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Biebesheim Gefiltertes Rheinwasser für die Region

 ·  Seit fast 25 Jahren wird in Biebesheim Rheinwasser gereinigt, um den Grundwasserspeicher im Hessischen Ried aufzufüllen.

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Es ist ein Pool mit 36 Metern Durchmesser, in dem niemand schwimmen darf. 5000 Kubikmeter Wasser sind im Tiefbehälter des Wasserwerks im südhessischen Biebesheim gesammelt. Ein weiterer Speicher in gleicher Größer steht nebenan. Das darin enthaltene gefilterte Rheinwasser hat annähernd Trinkwassergüte, doch zum Trinken ist es nicht da. Das Wasser ist einerseits für die Versickerung im Hessischen Ried vorgesehen, einem der größten Grundwasserspeicher des Rhein-Main-Gebiets; andererseits wird es direkt zu den Landwirten der Region gepumpt, damit sie ihre Äcker und Felder damit beregnen können.

Ende der siebziger Jahre sank der Grundwasserspiegel im Ried bedenklich. Die Wälder bekamen kaum Wasser, Setzrisse an Wohnhäusern entstanden, Brunnen fielen trocken. Die Kommunen, das Land, die Bauern und die regionalen Wasserversorger gründeten den Wasserverband Hessisches Ried (WHR) und entschieden sich, Wasser aus dem Rhein zu entnehmen, zu reinigen und damit den Grundwasserspeicher aufzufüllen. Anfangs wehrten sich Umweltschützer gegen den Plan und warnten vor dem hohen Salzgehalt des Rheinwassers. Ihre Sorge blieb jedoch unbegründet, der Protest ist mittlerweile verstummt.

Acht Filter durchläuft das Wasser

Seit 1989 ist das Wasserwerk mit der Filteranlage in Betrieb. Nur einmal, zwischen 2001 und 2002, wurde nicht infiltriert, da es zuvor stark geregnet hatte und der Grundwasserspeicher im Ried randvoll gefüllt war. 43 Millionen Kubikmeter Rheinwasser kann die Anlage im Jahr filtern. Diese Höchstgrenze sei bisher nie erreicht worden, sagt die stellvertretende Betriebsleiterin Nicole Staude. Im heißen Sommer 2004 habe das Werk rund 22 Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Rhein im Ried versickern lassen, um den Grundwasserspiegel zu halten. Das sei der bisherige Rekord.

Acht Filter durchläuft das Wasser, wenn es bei Rheinkilometer 463,6 entnommen wird. Das Pumpwerk kann bis zu 5400 Kubikmeter Wasser in der Stunde entnehmen. Schon im Pumpwerk werden mit Rechen und Sieben Verunreinigungen, die größer als ein Millimeter sind, abgefangen. Durch Rohre wird das Wasser zu den weiteren Filtern gepumpt. Im ersten Becken wird Ozon dem Wasser zugeführt, Algen sterben ab, die Keimzahl wird deutlich reduziert. „Herz der Infiltration“ sei die Flockung, sagt Staude. Dem Wasser wird Eisenchlorid und Schlamm zugegeben. Schmutzpartikel wie Tonteilchen, Schwermetalle und Mikroorganismen verklumpen. Im nächsten Becken setzen sich die Flocken am Boden ab, das Klarwasser wird weitergepumpt. Noch einmal wird dem Wasser Ozon zugeführt, dadurch werden Viren und Parasiten abgetötet. In der Sekundärflockung werden die Schadstoffe aus der Ozonung gebunden. Danach durchläuft das Wasser einen Mehrschichtfilter aus Quarzkies, Anthrazit und Quarzsand. Das Ozon und die übrigen Flocken werden aus dem Wasser gefiltert. Im letzten Schritt werden in sechs Becken mit jeweils fast drei Meter großen Aktivkohlefiltern letzte organische Spuren, Reste von Arzneimitteln und Pestiziden entfernt.

Land Hessen hat Unterstützung eingestellt

In einem Labor überprüft Hessenwasser, das 2005 die Geschäftsführung des WHR übernommen hat, die Wasserqualität. In den Tiefbehältern wird das Nass gelagert. Über ein 340 Kilometer langes Rohrsystem wird ein Teil des Wassers zu den Bauern der Region gepumpt. Sie beregnen damit eine Fläche von rund 5400 Hektar. Auf den Feldern wird vor allem Obst und Gemüse angebaut, die besonders viel Wasser brauchen. Der Großteil des Wassers wird allerdings zur Auffüllung des Grundwasserreservoirs genutzt. An drei Stellen im Hessischen Ried, in Eschollbrücken bei Pfungstadt, im Jägerburger Wald und im Gernsheimer Wald, wird das Rheinwasser über Sickerbohrungen, Schluckbrunnen und Sickerschlitzgräben infiltriert. Eine vierte Anlage entsteht gerade im Lorscher Wald.

Nach Angaben von Hessenwasser ist die Anlage bundesweit einzigartig. Sie wurde in Zeiten gebaut, als der Rhein noch deutlich verschmutzter war. Jetzt sei etwa viel weniger Aktivkohle als früher nötig, um das Wasser zu reinigen, sagt die stellvertretende Betriebsleiterin Staude. Auf Krisenfälle wie einen Chemieunfall mit Verunreinigungen des Flusses sei das Werk vorbereitet. Die Entnahme am Rhein könne kurzfristig gestoppt werden. „Außerdem sind unsere Filter auf viel stärkere Verschmutzungen ausgelegt.“

Die Finanzierung der Anlage werde aber immer schwieriger, seitdem das Land 1997 seine Unterstützung eingestellt habe, sagt Hubert Schreiber von Hessenwasser. „Die Entscheidung für dieses Wasserwerk war eine politische.“ Nicht nur die Landwirte, die Kommunen und Wasserversorger der Region profitierten von der Filteranlage. Auch das Land habe durch das Werk Vorteile, sagt Schreiber. Schließlich decke der Grundwasserspeicher des Rieds in einem Jahr rund die Hälfte des Trinkwasserbedarfs des Rhein-Main-Gebiets. Dennoch macht die Anlage in Biebesheim nach Unternehmensangaben im Jahr rund 600000 Euro Verlust. Zwar werde durch die geringere Verschmutzung des Rheins schon Geld eingespart. Weitere Kostensenkungen seien aber nicht mehr möglich, sagt Schreiber. Durch die Festsetzung des Wasserpreises könnten die Kosten nicht an die Verbraucher weitergegeben werden. Das Land müsse sich wieder an der Anlage beteiligen.

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