http://www.faz.net/-gzg-78l3s

Besetztes Haus : „Institut für Irrelevanz“ geräumt

  • Aktualisiert am

Räumung: Begleitet von Protesten drang die Polizei in das „Institut für vergleichende Irrelevanz“ (IVI) ein. Bild: Nils Thies

Das „Institut für vergleichende Irrelevanz“ war eine Mischung aus linker Wohngemeinschaft, Gegen-Universität und alternativem Kulturzentrum. Nun wurde das letzte besetzte Haus Frankfurts geräumt.

          Zehn Jahre lang hatten linke Studenten ein Gebäude im Frankfurter Westend besetzt - nun ist das „Institut für vergleichende Irrelevanz“ (IVI) Geschichte. Am Montagmorgen wurde das denkmalgeschützte Gebäude aus den 1960er Jahren von der Polizei geräumt. Zu größeren Ausschreitungen kam es nicht. In Frankfurt, der ehemaligen Hausbesetzer-Hochburg, endet damit auch eine Ära: Das IVI war das letzte besetzte Haus der Stadt.

          Am frühen Morgen war die Polizei mit Einsatzwagen, bewaffneten Beamten und Hunden angerückt. Sie baute vor dem Eingang Gitter auf und sperrte umliegende Straßen. Rund 50 Demonstranten, die die Beamten vor dem Eingang erwartet hatten, ließen sich ohne größeren Widerstand abführen. Danach flexte die Polizei die Tür auf und durchkämmte Zimmer für Zimmer mit Hunden das Gebäude. Rund ein halbes Dutzend Bewohner wurden herausgeführt. Zwischen 100 (Polizeiangaben) und 250 (IVI-Schätzung) Sympathisanten beobachteten die Aktion.

          Rund um die Uhr bewacht

          Das besetzte Gebäude diente seit rund zehn Jahren unter dem Motto „Theorie Praxis Party“ als Wohn- und Veranstaltungsraum. Die Immobilienfirma Franconofurt hatte das Gebäude Anfang 2012 von der Goethe-Universität gekauft. Im Februar 2013 hatte sie vor Gericht einen Räumungstitel erstritten, demzufolge die Besetzer das Haus verlassen müssen. Da diese sich weigerten, freiwillig zu gehen, war die Räumung erwartet worden. In der Nacht hatten die IVI-Leute hinter den Türen und in den Treppenhäusern Barrikaden errichtet.

          „Ich bin froh, dass es so friedlich über die Bühne ging“, sagte Franconofurt-Vorstand Christian Wolf. Um eine Wiederbesetzung zu vermeiden, werde das Haus nun rund um die Uhr bewacht, die Fenster würden zugenagelt, die Türen zugemauert. In einigen Wochen wolle man mit der Räumung des zugemüllten Hauses beginnen und danach mit dem Bauamt die künftige Nutzung besprechen.

          „Wir werden den Kampf auf allen Ebenen fortsetzen“, kündigte IVI-Sprecher Oliver Sonnenschein an. Die Stadt müsse ein anderes Haus zur Verfügung stellen, an dem das IVI fortgeführt werden könne: „Ein Ort wie das IVI ist und bleibt notwendig in dieser Stadt, und wir werden so lange weiter besetzen, bis wir ein adäquates Ersatzobjekt haben.“ Sonnenschein kritisierte den Polizeieinsatz als „vollkommen unverhältnismäßig“, es habe drei Verletzte gegeben.

          Quelle: LHE

          Weitere Themen

          Grünes Schlachtfeld

          Friedrichshain-Kreuzberg : Grünes Schlachtfeld

          Im ur-grünen Berliner Bezirk will Canan Bayram das Direktmandat von Ströbele verteidigen. Für die Grünen hätte das symbolischen Wert, doch Bezirk und Partei liegen oft im Clinch. Wie tickt Friedrichshain-Kreuzberg?

          Abermals Ausschreitungen in Katalonien Video-Seite öffnen

          Geplantes Referendum : Abermals Ausschreitungen in Katalonien

          In der spanischen Metropole ist es zu Demonstrationen gekommen, nachdem der Sitz der katalanischen Regionalregierung von Sicherheitsbehörden durchsucht wurde. Zehntausende Menschen versammelten sich in Barcelona und anderen katalanischen Städten, um gegen das Vorgehen der Sicherheitsbehörden zu protestieren und ihre Unterstützung für das geplante Unabhängigkeitsreferendum zu bekunden.

          Topmeldungen

          AfD triumphiert im Osten : Frauke Petry gewinnt Direktmandat

          Die AfD hat besonders bei Männern im Osten punkten können. In den neuen Bundesländern ist die rechte Partei zweitstärkste Kraft. In Sachsen ist sie sogar die Nummer eins und gewinnt mehrere Direktmandate.

          Das Comeback der FDP : Triumphale Rückkehr ins Ungewisse

          Nach dem triumphalen Wiedereinzug der Liberalen in den Bundestag muss sich Christian Lindner die Frage stellen: Werden die Freien Demokraten wieder mit Angela Merkel regieren? Die Signale des FDP-Retters sind deutlich.

          SPD-Wahldebakel : Der schlimmste Tag

          Für die SPD ist es das schlechteste Ergebnis seit 1949. Die Partei will sich nun nach der vierten Wahlniederlage seit 2005 rundum erneuern. Eine Konsequenz aus dem Desaster nehmen die Genossen jedoch fast erleichtert auf.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.