. Wie er schilderte, hatte ein Vertreter der vatikanischen Bischofskongregation ihn angerufen und ihn gebeten, das Amt zu übernehmen.

          Am Donnerstag wurde bekannt, dass die Kommission zur Prüfung der Finanzaffäre im Limburger Bistum wird von dem Paderborner Weihbischof Manfred Grothe geleitet wird. Das teilte die Deutsche Bischofskonferenz mit.

          Im Rheingau aufgewachsen

          Tebartz-van Elst hatte ihn bereits zum 1. Januar 2014 als Generalvikar berufen. Doch zuletzt rechnete Rösch angesichts der ungewissen Zukunft des Bischofs in der Diözese nicht mehr damit, diese Position von Franz Kaspar zu übernehmen. Nun muss er sein neues Amt direkt nach seiner Rückkehr aus Spanien antreten. Rösch wurde 1959 in Wiesbaden geboren und wuchs im Rheingau auf. Er studierte zunächst Maschinenbau in Darmstadt, dann in Frankfurt und Rom Theologie. 1990 wurde er in Rom zum Priester geweiht, kehrte ins Bistum zurück und arbeitete als Kaplan und Pfarrer in mehreren Gemeinden. Von 1997 bis 2003 war er Regens im Limburger Priesterseminar. Nach sieben Jahren als Pfarrer von Königstein ging er 2010 als Stadtdekan nach Wiesbaden. Dieses Amt wird er aufgeben müssen.

          Domdekan Günther Geis sicherte Rösch Unterstützung zu. Geis sitzt dem Domkapitel vor, das aus sechs leitenden Geistlichen besteht. Vermutlich wird Rösch bald auch dazugehören und Kaspar ersetzen. Auf die Frage, ob das Kapitel mit der Rückkehr Tebartz-van Elsts als Bischof rechne, sagte Personaldezernent Helmut Wanka, Pfarrer, die eine Auszeit nähmen, würden in der Regel in einer anderen Pfarrei eingesetzt. „Neues Vertrauen muss wachsen. Wie das wachsen soll mit dem Bischof, das weiß ich nicht“, so Geis. Ähnlich hatte er sich schon vorher geäußert. Auch Ingeborg Schillai, Präsidentin der Diözesanversammlung, sieht keine Chance mehr für Tebartz-van Elst als Bischof von Limburg. „Ich halte eine Rückkehr für ausgeschlossen, weil so viel kaputtgegangen ist.“

          „Es ist eine Situation ohne Vorbild“

          Der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz nannte die jetzige Lage - ein Bistum, das de facto keinen Bischof hat - einen „Ausnahmezustand“, der nicht bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag dauern dürfe. „Es ist eine Situation ohne Vorbild“, so Geis. Informationen über die Presseerklärung des Heiligen Stuhls hinaus habe das Domkapitel derzeit nicht, weder aus Rom noch aus der Nuntiatur in Berlin. Die Erklärung verweist explizit auf die Kommission der Deutschen Bischofskonferenz zur Überprüfung der Finanzierung des Bischofssitzes. Sie hat am Freitag mit ihrer Arbeit begonnen. Wann Ergebnisse vorliegen, ist offen.

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