Nicht nur das kirchliche Orgelspiel ist Musik in seinen Ohren. Pfarrer Thorsten Heinrich liebt auch den Klang schwerer Motorräder. Er ist begeisterter Biker und kann nun in Hessen sein Hobby ein Stück weit zum Beruf machen. Der Geistliche aus Hofheim-Diedenbergen nahe Wiesbaden ist Hessens neuer Biker-Pfarrer.
Die beiden evangelischen Landeskirchen in Kassel und Darmstadt ernannten den 48 Jahre alten Pfarrer zum neuen Beauftragten für Motorradseelsorge. Am Sonntag um 12.00 Uhr wird Heinrich mit einem Gottesdienst in der Bergkirche in Niedergründau im Main-Kinzig-Kreis in sein Amt eingeführt. Danach wollen laut Veranstalter 20.000 aktive Teilnehmer und 35.000 Besucher den Beginn der Motorradsaison feiern, beim traditionellen „Anlassen“, der 31. Auflage des PS-Spektakels.
Der Nachfolger von „Rupi“
Heinrich tritt in große Fußstapfen. Er folgt auf Ruprecht Müller-Schiemann, der sich nach 30 Jahren in den Ruhestand verabschiedet hat. „Rupi“, wie er genannt wird, schrieb in Deutschland Kirchengeschichte, als erster von Landeskirchen beauftragter Motorradseelsorger. Aber auch der neue Mann ist in Biker-Kreisen kein Unbekannter.
Thorsten Heinrich stieß 1986 zum Verband Christlicher Motorradfahrer (VCM) und engagierte sich bereits bei diversen Biker-Gottesdiensten. „Es passt einfach biografisch bei mir“, sagt Heinrich. Seine Examensarbeit widmete er damals einer theologischen Aufarbeitung des Themas: Plötzlicher Tod auf der Straße.
Heinrich weiß: „Motorradfahren ist gefährlich.“ Pro Jahr verunglücken 50 000 Menschen bei Verkehrsunfällen in Europa, darunter auch viele Biker. „Ich will erreichen, dass die Leute defensiver fahren, mehr auf sich und andere achten. Jeder kann seinen Teil zur Sicherheit beitragen.“ Er ist sich sicher, dass er viele Biker mit seiner Botschaft erreicht. Doch bei allen Verhaltensänderungen auszulösen, erscheint auch ihm ein eher frommer Wunsch.
Honda CBF 600 unter sich
Heinrich will seinen eigenen Weg gehen als neuer Biker-Pfarrer. So will er nicht wie sein Vorgänger medienwirksam mit dem Motorrad vor den Altar rollen. „Die anderen lassen ihre Maschinen ja auch draußen. Ich will das Motorrad nicht zum goldenen Kalb machen. Das wäre albern“, sagt Heinrich, der eine Honda CBF 600 fährt. „An der Maschine gibt es nichts auszusetzen, sie ist aber auch nichts zum Niederknien, quasi der Golf unter den Motorrädern. „Auf den Geschwindigkeitskick kommt es mir nicht mehr an.“
Bei der Predigt möchte er als neuer Motorradpfarrer standesgemäß auftreten. Er will zwar keinen Talar tragen, aber dafür die Lederhose und die Motorradstiefel anlassen. Am Altar werden Motorradhelme platziert. Die Mitglieder des Verbands Christlicher Motorradfahrer sind gespannt auf die neue Note des Geistlichen: „Ich glaube, er will den Gottesdienst-Charakter wieder stärken. Für uns ist Thorsten Heinrich kein Unbekannter.“ Die anderen Biker werden ihn kennenlernen.

