Home
http://www.faz.net/-gzg-748io
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 08.11.2012, 18:30 Uhr

Bio-Händler Alnatura geht auch in „Katzensprunglagen“

Bio-Lebensmittler Alnatura aus Bickenbach überschreitet erstmals die Grenze von 500 Millionen Euro Umsatz. Noch in diesem Dezember soll eine weitere Filiale in Frankfurt, die sechste, öffnen.

© dapd Alnatura ist weiter auf Wachstumskurs

Nein, wenn Alnatura neuerdings mit dem Einzelhandelskonzern Migros zusammenarbeite, dann sei das kein Vorlauf für eine Übernahme der Bickenbacher durch die Schweizer. Dies hob Götz Rehn in Frankfurt hervor. Zweck der Kooperation, so fuhr der Gründer von Alnatura fort, seien vielmehr die Expansionspläne seines Hauses für die Schweiz. Und da sei Alnatura in der Schweiz als ausländisches Unternehmen auf einen starken einheimischen Partner angewiesen, um überhaupt an attraktive Ladenlokale zu kommen. Eine erste Filiale ist schon eröffnet - in Zürich-Höngg.

Jochen Remmert Folgen:

Dessen ungeachtet hat Migros durchaus Interesse an Übernahmen in Deutschland. So hat sich der Konzern erst vor einem Monat die Märkte des Lebensmittlers Tegut in Fulda, einem der ganz wichtigen Vertriebspartner von Alnatura, einverleibt. Für Rehn ist das aber kein Weg: Zahlungskräftige Interessenten gebe es für Alnatura immer - er denke aber nicht daran, zu verkaufen. Denn was er für Mensch und Umwelt tun wolle, könne am besten mit Alnatura erreichen.

Umsatzplus von acht Prozent geplant

Finanzielle Gründe, wie sie bei Tegut eine Rolle spielten, gibt es bei Alnatura ausweislich der guten Zahlen auch nicht, die Rehn für das Unternehmen vorlegen konnte, das er vor 25 Jahren gegründet hat. Denn im Geschäftsjahr, das zum 30. September abgelaufen ist, erwirtschaftete Alnatura einen Umsatz von 516 Millionen Euro. Das bedeutet eine Steigerung um elf Prozent im Vorjahresvergleich. Damit habe man sich deutlich besser entwickelt als der deutsche Lebensmittelhandel insgesamt, sagte Rehn weiter. Für das neue Geschäftsjahr geht er - bei konservativer Schätzung - von einem Umsatzanstieg um acht Prozent aus, fügt aber sogleich hinzu, dass es bei Alnatura keine verbindlichen Zielvorgaben wie in gewöhnlichen Handelsunternehmen gebe.

Zurzeit arbeiten 1810 Frauen und Männer bei Alnatura, im vorherigen Geschäftsjahr waren es noch 1660, ein Plus von 9Prozent also. Am Ende des gerade angelaufenen Geschäftsjahres werden es den Planungen zufolge 1950 sein.

Alleine in Hessen zählt der Händler 630 Beschäftigte, in der Zentrale in Bickenbach, in Alsbach und im Zentrallager in Lorsch sind es zusammen 350. Hinzu kommen die 280 Mitarbeiter in den 14 hessischen Filialen. Erfreut berichtete Rehn davon, dass in Bickenbach in jedem Jahr zwischen 10000 und 12000 Bewerbungen einträfen. Auf eine offene Stelle bewürben sich bis zu 200 Interessenten.

Alle Filialen der Handelspartner zusammengenommen, können Kunden in 3325 Märkten Alnatura-Produkte kaufen. Neben dem Vertrieb über Lebensmitteleinzelhändler wie eben Tegut oder Globus und Drogerieketten wie DM, verkauft Alnatura aber die inzwischen 1060 Produkte des Sortiments auch in immer mehr eigenen Dependancen. 70sogenannte Super-Natur-Märkte in 39 Städten sind es derzeit. Geht es nach Rehns Wünschen, werden es Ende des Geschäftsjahres 2012/2013 etwa 80 reine Alnatura-Märkte sein. Allerdings ist es für das Haus, wie für andere Einzelhandelsunternehmen auch, nicht eben leicht, in den Lagen, die erste Wahl wären, freie oder freiwerdende Ladenlokale aufzutun.

