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Veröffentlicht: 21.12.2012, 17:31 Uhr

Bettel-Betrüger in Frankfurt Die Hintermänner kommen davon

Polizei und Ordnungsamt gehen gegen aggressive und betrügerische Bettler vor. Um die Auftraggeber belangen zu können, fehlen ihnen aber die Beweise.

von , Frankfurt
© Wresch, Jonas Weihnachtsgeschäft: Eine Frau bittet auf der Zeil um Geld.

Bumm, bumm, bumm.. Immer wieder lässt der Mann den Fußball auf seinen Kopf prallen. Zehn Mal, zwanzig Mal, hundert Mal. Zwischendurch jongliert er den Ball auf seinen Krücken. Links, rechts, links. Auf der jeweils anderen Gehhilfe stützt er sich ab. Der Mann scheint gehbehindert zu sein. Zum „Supertalent“ würde er es zwar nicht bringen. Auf der Zeil wirbt er aber ohnehin nur um das Kleingeld der vorbeieilenden Geschenke-Käufer. Schon vormittags ist sein Pappbecher zu einem Drittel mit Münzen gefüllt.

Christian Palm Folgen:

Mit seinem Ziel ist der bettelnde Akrobat nicht allein. Alle Jahre wieder steigt die Zahl der Bettler in Frankfurts Fußgängerzonen in der Weihnachtszeit an. Seit osteuropäische Länder zur Europäischen Union gehören, strömen auch von dort immer mehr Menschen nach Deutschland, um im Dezember von der mildtätigen Gemütslage der Deutschen zu profitieren. Dass das Spendengeld aus den Pappbechern in den Taschen von Bedürftigen landet, darf aber in vielen Fällen bezweifelt werden, heißt es beim Ordnungsamt. „Wir haben die Erkenntnis, dass es speziell bei den osteuropäischen Personen Menschen im Hintergrund gibt, die einen Großteil der erbettelten Gelder übernehmen“, sagt ein Sprecher. Den Bettlern bliebe oft nur ein minimales Taschengeld sowie freie Kost und Logis in einem Hinterhofhotel. Beweisen lasse sich das aber nicht. Ohnehin stellt dies nur eine Straftat dar, wenn die Männer und Frauen von ihren Chefs gegen ihren Willen zur Arbeit auf der Straße gezwungen werden, oder wenn sie vorgeben, für Institutionen zu sammeln, von denen sie keinen Auftrag haben.

Kriminelle Bettler sind selten in „Banden“ organisiert

Neulich haben Polizisten ein rumänisches Mädchen festgenommen, das auf der Zeil um Spenden für ein Frankfurter Gymnasium bat. Den Anruf bei der Schule, um nachzufragen, ob dies dort bekannt sei, hatte es kaum bedurft, um zu wissen, dass es sich um eine Betrügerin handelte. Die Polizei beschlagnahmte das gesammelte Geld. Das Mädchen schwieg aber darüber, wer ihr den Auftrag zum Betteln gegeben hatte. Die Polizisten mussten sie gehen lassen.

Drei bis vier solcher Fälle habe es in der Vorweihnachtszeit gegeben, sagt ein Polizeisprecher. In keinem sei es gelungen, an die Hintermänner heranzukommen. Das sei auch deshalb schwierig, weil die kriminellen Bettler selten in „Banden“ organisiert seien, wie die Boulevard-Presse gerne titelt, sondern eher mit ihren Familien-Clans nach Frankfurt kämen. Polizei und Ordnungsamt laufen in diesen Wochen Extra-Streifen, um wenigstens die schlimmsten Auswüchse des Bettel-Geschäfts zu verhindern. Häufig sprechen sie Platzverweise und Ermahnungen aus. Dabei geht es vor allem um die Grenze zwischen stillem und aggressivem Betteln. Diese wird überschritten, wenn Passanten belästigt werden. Außerdem dürfen die Bettler laut einer Verordnung nicht direkt vor Schaufenstern oder auf den Gehwegen der Fußgängerzonen um Spenden bitten.

Das Geschäft scheint weiterhin gut zu laufen

Das begrenzt ihren Wirkungskreis etwa auf der Zeil enorm. Zwischen Haupt- und Konstablerwache gibt es etwa ein Dutzend besonders begehrte Plätze, die von Bettlern besetzt sind. Vor allem osteuropäische Männer zeigen dort bei jedem Wetter ihre Verstümmelungen und gelähmten Beine. Sie verstoßen damit gegen kein Gesetz, so lange sie „still“ betteln.

Das Geschäft scheint weiterhin gut zu laufen. Anders ist es nicht zu erklären, dass die Zahl der Bettler Jahr um Jahr steigt. Die Ordnungsbehörden beobachten, dass die Gruppen von Großstadt zu Großstadt reisen und meist nur wenige Wochen an einem Ort bleiben. Mögliche Ordnungsgelder schrecken sie nicht ab. Bis zu 5000 Euro können fällig werden wegen aggressiven Bettelns. Ersttäter zahlen in der Regel 60 Euro.

Bekäme der junge Fußball-Akrobat für jeden seiner Kopfbälle einen Cent, hätte er keine Probleme, eine solche Strafe zu zahlen. Solche Sorgen muss er sich aber nicht machen. Anscheinend hält er sich an die Gesetze.

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Quelle: F.A.Z.

 

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