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Veröffentlicht: 04.11.2011, 07:16 Uhr

Bischofsheim, Rüsselsheim und Mörfelden Städte weisen trotz Fluglärm Baugebiete aus

Bischofsheim, Rüsselsheim und Mörfelden haben alle planerischen Möglichkeiten zum Wachsen genutzt.

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© Kaufhold, Marcus Flugzeuge in spürbarer Nähe: Neubaugebiet „Blauer See“ in Rüsselsheim-Konigstädten.

Das Werbeschild an der Umgehungsstraße von Rüsselsheim-Königstädten klingt verheißungsvoll: „Wohngrundstücke ,Blauer See‘ - einfach traumhaft“. Die Nachfrage gibt den Stadtplanern Recht, die in Königstädten Rüsselsheims derzeit größtes Neubaugebiet entwickelt haben, um 1000 Menschen ein neues Zuhause zu bieten. Seit 2009 seien schon 150 der 200 städtischen Grundstücke verkauft worden, der Rest sei reserviert, heißt es von der Stadt. Von den 100 privaten Grundstücken seien auch fast die Hälfe veräußert. Unerwähnt bleibt: Es gibt keinen „Blauen See“. Und, was noch gravierender sein dürfte, das Neubaugebiet liegt in der Siedlungsbeschränkungszone des ausgebauten Frankfurter Flughafens.

Mechthild Harting Folgen:

Heute könnte die Stadt das Wohngebiet nicht mehr realisieren. Der seit Oktober gültige Regionalplan verbietet Baugebiete auf der grünen Wiese innerhalb der Zone, für die ein Dauerschallpegel von 60 Dezibel errechnet wurde. Nur schon genutzte Flächen wie der Offenbacher Hafen dürfen laut Planer neu bebaut werden.

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Frei nach dem Motto, wer dort hinziehe, sei selbst schuld

Dass Rüsselsheim im Jahr 2007 den Bebauungsplan noch beschließen konnte, obwohl das Land zu diesem Zeitpunkt bereits per Planfeststellungsbeschluss entschieden hatte, den Flughafen durch eine Nordwest-Landebahn auszubauen, hat zwei Gründe: die Langsamkeit der Regionalplanung und die erfolgreiche Klage von acht Kommunen, die gegen den Willen der Landesregierung die Baugebiete in der künftigen Lärmzone verwirklichen wollten.

„Die Städte und Gemeinden haben ihre Chancen genutzt“, sagen die Planer. Regionalpolitiker schimpfen, die Städte trieben die Bauprojekte voran, wissend, dass sie ihre Neubürger dem Fluglärm aussetzten - frei nach dem Motto, wer dort hinziehe, sei selbst schuld.

Manche Städte haben kaum noch Entwicklungsmöglichkeiten

Nicht nur Rüsselsheim hat sich so verhalten. In Bischofsheim entsteht das fünf Hektar große Neubaugebiet „Berliner Zwickel“, in Mörfelden-Walldorf soll am Walldorfer Weg gebaut werden, in Neu-Isenburg im Birkengewann - alles Areale, die erst kürzlich als Bauland ausgewiesen wurden und heute im Siedlungsbeschränkungsgebiet liegen. In Frankfurt zählt dazu die „Leuchte“ in Enkheim, in Offenbach Bieber-Nord, mit dessen Entwicklung sich die Stadt allerdings schwer tut.

Rüsselsheim, Mörfelden und Neu-Isenburg haben wegen des Flughafens jenseits dieser Gebiete allerdings kaum oder gar keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr. Das gilt auch für andere Städte. Zu Raunheim heißt es im Regionalplan lapidar: „Durch die Lage der Stadt im Siedlungsbeschränkungsgebiet des Frankfurter Flughafens sind keine Neuausweisungen von Siedlungsflächen mehr möglich.“

Die Immobilienszene spürt keine Auswirkungen des Flughafenausbaus

Das müsste auch für die Stadt Flörsheim gelten, die mit am stärksten unter der neuen Landebahn leidet. Doch im Regionalplan findet sich dort ein neues Baugebiet. „Wir haben tatsächlich ,Nord VI‘ erst 2007 beschlossen“, sagt Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD). Allerdings sei das auf Anraten der Juristen geschehen, um eine Klagemöglichkeit zu haben. „Es gibt keinerlei Bestreben, dort zu bauen“, beteuert Antenbrink, denn das Ergebnis wäre nur ein relativ großer Leerstand. Dass dennoch in den vergangenen Jahren in Flörsheim-Nord viel gebaut worden sei, das habe nicht die Stadt zu verantworten. Diese habe das letzte Baugebiet, das wirklich entwickelt worden sei, 1997 beschlossen - da wusste noch niemand etwas von einer neuen Landebahn. Der Vorwurf, Flörsheim schicke seine Bürger sehenden Auges ins Unglück, „ist definitiv nicht richtig“.

Die Immobilienszene spürt keine Auswirkungen des Flughafenausbaus. Bei manchem Haus gebe es jetzt „leichte Verzögerungen“, sagt Frank Alexander von Hermann-Immobilien, doch man müsse nur warten, bis einer komme, der mit dem Lärm leben könne. „Die Region erlebt einen extremen Nachfrage-Boom.“ Kollegen sehen das ähnlich: Die Finanzkrise fördere noch „die Wanderung des Kapitals in die Steine“.

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Von Marc Heinrich

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