Modernisieren, Energiekosten senken

In Frankfurt hat das aber offenbar einmal mehr funktioniert. Hier soll noch in diesem Dezember ein sechster Markt eröffnen, diesmal an der Großen Bockenheimer Straße, nahe der Alten Oper. Im abgelaufenen Geschäftsjahr ist in Rhein-Main zudem eine Alnatura-Markt in Darmstadt hinzugekommen, der dritte in dieser Stadt. In Hessen ist Alnatura alles in allem 14 Mal mit einem eigenen Geschäft vertreten.

Bisweilen versuche man auch, in „Katzensprunglagen“ Fuß zu fassen, also nahe der eigentlichen Ideallage. In solchen Fällen brauche es bisweilen etwas länger, bis sich die betreffende Filiale etablieren und rentabel arbeiten könne, erläuterte Rehn. Wenn er aber in ein bestimmtes Quartier wolle und keine andere Chance habe, dann gehe Alnatura auch diesen Weg der Expansion.

Die Bickenbacher investieren nicht nur in neue Läden, sondern auch in die Modernisierung bestehender Filialen. Darunter waren zuletzt solche in Frankfurt, Darmstadt und in Mainz. Mit dem neuen Ladenkonzept will das Haus die Attraktivität für Kunden erhalten, aber auch den Energieverbrauch senken. Das gelingt offenbar wie geplant: In der ersten auf diese Weise umgestalteten Dependance verbrauche man nun fast ein Drittel weniger Energie, berichtete Rehn erfreut.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Helau im Juni? Streit um Nachholtermine für Fastnachtsumzüge

Nachdem viele Fastnachtsumzüge wegen Sturmwarnung ausfallen mussten, soll es auch in Hessen Nachholtermine später im Jahr geben. Das kommt nicht überall gut an. Mehr

10.02.2016, 17:16 Uhr | Rhein-Main
Spiel, Spaß und Spannung Weltmesse für Spielwaren in Nürnberg eröffnet

In Nürnberg hat die Weltmesse für Spielwaren eröffnet. Der Markt wächst. Vor allem Online-Spiele und Lizenzprodukte wie Star Wars boomen. Mehr

27.01.2016, 17:15 Uhr | Wirtschaft
Fast-Food-Kette Hans im Glück verliert 12 Filialen

Die Burger-Kette Hans im Glück verliert auf einmal ein Viertel ihrer Restaurants. Ein Franchise-Nehmer trennt sich vom Mutterkonzern – er hat eigene Pläne für den Burger-Markt. Mehr Von Konstantin Hofmann

29.01.2016, 21:38 Uhr | Wirtschaft
Western Union Umstrittenes Milliarden-Geschäft mit Flüchtlingen

Zehntausende Flüchtlinge bewegen sich derzeit quer durch Europa. Für Finanzdienstleister wie Western Union ein gewaltiger Markt. Der Konzern ist weltweit der größte Anbieter für Bargeldtransfer. Und um an Bargeld zu kommen bleibt gerade Flüchtlingen oft nichts anderes übrig als den Marktführer zu nutzen – und das zum Teil zu horrenden Gebühren. Mehr

10.02.2016, 18:01 Uhr | Wirtschaft
Frankfurter Geschäftsleben Oxfam eröffnet fünfte Frankfurt-Filiale

Wohnaccessoires von Cri-Cri gibt es demnächst auch wieder in der Innenstadt, Oxfam zieht an den Oeder Weg, und Jil Sander stellt sich an der Goethestraße neu auf. Mehr Von Petra Kirchhoff

09.02.2016, 15:40 Uhr | Rhein-Main

Eine Moschee, keine Bedrohung

Von Luise Glaser-Lotz

Der Streit, den die Hanauer CDU um die aktuellen Moscheebaupläne in der Stadt ausgelöst hat, fällt ihr gerade auf die Füße. Sie rückt den Trägerverein aus nichtigem Anlass in die Schlagzeilen. Mehr 3

Abonnieren Sie unsere Rhein-Main Newsletter

  • Newsletter auswählen

    Newsletter auswählen